Gelungene Generalproben für Wiener Klubs

24. August 2009, 14:16
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Hofmann will keine Vergleiche anstellen - Austria springt dank Safar an die Tabellenspitze - Sturm versteht die Welt nicht mehr

Wien  - Rechtzeitig vor dem Qualifikations-Rückspiel der Europa-League gegen Aston Villa hat sich der SK Rapid in starker Verfassung präsentiert. Die Hütteldorfer fertigten am Sonntag im Hanappi-Stadion den LASK 4:1 ab und absolvierten dabei eine gelungene Generalprobe für den Auftritt am kommenden Donnerstag im Villa Park von Birmingham.

Starke Hälfte gegen LASK ausreichend

Für den Erfolg gegen die Linzer reichte Rapid eine äußerst starke erste Hälfte. Danach ließen die Grün-Weißen im Schongang die Zeit verstreichen und konnten es sich leisten, Leistungsträger wie Steffen Hofmann oder Christopher Drazan zu schonen. Der Einsatz von Hofmann war bis wenige Stunden vor Spielbeginn infrage gestanden, im Spiel war von einer Muskelblessur des Kapitäns nichts zu merken - der Deutsche glänzte mit zwei Assists und seinem ersten Kopfball-Treffer in der Bundesliga.

Hofmann warnte allerdings davor, die Partie gegen den LASK überzubewerten. "Dieses Match kann man nicht mit dem Rückspiel gegen Aston Villa vergleichen. Wir können uns vorstellen, was uns in Birmingham erwartet", meinte der 28-Jährige. Dabei hätte Rapid laut Hofmann gar keine zusätzliche Moralinjektion benötigt. "Selbstvertrauen haben wir spätestens seit dem Sieg gegen Aston Villa genug." Dieser Meinung schloss sich auch Trainer Peter Pacult an. "Man braucht sich nur unsere Statistik in dieser Saison anschauen (Anm.: eine Niederlage in zehn Pflichtspielen), dann weiß man, wie groß das Selbstvertrauen innerhalb der Mannschaft ist." 

Pacult sieht keine "Schnittwoche"

Die aktuelle positive Stimmung kann Rapid gut gebrauchen, schließlich geht es nicht nur am Donnerstag um einen historischen Aufstieg gegen eine englische Mannschaft, sondern am Sonntag darauf auch im Horr-Stadion gegen den Erzrivalen und Tabellenführer Austria, ehe eine zweiwöchige Länderspielpause auf dem Programm steht. Von einer "Schnittwoche" wollte Pacult in diesem Zusammenhang jedoch nicht sprechen. "Dann hätte ich in den fast drei Jahren, seit ich bei Rapid bin, fast jede Woche eine Schnittwoche."

Trotz der jüngsten englischen Wochen steigen für Pacult die personellen Alternativen. Ragnvald Soma strahlte - auch wenn nicht wirklich gefordert - in der Innenverteidigung Sicherheit aus und Branko Boskovic kam zum ersten Bundesliga-Einsatz seit seinem Armbruch. "Ihm fehlt noch die Sicherheit in den Zweikämpfen und im Passspiel, aber das bekommt man nur durch Spiele", kommentierte der Coach die Leistung des Montenegriners.

Safar in überragender Form

Lokalrivale Austria Wien löste indes am Sonntag durch einen 1:0-Auswärtserfolg im direkten Duell Sturm Graz als Tabellenführer ab. Die Favoritner sind erstmals seit 19. Oktober wieder Spitze, und das verdankten sie zu einem Großteil ihrem Torhüter Safar, der sein 100. Liga-Spiel im Austria-Dress absolvierte.

Der gebürtige Ungar freute sich, drei Tage nach seinem 35. Geburtstag kein Tor kassiert zu haben. "Die Tabellenführung ist ein schönes Geschenk. Ich hoffe, dass wir noch länger dort oben stehen dürfen", sagte Safar, der auch höchstes Lob von Austria-Trainer Karl Daxbacher erhielt: "Safi hat schon in Donezk und diesmal Superpartien geliefert." Er war dafür verantwortlich, dass die Gäste inklusive Cup seit 19. August 2006 in der UPC-Arena ungeschlagen sind.

