Empfehlungen des Forschungsrats

24. August 2009, 15:28
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Der Rat empfiehlt die Schwerpunktsetzung auf Life Sciences, Informations- und Kommunikationstechnologie, Umwelt und Energie

Wien - Vom "Innovation Follower" zum "Innovation Leader" - so lautet das häufig vernommene Ziel. Österreichs Sprung in die Gruppe führender Innovationsnationen in Europa gilt auch als zentrale Herausforderung in der neuen, am Montag vorgestellten Forschungsstrategie des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Dieser Sprung setze aber "einen grundlegenden Wandel in der Ausrichtung der Forschungs-, Technologie-, Innovations- und Bildungspolitik voraus, heißt es in der "Strategie 2020". Die für den Wandel notwendigen "Reformen" hat der Rat acht Themen untergeordnet. Im Folgenden eine Übersicht über zentrale Empfehlungen:

"Menschen": Um den Bedarf nach mehr und besser ausgebildeten Arbeitskräften zu decken, müsse der Bildungszugang verbessert werden. Dazu zählen ein "früherer Bildungsstart", die "spätere Segmentierung" im Schulwesen sowie eine höhere Anzahl von Personen, die studieren. Ein Studium schmackhafter machen könnten etwa ausgewogenere Betreuungsverhältnisse und eine attraktivere Gestaltung der Studienfächer. Zusätzliche Mittel für verbesserte Doktoratsausbildungen, neue Karrieremodelle für Frauen und eine Bewusstseinskampagne sollen dafür sorgen, den Beruf des Wissenschafters besser zu positionieren.

"Gesellschaft": Die zunehmende Bedeutung von Wissenschaft und Forschung, Technologie, Innovation (FTI) soll über "neue Formen des Dialogs von Wissenschaft und Gesellschaft" vermittelt werden. Empfehlungen umfassen eine Strategieentwicklung zur Gestaltung des Dialogs durch Ressorts, Rat, die Forschungsgemeinschaft wie auch Interessensvertreter sowie auch die "regelmäßige, am besten jährliche Durchführung der Langen Nacht der Forschung" und den "Ausbau des Wissenschaftlichen Dienstes des Parlaments zur Einholung und Aufbereitung unabhängiger Expertise".

"Input/Output": War Österreich bei der Mobilisierung von FTI-Mitteln in der jüngsten Vergangenheit sehr erfolgreich, so soll es künftig bei der Struktur der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) eine stärkere "Output-Orientierung" geben. Der Rat empfiehlt zudem, das Langfristziel bei der Forschungsquote für 2020 "angesichts der wirtschaftlichen Situation" zu bestimmen, die Dotierung der Grundlagenforschung in Ausgewogenheit mit jener der Unternehmens- und experimentellen Forschung zu gestalten und die Datenbasis durch einen abgestimmten Erhebungs- und Auswertungsprozess zu verbessern.

"Infrastruktur": Hier soll Forschung an internationale Infrastrukturen angebunden werden, etwa über "Top-Down-Maßnahmen zur Förderung der Teilnahme" an internationalen Programmen. Zudem wird u.a. die Schaffung einer "speziellen Plattform zur strategischen Planung von FTI-Infrastruktur" empfohlen, um langfristige, nachhaltige Strukturen zu garantieren.

"Schwerpunkte": Der Rat präsentiert eine Liste von zehn Schwerpunktthemen, die auf einer Bewertung ihrer Leistungsfähigkeit (z. B. wirtschaftliche, gesellschaftliche Relevanz) beruht. Angeführt wird die Liste von Life Sciences, Informations- und Kommunikationstechnologie und Nachhaltigkeit, Umwelt und Energie. Weiters werden Mobilität und Verkehr, Nano und Material, Mathematik, Physik, Chemie, Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, Manufacturing, Produktions- und Prozessmanagement, Dienstleistungen sowie Agri-Food-Research and Industry genannt. Eine die Ressorts übergreifende Schwerpunktsetzung wie auch die Ausarbeitung von Themenstrategien in jenen Feldern, wo dies bisher noch nicht geschehen ist, zählen zu den Empfehlungen des Rates.

"Instrumente": Zur Steigerung der F&E-Intensität im Unternehmenssektor sind laut Rat "insbesondere die Klein- und Mittelbetriebe zu adressieren", deren Potenzial in Österreich noch lange nicht ausgeschöpft sei. Die indirekte Förderung solle vereinfacht und erhöht werden: Der Rat empfiehl die Fokussierung auf ein Instrument: die Forschungsprämie. Deren Höhe soll künftig variabel zwischen zehn und 20 Prozent betragen können (bisher acht Prozent).

"Governance": Der Rat empfiehlt die Zusammenlegung der Forschungsagenden für angewandte und wirtschaftsnahe Forschung: Betroffen sind damit das Infrastruktur- und Wirtschaftsministerium. Zugleich sollen bestehende Aufsichts- und Lenkungsstrukturen der Förderagenturen zusammengelegt werden, "auch um die Mittel flexibel und bedarfsorientiert den Schwerpunkten zuordnen zu können". Konkret hieße das die Schaffung einer Verwaltungseinheit der grundlagenorientierten Forschung (für Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, ÖAW, FWF) sowie eine für die anwendungsorientierte Forschung (für FFG, aws, Christian-Doppler-Gesellschaft). Damit werde jedoch "keine zusätzliche Verwaltungsebene geschaffen, die bestehenden Lenkungsorgane agieren in Personalunion".

"Internationalisierung". Diesbezüglich empfiehlt der Rat u.a. die Entwicklung neuer Methoden der Koordination zwischen den Ressorts und den Abwicklern, eine "gemeinsame Erarbeitung von Partizipationsstrategien" für europäische Internationalisierungsansätze wie etwa das ERA-NET und die "Stärkung der Nachbarschaftspolitik durch intensivere Wissenschaftskooperationen sowie Zusammenarbeit in Bildung, Forschung und Entwicklung. (APA)

 

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