Wiener Pflegestation päppelt Fledermäuse auf

24. August 2009, 12:06
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Verletzte und erschöpfte Tiere werden bis zu einem Jahr betreut - Rund 80 Prozent Entlassungsquote

Wien - "Sofortige Euthanasie bis ein Jahr Betreuung": So umreißt die Zoologin Gabriele Schaden im APA-Gespräch das Betreuungsspektrum für verletzte oder gesundheitlich angeschlagene Fledermäuse. Sie kümmert sich in einer eigenen, "behördlich konzessionierten" Pflegestation an der Wiener Universität für Veterinärmedizin um jährlich bis zu 1.000 Tiere. Rund 80 Prozent der Patienten könnten nach einigen Wochen wieder freigelassen werden, ganz aussichtslose Fälle würden jedoch sofort eingeschläfert, so Schaden.

Knochenbrüche, vertrocknete Flughäute oder schlichte Erschöpfung finden sich in der Liste der Diagnosen. Vor allem in den ersten Frühlingsmonaten, wenn die Tiere aus dem Winterschlaf erwachen, herrscht in der Fledermausklinik Hochbetrieb. Oft 200 bis 300 pelzige Artgenossen müssen dann parallel wieder auf Vordermann gebracht werden.

Viele Schützlinge würden ein schlechtes, weil zu trockenes Winterquartier beziehen, erklärt Schaden. Die Folgen: Die entkräfteten Flugtiere dehydrieren, fallen mitunter aus Erschöpfung von der Decke und ziehen sich Verletzungen zu. "Die Tiere sind unheimlich zäh", berichtet die Zoologin von einem Exemplar, das fünf Stockwerke tief abgestürzt und am Rücken gelandet sei und einige Knochenbrüche erlitten habe: "Die hat nach fünf Wochen wieder fliegen können."

Kompliziertere Behandlungen werden unter anderem in der Tierklinik durchgeführt. In vielen Fällen genüge aber die Versorgung mit Flüssigkeit und Nahrung in Form von Insekten. Zusätzlich werden gegebenenfalls Schmerzmittel und Antibiotika eingesetzt: "Der Medikamentenkonsum ist sehr hoch." Als "Krankenzimmer" dienen Terrarien, die mit Fetzen, Gummimatten oder Küchenrollen ausgestattet sind, wo sich die Tiere anhängen oder verstecken können.

Bei einer zu hohen Patientenanzahl kann die Pflege aber manchmal etwas schwierig werden. "Insektenfresser sind prinzipiell grantig", zieht Schaden Vergleiche mit Igeln oder Spitzmäusen. Es gebe immer wieder Fälle von "Mobbing" und Rivalitäten in Form von "Schreiereien", wobei der Gattung Gesellschaft grundsätzlich wichtig sei.

Auf die Station gebracht werden die betroffenen Nachtschwärmer entweder von Tierärzten oder von Menschen, welche die beeinträchtigten Fledermäuse im Umkreis ihres Zuhauses oder auf der Straße finden. Eine kleine Ansturmphase erwartet sich die Pflegerin auch im nahenden Herbst. In dieser Zeit würden viele Tiere - bevor sie den Winterschlaf antreten - bereits mehrere Tage hindurch "faul herumhängen". Wenn dies in Zwischenräumen von Türen oder Fenstern der Fall sei, komme es - wenn diese unachtsam geschlossen werden - häufig zu Ober- und Unterarmbrüchen, die manchmal aussichtslos seien: "Bei Handgelenksbrüchen gibt es keine Chance mehr." Dann muss die leidende Kreatur eingeschläfert werden, ihre Überreste werden aber für wissenschaftliche Zwecke weiterverwendet: "Meine Leichen kommen alle ins Naturhistorische Museum." (APA)

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