Touristiker befürchten harten Aufprall

24. August 2009, 18:00
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5,2 Prozent weniger Nächtigungen im Sommerhalbjahr - weniger Deutsche, Holländer

Wien - Die Wirtschaftskrise hat die heimischen Tourismuswirtschaft voll erfasst. Die Hoffnung, dass die Branche durch vermehrte Österreich-Urlaube deutscher Gäste mit einem blauen Auge davon kommen könnte, hat sich nicht erfüllt. Das zeigen Zahlen der Statistik Austria, die für die erste Sommerhälfte (Mai bis Juli) einen Nächtigungsrückgang um 5,2 Prozent auf 29,30 Millionen errechnet hat.

"Ich befürchte, dass sich das bis zum Ende der Saison noch potenzieren wird" , sagte der Chef der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Sepp Schellhorn, dem Standard. Seine Prognose: Minus 7,5 Prozent bei den Nächtigungen, zumal September und Oktober keine Kern-Urlaubsmonate seien.

Eine Sturzlandung könne nur vermieden werden, wenn die Regierung rasch zusätzliches Geld für Werbemaßnahmen zur Verfügung stelle, wie dies im Übrigen auch Nachbarstaaten tun würden. "Die Schweiz will allein für diesen Herbst und Winter umgerechnet 20 Millionen Euro ausgeben" , sagte Schellhorn. "Die Nachbarn werben uns um die Ohren."

Mit 29,3 Millionen Übernachtungen von Mai bis Juli wurden Österreichs Beherbergungsbetriebe auf Werte zurückgeworfen, die man zuletzt 2003 gesehen hat. Die Zahl der Ankünfte sind um 3,3 Prozent auf 8,32 Mio. zurückgegangen, weniger stark als die Übernachtungen. Das zeigt, dass die Gäste, die in Österreich Urlaub machen, heuer im Durchschnitt kürzer geblieben sind.

Die Zahl der Inländernächtigungen sei zur Sommerhalbzeit zwar leicht um 0,5 Prozent zurückgegangen, mit 9,72 Mio. Übernachtungen sei aber nach 2008 das zweithöchste jemals erhobene Ergebnis erzielt worden, teilte die Statistik Austria am Montag mit.

Keinen Grund zur Freude bereitet den Tourismusbetrieben die Gästeentwicklung aus dem Ausland: Nächtigungen ausländischer Gäste nahmen um 7,3 Prozent auf 19,59 Mio. ab. Für den Einbruch hauptsächlich verantwortlich waren die für den Österreich-Tourismus wichtigen Herkunftsmärkte Deutschland (minus 3,8 Prozent) und Niederlande (minus 16,6 Prozent). Überdurchschnittlich hohe Rückgänge wurden aber auch bei Gästen aus Großbritannien (minus 22,6 Prozent) und USA (minus 7,8 Prozent) gemeldet.

Mit Ausnahme von Frankreich (plus 0,4 Prozent), Italien (plus 0,3 Prozent) und Schweiz (plus 2,3 Prozent), waren alle wichtigen Herkunftsmärkte rückläufig. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.8.2009)

  • Bisher war der Sommer mau, der Einbruch bei den Gästenächtigungen lässt sich selbst bei gutem Wetter nicht aufholen.
    foto: olympiaregion seefeld

    Bisher war der Sommer mau, der Einbruch bei den Gästenächtigungen lässt sich selbst bei gutem Wetter nicht aufholen.

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