Opel dreht die nächste Runde

24. August 2009, 17:39
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In Deutschland ist immer mehr von einer Blamage die Rede, weil GM auf das von Berlin favorisierte Magna-Konzept für Opel nicht einsteigen will

In Deutschland ist immer mehr von einer Blamage die Rede, weil GM auf das von Berlin favorisierte Magna-Konzept für Opel nicht einsteigen will. Die Belegschaft nimmt aus Protest Zugeständnisse zurück.


Berlin/Wien – Die deutsche Regierung ist entnervt, der Opel-Betriebsrat spricht von Provokation und kündigt Protestmaßnahmen vor der US-Botschaft an, sollte General Motors bis Sonntag keine Entscheidung über den Verkauf des Europageschäfts treffen. Detroit hatte Freitagabend eine Verwaltungsratssitzung wie berichtet vertagt. Man benötige zusätzliche Informationen über die Staatshilfen, die Deutschland im Falle eines Verkaufs an das kanadisch-russische Konsortium bestehend aus Magna und Sberbank gewährt.

Das wiederum kam in wahlkämpfenden Berlin nicht gut an. Es seien alle Informationen detailliert übermittelt worden, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag: "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht." In Medienberichten hagelt es Kritik an der deutschen Vorgangsweise. Von Blamage ist die Rede, weil sich Kanzlerin Angela Merkel an Magna gekettet habe. Und von einem fehlenden Plan B, sollte der Wunschkandidat nicht zum Zug kommen.

Wie berichtet scheint sich bei GMimmer stärker die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Abgabe von Opel eine Schwächung des US-Autobauers mit sich bringe. Vor allem der zukunftsträchtige russische Markt und technologische Stärken kämen abhanden. Als Alternative wird in Detroit der Stopp des Verkaufsprozesses überlegt. Auch ein Verkauf an den Bieter Ripplewood, bei dem ein Rückkauf nach erfolgter Sanierung möglich wäre, wird verfolgt.

Washington will sich aus dem Übernahmepoker um Opel jedenfalls heraushalten. Die Regierung werde sich nicht in die Entscheidung von GM einmischen, an wen sie ihre deutsche Tochter Opel verkaufen will, erklärte am Montag ein Regierungssprecher in Washington. Die Regierungskommission für die Autobranche sei jedoch bereit, mit der deutschen Regierung über Opel zu sprechen.

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Wochenende bei seiner Amtskollegin Hillary Clinton dafür geworben, sich für Magna International als Bieter einzusetzen.

In dieser Woche treffen sich Bund und Länder erneut mit einem GM-Vorstandsmitglied – möglicherweise mit Konzernchef Fritz Henderson -, um über den geplanten Verkauf zu sprechen, wie Regierungssprecher Wilhelm weiter erklärte. Er bestritt, dass die Hängepartie die deutsch-amerikanischen Beziehungen insgesamt belastet. Die Entscheidung über den geplanten Verkauf von Opel könnten Bund, Länder und General Motors nur gemeinsam fällen, betonte Wilhelm. "Das Thema kann man nicht über eine Konfrontation lösen, sondern nur miteinander."

Die Opel-Belegschaft kündigt aus Protest gegen den zähen Verkauf Zugeständnisse auf. Als "ersten Warnschuss" forderten die Arbeitnehmer ihr Urlaubsgeld zurück, hieß es. Darauf hatten die 25.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland verzichtet. Insgesamt geht es um einen Betrag von rund 70 Mio. Euro, der fällig gestellt werden soll. (Reuters, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2009)

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    Vom Opel-Blitz ist derzeit nichts zu sehen. Der Verkaufsprozess dreht sich vielmehr seit Monaten im Kreis.

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