Teamkollege als erster Herausforderer

24. August 2009, 13:47
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Barrichello nach Valencia-Sieg: "Ich denke, es ist sehr, sehr viel möglich" - Buttons Erfolgsrezept für Spa: "Viel aggressiver fahren"

Valencia - Er widmete den 100. Sieg eines brasilianischen Formel-1-Piloten seinem Heimatland, doch in Gedanken war Rubens Barrichello vor allem bei Felipe Massa. "Was ich auf meinen Helm geschrieben habe, ist die Wahrheit", sagte Barrichello, dessen Kopfschutz die Aufschrift "Felipe - ich sehe dich bald wieder auf der Strecke" trug.

Berührter Massa

Selbst in einem der wohl glücklichsten Momente seiner Rennsportkarriere nach dem ersten Sieg seit knapp fünf Jahren und dem insgesamt zehnten, widmete sich der 37-Jährige seinem verunglückten Landsmann, der den Grand Prix von Valencia gebannt in Sao Paulo verfolgt hatte. "Es hat mich emotional sehr berührt, als ich seinen Helm mit dieser Hommage an mich gesehen habe", erklärte Massa auf seiner Internetseite.

Barrichello raste auf Rang zwei (54 Punkte) in der Fahrer-WM, nur Teamkollege Jenson Button (72) liegt noch vor ihm - und dem WM-Titel, von dem Barrichello in seiner langen Karriere selbst bei Ferrari als Schattenmann von Lichtgestalt Michael Schumacher immer nur träumen durfte. Doch wich in Valencia der sportliche Ehrgeiz den emotionalen Worten für Massa, der von einer Stahlfeder von Barrichellos Brawn-Boliden in Ungarn vier Wochen zuvor getroffen worden und schwer verunglückt war. Hinein mischte sich auch die Freude über den historischen Erfolg für seine Heimat. "Der 100. wird immer ein berühmter sein", meinte Barrichello, dessen Karriere vor kurzem noch am seidenen Faden gehangen war.

Tipps an Barrichello

"Ich habe die ganze Zeit die Daumen gedrückt und einen Sieg erwartet, damit die brasilianische Dominanz in Valencia erhalten bleibt", erklärte Massa. Er hatte im Vorjahr das Premieren-Rennen in der Hafenstadt für sich entschieden und Barrichello wertvolle Tipps für die Ideallinie in Valencia gegeben. Mit Erfolg.

"Im vergangen Jahr haben die Leute gedacht, das war es für mich", erzählte Barrichello. Völlig verschwitzt von dem kräfteraubenden Rennen bei Temperaturen von weit über 30 Grad im Schatten hatte er ausgelassen wie ein kleiner Bub bei der Siegerehrung getanzt und gejubelt. Denn er hatte es allen gezeigt, wenn auch begünstigt durch eine Boxenstopp-Panne des lange führenden Weltmeisters Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes. "Ich habe immer gedacht, dass ich es noch drauf habe", betonte Barrichello nach der Rückkehr an die Spitze.

"Mit siebenten Plätzen kann man nicht Weltmeister werden"

Mit dem ersten Saisonsieg sorgte er auch für die Wiederbelebung des Teamduells mit Button. "Er ist jetzt mein härtester Gegner. Ich muss in Spa viel aggressiver fahren. Denn mit siebenten Plätzen kann man nicht Weltmeister werden", gab der WM-Spitzenreiter zu und hoffte auf eine Trendwende am kommenden Rennwochenende in Belgien.

Zumindest die schwächelnden Red Bulls mit Sebastian Vettel (Aus mit Motorschaden) und Mark Webber (Neunter) muss der sechsfache Saisonsieger aus England aber vorerst weniger fürchten. Gefahr vom Teamgefährten, der sich mit seiner fehlerlosen Valencia-Vorstellung trotz fortgeschrittenen Alters auch für einen neuen Vertrag empfahl, droht umso mehr. Barrichello: "Ich muss nur weiter arbeiten. Ich denke, es ist sehr, sehr viel möglich." Sogar der WM-Titel. (APA/dpa/Reuters)

 

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    Jenson Button und Teamkollege Rubens Barrichello.

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    Am Helm steht es geschrieben: "Felipe - ich sehe dich bald wieder auf der Strecke."

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