"Die Fundamente sind noch nicht stabil"

24. August 2009, 17:35
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Die Hoffnung auf eine Erholung der weltweiten Konjunktur treibt die Börsen nach oben. Warnungen von Experten verhallen

Die Hoffnung auf eine Erholung der weltweiten Konjunktur treibt die Börsen nach oben. Warnungen von Experten verhallen. Die Rohstoffpreise klettern zum Teil steil nach oben, Öl erreicht ein neues Jahreshoch.

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Wien - Allen Warnrufen zum Trotz legen die Börsen weltweit ob der aufgehellten Konjunkturaussichten zu. Die Rufe von Experten, dass das Wachstum von einem niedrigen Niveau aus starte und man von einem Ende der Krise noch lange nicht sprechen könne, wollen Börsianer im Moment nicht hören.

Rund um den Globus waren die Börsen am Montag im Aufwind. Die Leitbörsen in Fernost haben deutlich fester geschlossen. Der Nikkei-225 Index in Tokio verteuerte sich um 3,35 Prozent, der Hang Seng Index in Hongkong stieg um 1,67 Prozent. Zulegen konnten auch die Märkte in Singapur und Sydney. Und auch für die in der Vorwoche arg gebeutelte chinesische Börse ging es am Montag aufwärts: Der Shanghai Composite Index schloss 1,1 Prozent fester. Euphorie kam vom größten asiatischen Ölraffinerieunternehmen. Die China Petroleum and Chemical Corporation verbuchte nach der Veröffentlichung von Halbjahreszahlen einen Kursgewinn von 2,21 Prozent. Trotz der vielen Anzeichen für eine wirtschaftliche Erholung hat Chinas Regierungschef Wen Jiabao Hoffnungen auf ein kräftiges Wachstum gedämpft. "Die Fundamente sind noch nicht stabil. Wir dürfen nicht blindem Optimismus verfallen" ,

Diese positive Tendenz hat auch auf Europa abgefärbt. Die wichtigsten europäischen Börsen haben bis 15.00 Uhr fester notiert. Der Dax legte in Frankfurt 0,61 Prozent zu. Im Tagesverlauf schaffte der deutsche Leitindex einen Anstieg um 1,2 Prozent und erreichte mit 5525 Punkten zeitweise den höchsten Stand seit zehn Monaten.

Der FTSE-100 der Börse London erhöhte sich um 0,44 Prozent, der ATX, Leitindex der Wiener Börse, notierte deutlich fester und lag 2,71 Prozent im Plus. Titel, die von der Konjunktur abhängen, wurden am Montag von Händlern besonders gesucht.

Genährt wird die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Konjunktur unter anderem vom New Yorker Universitätsprofessor Nouriel Roubini, der von einer Bodenbildung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2009 ausgeht.

Angeführt von Finanz- und Rohstofftiteln erreichte der Euro-Stoxx-50 im Verlauf ebenfalls ein Zwischenhoch und kletterte auf den höchsten Stand seit Mitte Oktober 2008. Die Rohstoffwerte zogen aufgrund der deutlich gestiegenen Rohstoffpreise nach oben.

Ölpreis erreicht neues Hoch

Der Ölpreis ist am Montag auf einen neuen Jahreshöchststand gestiegen. Im New Yorker Computerhandel kostete ein Barrel (159 Liter) Rohöl bisweilen 74,11 Dollar (51,72 Euro), rund 20 US-Cent mehr als der vorige Höchststand vom Freitag.

Vor allem in China, dem Land mit dem weltweit zweithöchsten Öl-Verbrauch nach den USA, war im Juli die Nachfrage im Vorjahresvergleich um 3,5 Prozent gestiegen. Nach Reuters-Daten war das der vierte Anstieg in Folge.

Einen Preissprung um sieben Prozent auf bis zu 1999 Dollar je Tonne verzeichnete Blei. So viel war seit knapp einem Jahr nicht mehr für das Industriemetall gezahlt worden. Der Kupferpreis zog ebenfalls an, was Händler mit der weltweiten Rally an den Aktienmärkten erklärten. "Jeder springt aufs Boot auf, weil keiner zurückbleiben will" , sagte ein Händler. Die Tonne des Industriemetalls wurde um 6400 Dollar gehandelt nach 6270 Dollar am Freitag. Auch Gold hat sich verteuert. Die Feinunze wurde um 953,10 Dollar gehandelt nach 952,65 Dollar im späten Freitaggeschäft. Anleger am Devisenmarkt haben stark auf den Euro gesetzt. Die Gemeinschaftswährung stieg bis auf 1,4359 Dollar nach 1,4320 Dollar am Freitag.

Zuversicht in den USA

Die Zuversicht, die US-Notenbank-Chef Ben Bernanke am Freitag verbreitete, hielt an den US-Börsen noch am Montag an. Im Blickpunkt stand ein Milliarden-Verkauf von Procter & Gamble. Der Dow-Jones legte in den ersten Handelsminuten 0,4 Prozent zu, der S&P-500 stieg um 0,5 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq legte 0,4 Prozent zu. (Reuters, APA, bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2009)

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