Aus dem Hühnerstall kommt jetzt Strom

24. August 2009, 18:50
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Umweltfreundliche Energiegewinnung auf dem Bauernhof braucht einen subventionierten Tarif

Klagenfurt - Eigentlich würde man sich auf einem Bauernhof in 1300 Meter Seehöhe Milchwirtschaft erwarten. Aber die hat Franz Dorner längst aufgegeben: "Wenn ich da zehn Kühe halte, dann lüge ich mich doch selber an - wie soll ich da etwas verdienen können?" Daher ist er vor zehn Jahren aus der Milchproduktion ausgestiegen. Mit Mittelmäßigkeit sei kein Krieg zu gewinnen, sagt Dorner, man müsse sich schon auf das konzentrieren, was man gut und effizient produzieren kann.

So kam Dorner auf die Geflügelproduktion - und zur Ökoenergie: Die Küken, die er mästet, brauchen nämlich Wärme. Diese mit Gas zu erzeugen schien ihm unrentabel - also schaffte er eine Hackschnitzelheizung an, deren Rohstoff aus den 27 Hektar eigenen Waldes kommt. Und weil er schon dabei war, wollte er auch gleich seinen eigenen Strom erzeugen. Wind müsste hier, hoch über der Stadt Wolfsberg, doch ausreichend vorhanden sein. Aber das war eine Fehlanzeige.

Dafür zeigte sich, dass die Dachflächen seiner Geflügelzucht-Stallungen geradezu ideal für Solarstrom sind: 3500 Quadratmeter Solarzellen könnte man installieren - wenn man genug Geld für die Investition hätte und diese durch den eingespeisten Strom in angemessener Zeit zurückverdient werden könnte.

Dorner hat da so seine Erfahrungen gemacht: 2,2 Millionen Euro hat er bisher in die solare Stromerzeugung investiert - und er stand mehr als einmal vor dem Abbruch seines Projekts. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Errichtung des inzwischen größten Solarkraftwerks Südösterreichs bewilligt wurde. Aber das war 2004 und da hat es keine Kontingente für die Einspeisung von Ökostrom in das Stromnetz gegeben.

2006 war es dann wieder ganz anders: Da wurde dem Geflügelhof überraschend beschieden, dass seine Stromerzeugung ans Netz gehen könnte - aber nur, wenn es ihm gelänge, spätestens bis 30. Juni mit der Einspeisung zu beginnen. Dorner schaffte es, er errichtete sogar eine 20.000-Volt-Leitung um 170.000 Euro. Aber da stand er gleich vor dem nächsten Problem: Für die Kilowattstunde wurden ihm zeitweise nur 5,38 Cent bezahlt, damit wäre der Millionenkredit nicht zu tilgen gewesen. Die Finanzierung durch die Hypo Alpe-Adria war allerdings auf dem bis dahin gültigen Tarif von 60 Cent pro Kilowattstunde aufgebaut.

Im Jahre 2006 wechselten aber die Zuständigkeiten für die Abrechnung des eingespeisten Stroms - für ihn habe sich keiner zuständig gefühlt, erinnert sich Dorner. Damals musste er für die 20 Stromzähler seines Kraftwerks 1350 Euro Miete plus einem Ökostrom-Beitrag von 300 Euro bezahlen, bekam aber für seinen Ökostrom nicht den Ökostromtarif ausbezahlt.

"Unter Wirtschaftsminister Bartenstein ist nicht viel weitergegangen mit dem Ökostrom, ich habe 220.000 Euro verloren. Jetzt aber wird ein Tarif zwischen 39 und 60 Cent gezahlt - und jetzt kann ich an den Ausbau denken. Noch ist ja nicht alles genutzt, ich erzeuge derzeit 220 Kilowatt, es wären aber 345 Kilowatt möglich - und das ist der Bedarf von über 150 Haushalten", rechnet Dorner vor. Er denkt gleichzeitig an die Errichtung eines weiteren Stallgebäudes, das natürlich ebenfalls als Solarkraftwerk dienen soll. Ein Megawatt könnte er bei einem Vollausbau liefern.

Dass Solarstrom zu teuer wäre, lässt Dorner nicht gelten: "Wenn Du um den Weltmarktpreis produzieren musst, bist Du derzeit ein Konkursfall. Aber der Weltmarktpreis ist der Grundlastpreis aus bereits abgeschriebenen Atomkraftwerken. Für Spitzenstrom werden auch bis zu 80 Cent bezahlt."

Das immer wieder novellierte Ökostromgesetz sieht er noch nicht als völlig saniert an: Wenn nach deutschem Vorbild die Beschränkungen des Ökostrom-Ausbaus aufgehoben würden, könnten zehntausende Dachflächen mit einer Gesamtfläche von 100 Quadratkilometern dezentrale Lieferanten umweltfreundlicher Energie aus Solarstrom werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2009)

  • Dorners Hof in Kamp bei St. Gertraud ist ein Kraftwerk - und als solches mit Umweltgütesiegel ausgezeichnet.
    foto: conrad seidl

    Dorners Hof in Kamp bei St. Gertraud ist ein Kraftwerk - und als solches mit Umweltgütesiegel ausgezeichnet.

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