Radfahren macht blöd

  • Radfahrer nehmen sich des öfteren von der StVo aus.
    foto: henning hraban ramm/pixelio.de

    Radfahrer nehmen sich des öfteren von der StVo aus.

Radfahren, sagte N., verblödet. Schlagartig und auf Zeit: Sobald Radfahrer vom Rad stiegen, meinte N., remutierten sie

Nämlich zu normalen, sozial verträglichen Menschen, die Regeln zum Schutz von Allgemeinheit und Schwächeren beherzigen würden. Doch bevor wir ihn, N., nun würgen oder beschimpfen dürften, sagte N., bitte er um ein paar Sekunden Vorsprung. Um freies verbales Geleit: Er könne, sagte N., alles beweisen. An jedem von uns. Auch an sich selbst.

Er sei ja selbst intensiver Stadtradler. Aber eben auch Autofahrer: hin und wieder und Überland. Doch während da keiner auf die Idee käme, rote Ampeln zu ignorieren, nächtens lichtlos zu cruisen, Fußgängerzonen und Gehsteige zu befahren, Einbahnschilder zu missachten oder Fußgänger auf Zebrastreifen in voller Fahrt knapp zu verfehlen, sei das am Rad doch oft genau so. Oder? Schweigen.

Eben, triumphierte N. - und setzte fort: Da also viele Radfahrer vernünftige Autolenker seien, müsse die temporäre Idiotie wohl vom Vehikel ausgelöst werden. Doch damit nicht genug: Was ihn, N., darüber hinaus fasziniere, sei der parallel zum Fahrzeugwechsel einhergehende Perspektiven- und Rechtsbewusstseins-Switch: Im Auto verwünsche er viele Radler laut und heftig. Aber am Rad halte er das gerade noch Verfluchte dann für der Situation angepasst:

Die Regeln wären für Autofahrer gemacht - und die seien Mörder. Alle. Sein Fazit, sagte N., sei somit klar: Radfahren macht blöd. Wir pflichteten bei. Ach ja: Wir saßen im Auto. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/21.8.2009)

Share if you care