Mehrheit der Polen für Truppenrückzug

24. August 2009, 15:59
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Ex-Vizeverteidigungsminister Koziej warnte trotz Kritik an Intervention vor raschem Abzug

Warschau - Die polnischen Soldaten sollten Afghanistan verlassen, und zwar unverzüglich. Dieser Meinung sind 60 Prozent der Polen, die an einer Internet-Umfrage für Newsweek.pl teilgenommen haben. Gegen den Abzug ist weniger als ein Viertel der Befragten. Der ehemaliger Vizeverteidigungsminister General Stanislaw Koziej warnt, dass solch eine Flucht für Polen schlimme Folgen haben könnte. Er wies zugleich aber darauf hin, dass man immer öfter davon spricht, dass die Intervention in diesem Land für Polen und für die ganze NATO wie der Vietnam-Krieg für die USA enden könnte.

Polen hat derzeit 2.000 Soldaten in Afghanistan stationiert. Der jüngste Tod eines Soldaten in Afghanistan entfachte wieder eine Diskussion über den Einsatz. Der polnische Premier Donald Tusk entschied daraufhin gegen den Vorschlag des Verteidigungsministeriums, das polnische Truppenkontingent zu verstärken.

"Auf jeden Fall ja"

Die Frage, ob Polen unverzüglich seine Truppen aus Afghanistan zurückziehen soll, beantworteten 33 Prozent der Befragten mit "auf jeden Fall ja". Weitere 27 Prozent wiesen auf die Antwort "eher ja" hin. "Die Ergebnisse sind nicht überraschend, besonders in der jetzigen Situation, also nach dem erneuten Tod eines polnischen Soldaten", kommentierte Rafal Wisniewski, Soziologe der Karol-Wyszynski-Universität, die Umfrage für Newsweek.pl.

Auch für Koziej sind die Ergebnisse der Umfrage keine Überraschung. Seiner Meinung nach fühlen die Polen, dass die polnischen Truppen in Afghanistan in eine "strategische Falle geraten sind". Er warnte jedoch, dass den Befürwortern eines raschen Rückzugs aus Afghanistan die möglichen schlimme Folgen des Schrittes nicht bewusst seien. Er nennt als Beispiel Spanien, das nach dem raschen Rückzug aus dem Irak vor einigen Jahren nicht mehr als ernsthafter Verbündeter betrachtet werde.

Das polnische Afghanistan-Kontingent ist seit vergangenen Herbst in der Provinz Ghazni stationiert, deren Bergregionen teilweise in der Hand von Taliban-Kämpfern sind. Ihr Ziel ist es, dass dort das offizielle afghanische Militär und die Polizei die Kontrolle übernehmen. (APA)

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