Teheran bestellt argentinischen Diplomaten ein

24. August 2009, 21:15
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Streit um terrorverdächtigen designierten Verteidigungsminister - Vorwurf der "Einmischung" an Buenos Aires

Teheran/Wien - Die iranische Regierung hat am Montag einen argentinischen Diplomaten ins Außenministerium in Teheran zitiert. Grund ist der von Buenos Aires erhobene Vorwurf, der vom iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad designierte neue Verteidigungsminister Ahmad Vahidi sei in einen Anschlag auf ein jüdisches Zentrum in der argentinischen Hauptstadt 1994 verwickelt, bei dem 85 Menschen getötet wurden.

Die argentinische Regierung hatte die Berufung Vahidis in Ahmadinejads Kabinett als "Beleidigung der Opfer" des Terroranschlags bezeichnet. Nach Angaben der spanischen Tageszeitung "El Pais" wies Teheran diese Erklärung als "Einmischung in die inneren Angelegenheiten" in aller Schärfe zurück. Bei früheren Gelegenheiten hatte der Iran wiederholt jede Beteiligung an dem Anschlag geleugnet.

Gebäude gesprengt

"Leider verteidigen in Argentinien einige Personen und Gruppen, vor allem im Justizapparat, die Rechte der Zionisten anstatt das argentinische Volk zu verteidigen", sagte ein Beamter des Außenministeriums in Teheran.

Argentinien hat den Iran offiziell beschuldigt, das Attentat auf das jüdische Zentrum AMIA (Asociación Mutual Israelí Argentina) vor 15 Jahren geplant zu haben. Dabei hatte die Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Lastwagens das siebenstöckige Gebäude zerstört. Vahidi und andere hohe iranische Funktionäre - wie der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mohsen Rezaie - wurden auf argentinischen Antrag von Interpol zur Fahndung ausgeschrieben.

Vahidi, bisher Vize-Verteidigungsminister, war in der Vorwoche von Ahmadinejad als neuer Ressortchef nominiert worden. Das Parlament muss der Kabinettsliste des am 12. Juni unter umstrittenen Umständen wiedergewählten Präsidenten noch zustimmen.

Der Sprecher des Außen- und Sicherheitspolitischen Ausschusses des iranischen Parlaments erklärte unterdessen, die von der westlichen und insbesondere der "zionistischen" Presse erhobenen Vorwürfe gegen Vahidi würden dessen Position nur stärken. Sie würden ihm eine breite Zustimmung im Parlament eintragen, meinte der Abgeordnete Kazem Jalali gegenüber der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA.

Die vom "zionistischen Regime" (Israel) in Zusammenhang mit dem AMIA-Anschlag gegen den Iran erhobenen Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage, sagte Jalali. Auf Druck "bestimmter Großmächte" und Israels werde der Iran damit in Zusammenhang gebracht. Demgegenüber erscheine es offensichtlich, dass die USA und Israel in dieser Angelegenheit eine Rolle spielten. (APA)

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