Fast alle Angriffe auf Journalisten unaufgeklärt

23. August 2009, 19:49
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Kroatischer Journalist gründete Internetseite, um Fälle zu dokumentieren

Zagreb - Mehr als 90 Prozent aller Angriffe auf Journalisten in den Ländern des früheren Jugoslawien sind bisher nicht aufgeklärt worden. In 90 Prozent der Fälle findet die Polizei die Angreifer nicht, und in 99 Prozent der Fälle sprechen die Gerichte kein Urteil, berichtet der Zagreber Journalist Hrvoje Appelt. Er greift nun zur Selbsthilfe und dokumentiert diese Fälle auf einer neuen Internetseite www.napadi-na-novinare.com ("Angriffe auf Journalisten").

Appelt berichtete im Gespräch mit der APA von einem großen Interesse an seiner Internetseite, die erst seit einer Woche abrufbar ist. "Es gibt viel Interesse, etwa tausend Besuche täglich." Auf seiner Internetseite werden Angriffe auf Journalisten, Fotografen und Kameraleute in Kroatien, Slowenien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Mazedonien veröffentlicht.

Der freischaffende investigative Journalist Appelt hat selbst schon gefährliche Situationen erlebt. Ein bekannter kroatischer Unternehmer, der derzeit in Bosnien-Herzegowina flüchtig ist, bedrohte ihn telefonisch, Appelt fand verdächtige Geräte unter seinem Auto und erhielt mehrmals Drohbriefe. Als er im vergangenen Oktober einen Brief erhielt, in dem er mit dem Tod bedroht wurde, erhielt er für mehrere Monate einen Rund-um-die-Uhr-Polizeischutz. Kurz davor war der bekannte kroatische Journalist und Herausgeber der Wochenzeitung "Nacional", Ivo Pukanic, bei einer Autobombenexplosion im Stadtzentrum von Zagreb ums Leben gekommen

"Das Motiv ist immer gleich: Angriff auf die Freiheit. Es gibt keinen Unterschied, ob es sich um einen Angriff auf die Meinungsfreiheit, die Redefreiheit oder die Medienfreiheit handelt", betont Appelt. Mit seiner Internetseite wolle er die Öffentlichkeit mobilisieren, und außerdem kann man dort auch die Lage in den verschiedenen Ländern der Region vergleichen. Die Informationen trug er durch Anfragen bei fast allen Redaktionen der Region zusammen. "Das Echo war wirklich gut, besonders aus Serbien", sagt er. Derzeit befinden sich 60 Fälle in der Datenbank, doch kommen ständig neue hinzu.

Appelt hat aber bereits weitergehende Pläne. Er will noch eine weitere Internetseite (http://www.appeltreort.com) gründen, auf der Artikel erscheinen sollen, deren Veröffentlichung von den Medieneigentümern unterbunden wird. (APA)

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