Heiße Spur im Bienenrätsel

24. August 2009, 21:00
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Forscher finden möglichen Grund für das Massensterben

Washington - Es war eine seltsame Koinzidenz: Nur wenige Wochen, nachdem US-Forscher im Oktober 2006 das Genom der Honigbiene vollständig entziffert hatten, wurden in den USA erste Fälle eines mysteriösen Bienensterbens gemeldet. Es sollte der Anfang einer wahren Epidemie sein: In den Jahren 2007 und 2008 wurde ein Drittel der Honigbienenbestände in den USA dahingerafft.

Das rätselhafte Massensterben erhielt die Bezeichnung Colony Collapse Disorder (also in etwa Völkerkollaps-Störung). Und dass CCD auch in anderen Ländern wie Großbritannien und Spanien auftrat, machte die Sache nicht weniger mysteriös.

Als mögliche Auslöser für CCD wurden verschiedenste Ursachen genannt: Von Mobilfunkstrahlung über genetisch veränderte Pflanzen und Pestizide bis hin zu einem Pilzparasiten namens Nosema ceranae.

Nun fanden US-Forscher einen wichtigen Hinweis, der einen Teil des Bienendramas erklären könnte: und zwar mittels Microarrays. Mit ihnen lassen sich aktive Gene identifizieren - also solche, die mittels RNA die genetische Information in Proteine übersetzen.

Bei diesen Analysen zeigte sich, dass von CCD befallene Bienen große Mengen fragmentierter ribosomaler RNA aufwiesen - was ein Hinweis auf Schädigung der Ribosomen ist, schreiben die Forscher in PNAS. Ribosomen wiederum sind die Fabriken, in denen Proteine hergestellt werden.

Das könnte etliche Phänomene rund um das Bienensterben erklären, so Ko-Autorin May Berenbaum: "Denn wenn deine Ribosomen beeinträchtigt sind, kannst du auch nicht auf Pilzinfektionen, Bakterien oder schlechte Ernährung reagieren. Du brauchst nämlich Proteine, um zu überleben." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 25. 8. 2009)

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    Eine Ursache für das Bienendrama dürfte in den Ribosomen liegen.

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