Extralob vom Kapitän

Und auch der Goldtorschütze Milenko Acimovic stimmte in den Safar-Chor mit ein. "Szabolcs war wirklich toll, hat uns im Spiel gehalten", meinte der Austria-Kapitän, der in der 79. Minute nach toller Flanke von Suttner per Kopf getroffen hatte. Es war übrigens nicht sein erster Treffer mit Köpfchen, am 11. Juli 2007 beim 2:2 in Graz gegen Sturm hatte er seine Premiere gefeiert. Egal, wichtig war das 1:0 für das Selbstvertrauen im Hinblick auf die Partie in der Europa League.

Acimovic gab zu, dass seine Mannschaft durch das Hinspiel gegen Metallurg Donezk müde gewesen sei und sprach von einem sehr glücklichen Sieg. "Doch wir haben immer daran gelaubt, gewinnen zu können." Daxbacher kam zu dem Schluss, gut gekämpft, doch schlecht gespielt zu haben. "Es war ein sehr, sehr glücklicher Erfolg, Sturm war spielbestimmend", gab der 56-Jährige zu. Es gebe viel zu analysieren. "Wenn wir am Donnerstag weiterkommen wollen, müssen wir eine bessere Leistung zeigen." Das gilt auch für das Derby in einer Woche gegen Rapid.

Grazer verstehen die Welt nicht mehr

Die Grazer, die die Partie dominiert und viele Chancen vorgefunden hatten, verstanden die Fußball-Welt nicht mehr. "Die Wiener hatten keinen Plan, wie sie zu drei Punkten gekommen sind. Wir hatten Topchancen, haben sie leider zum Teil auch stümperhaft vergeben. Es ist selten, dass man Austria so im Griff hat wie wir heute", schüttelte Daniel Beichler den Kopf nach der ersten Heimniederlage seit 28. Februar (1:3 Kapfenberger SV) und dem ersten Nuller im zehnten Pflichtspiel der Saison (sieben Siege, zwei Remis).

Jakob Jantscher bezeichnete den Austria-Sieg als "sehr unverdient", Ferdinand Feldhofer, der das entscheidende Kopfball-Duell mit Acimovic verloren hatte, resümierte enttäuscht: "Man verliert einmal einen Zweikampf und verliert damit ein Spiel. Das ist bitter." Trainer Franco Foda appellierte, diese Partie so schnell wie möglich zu vergessen. Er versuchte, vor dem Rückspiel in der Europa League gegen Metalist Charkiw in der Ukraine das Positive in den Vordergrund zu stellen.

"Meine Elf bot in den beiden vergangenen Spielen tollen Fußball. Es ist wichtig, dass man gegen Teams wie die Wiener, die ich zu den Titelfavoriten zähle, so viele Torchancen erarbeitet," meinte der Deutsche. Seinen Mannen habe die Kaltschnäuzigkeit, die Routine und in gewisser Situation vorne auch die Qualität gefehlt. "Wenn wir die Chancen nützen, dann ist am Donnerstag alles möglich", richtete Foda den Fokus schon auf die internationale Bühne.

Atan sieht schon in "England, Italien oder Spanien"

Der Mattersburger Gold-Torschütze Cem Atan (1:0 in Kapfenberg)  ließ einen Blick in seine Gedankenwelt zu. "Schon bevor ich geschossen habe, habe ich gewusst, dass der Ball drinnen ist", . Außerdem verriet der 24-Jährige, dass er seine nähere Zukunft im Ausland sieht. "Ich werde bis nächstes Jahr Gas geben und dann wird es nicht die Türkei sein, sondern England, Italien oder Spanien."(APA)

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    Steffen Hofmann traf ausnahmsweise per Kopf.

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