"Radio-Maryja"-Chef entschuldigt sich für Rassismus

24. August 2009, 15:54
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Rydzyk: Rassistische Bemerkung war ein "Scherz" - Schwarzer Franziskanermönch habe sich "noch nie gewaschen"

Warschau - Nach heftigen Protesten hat der Chef des umstrittenen erzkatholischen polnischen katholischen Senders "Radio Maryja", Tadeusz Rydzyk, eine beleidigende Bemerkung über einen dunkelhäutigen Ordensmann bedauert. "Wenn ich irgendjemandem Leid zugefügt habe, entschuldige ich mich sehr", sagte er in seinem Radioprogramm laut polnischen Medienberichten vom Wochenende. Bei der kritisierten Äußerung habe es sich um einen "Scherz" gehandelt, so der Redemptorist, wie Kathpress am Montag berichtet.

Rydzyk hatte einen aus der westafrikanischen Republik Togo stammenden Franziskaner im Juli bei einer Pilgermesse in Czestochowa (Tschenstochau) mit den Worten begrüßt: "Noch ein Schwarzer. Oh Gott, der hat sich noch nie gewaschen". Die Bemerkung fiel vor mehr als 100.000 Gläubigen und wurde von "Radio Maryja" und Rydzyks Fernsehsender "Trwam" übertragen. Der togolesische Ordensmann besitzt die polnische Staatsbürgerschaft und lebt seit 15 Jahren im Land.

Staatsanwalt gegen Verfahren

Jüngst hatte die Gleichstellungsbeauftragte der polnischen Regierung, Elzbieta Radziszewska, die Äußerung scharf verurteilt. Sie beschwerte sich bei den Oberen der polnischen Redemptoristen und bei der Bischofskonferenz. Rydzyks Worte seien rassistisch und verstießen gegen polnisches Recht. Die Staatsanwaltschaft Czestochowa lehnte jedoch die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ab. Es habe sich eher um einen "unangebrachten Scherz" als um eine Beleidigung gehandelt, hieß es zur Begründung. Die Bischofskonferenz und die Ordensleitung der Redemptoristen äußerten sich zu dem Fall nicht öffentlich.

Der 64-jährige Rydzyk wurde nach diesem Vorfall erstmals von Ordensbrüdern offen kritisiert. Brasilianische Redemptionisten hatten seine Worte in einem offenen Brief als "rassistisch" und "infantil" bezeichnet. Rydzyk wurde in der Vergangenheit mehrfach wegen antisemitischer Äußerungen belangt. Die Staatsanwaltschaft fand jedoch nie Hinweise auf einen Gesetzesverstoß. "Radio Maryja" ist nach eigenen Angaben mit vier Millionen Hörern einer der erfolgreichsten Sender in Polen.  (APA)

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