Ableiten ist besser als löschen

24. August 2009, 12:45
21 Postings

Sommergewitter bringen immer mehr Blitze mit sich - und eine steigende Gefahr für Hausbrand

Sommergewitter bringen immer mehr Blitze mit sich – und eine steigende Gefahr für Hausbrand. Da helfen nur eine fundierte Planung und regelmäßige Prüfung der Blitzschutzanlage.

Knapp 239.500 Blitze gingen in diesem Jahr schon über Österreich nieder – etwa 10.000 mehr als die Blitzbeobachtungsstelle Aldis im selben Zeitraum des Vorjahres registriert hat.

Und weil sich die plötzlichen Entladungen von den Gewitterwolken in Richtung Erde immer jenen Weg suchen, der am besten leitet, standen auch nach den heurigen Unwettern zahlreiche Häuser in Brand. Dabei muss der Blitz nicht unbedingt in den höchsten Punkt einschlagen. Ein Blitz kann Stromstärken bis zu 500.000 Ampere erreichen, wobei Temperaturen von bis zu 30.000 Grad Celsius entstehen. Rund 15 Prozent aller Brände werden durch Blitzschlag ausgelöst, jährlich entstehen dadurch in Österreich Brandschäden von bis zu zehn Millionen Euro.

"Es gibt eine spürbar höhere Nachfrage nach Blitzschutzanlagen", meint Robert Trotzmüller, Geschäftsführer einer auf Blitzableiter spezialisierten Elektroinstallationsfirma. "Bevor die Anlage installiert wird, ist jedoch eine fundierte Planung durch Fachleute notwendig", rät Trotzmüller.

Äußere und innere Struktur

Im Rahmen einer Risikoanalyse wird erhoben, in welche der vier Schutzklassen das Gebäude fällt und welche Maßnahmen nötig sind. Das Risiko für einen Blitzeinschlag hängt von der lokalen Einschlagshäufigkeit, der Lage und Umgebung des Gebäudes, der Konstruktionsweise und den vorhandenen Versorgungsleitungen ab. Eine weiche Dacheindeckung aus Holz oder Stroh sowie leicht entflammbare Dämmmaterialien erhöhen die Brandgefahr.

Mit einer hochwertigen Blitzschutzanlage kann der Blitz abgefangen werden. Dazu bedarf es einer äußeren und einer inneren Struktur. Konkret: Außen wird die Kontur des Gebäudes mit Leitungen aus verzinktem Stahl, Aluminium oder Kupferdraht grobmaschig eingefasst. Zusätzlich werden alle metallischen Installationen wie Antennenrohre und Dachrinnen auf kürzestem Wege mit den Fangleitungen verbunden.

Ableitungen führen den Blitzstrom sodann senkrecht zur Erdungsanlage, wo er möglichst großflächig in den Boden übertragen wird. Im Gebäudeinneren selbst verhindert ein sogenannter Überspannungsschutz sowie ein Potenzialausgleich, dass Blitzströme über Rohrleitungen und Elektrokabel ins Haus dringen und Haushalts- und Elektrogeräte indirekt zerstören.

Bester Zeitpunkt für die Installation einer Blitzschutzanlage ist die Planungsphase eines Neubaus, aber auch ein nachträglicher Einbau ist durchaus möglich. "Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer vorhandenen und brauchbaren Erdung liegt der Richtwert bei etwa 1300 Euro", beziffert Robert Trotzmüller die Kosten.

Versicherungspolizze lesen

Ein Gesetz, das privaten Ein- und Mehrfamilienhäuser die Installation von Blitzableiter & Co anordnet, gibt es nicht. Eine entsprechende Vorschrift kann nur die Baubehörde erlassen. Sollte es jedoch zu einem Brand kommen, kann es sein, dass die Versicherung nicht für den Schaden aufkommt – schon gar nicht, wenn die Anlage nicht in einem gewissen Mindestintervall geprüft wurde, warnt Leopold Schöggl von TÜV Österreich, das neben vielen Anbietern eine professionelle Wartung von Blitzschutzanlagen anbietet. "Man sollte genau studieren, was in der Polizze steht", empfiehlt Schöggl.

Besitzer von Einfamilienhäusern sollten zumindest alle zehn Jahre feststellen lassen, ob Ableitungen und Erdungen Rost aufweisen. Besonders aufpassen müsse man außerdem bei Nachrüstungen und Umbauten am Dach, wie Satelliten- und Klimaanlagen sowie Solarkollektoren, die unbedingt in die Blitzschutzanlage integriert werden müssen, betont Robert Brenner, der beim TÜV für die Prüfung von Blitzschutzanlagen zuständig ist. Aus gutem Grund: "Fünf bis zehn Prozent der Gebäude weisen keinen ausreichenden Blitzschutz auf." (Karin Krichmayr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.8.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Blitzschutz ist gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben, aber überaus empfehlenswert. Ab etwa 1300 Euro ist das Haus gegen Unwetter gerüstet.

Share if you care.