Räte warnen ORF-Chef

23. August 2009, 19:13
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Stiftungsräte der großen Fraktionen sind gegen Direktorentausch - Eine Art Aufpasser soll kommen - Programmplanung ausgeschrieben

Wien - Bemerkenswert lange zögerte ORF-Chef Alexander Wrabetz im STANDARD-Interview auf die Frage, ob er sein Führungsteam bis zum Ende der Funktionsperiode behalten will. Rasch bog er von der Direktorenfrage zu den matten Marktanteilen ab. Woraus man schließen kann, er wolle seine TV-Direktoren Elmar Oberhauser und Wolfgang Lorenz ablösen. Stiftungsräte der großen Fraktionen klingen auf Standard -Anfrage wenig begeistert. Vorerst sollen die Direktoren eine Art Aufpasser bekommen.

Wrabetz hat die Leitung der zentralen TV-Programmplanung ausgeschrieben, eine Schlüsselposition für Quoten. Beworben hat sich Wolfgang Höfer, der die Abteilung derzeit "interimistisch" leitet. Faktisch erledigte Höfer die Planung schon vor der Ablöse von Peter Schöber als Planungschef Anfang 2009. Höfer war sieben Jahre die rechte Hand von Planungschef Werner Taibon.

Spannender ist die Wieder-Bewerbung von Werner Taibon selbst für die Führung der TV-Planung. Der TV-Vollprofi hat die Programmplanung Jahre mit Erfolg geführt, musste seinen Job abgeben, als Lorenz 2007 Programmdirektor wurde und Oberhauser Info-Direktor. Er gilt vor allem als rotes Tuch für Lorenz. Seine Bestellung würde wohl als Teilentmachtung der TV-Direktoren wirken.

Gehälter bis 2011

Deren Ablöse sehen Mitglieder der roten und schwarzen Freundeskreise im ORF-Stiftungsrat auf Anfrage eher skeptisch. Zwar zeigten die wirtschaftlichen Daten für das erste Halbjahr, dass das Fernsehen den Sparkurs bisher nicht mittrage, findet ein Rat ein Argument für eine Ablöse. Derselbe Mann erinnert aber, dass die Gehälter der amtierenden Direktoren bis Ende 2011 zu zahlen seien, sich für eineinhalb Jahre kaum Profis von außen fänden und er "viel bessere Leute" aus dem ORF nicht sehe. Als Kandidat gelten der etwa frühere Programmdirektor Reinhard Scolik und TV-Chefredakteur Karl Amon. Ein anderer Rat rät Wrabetz "nicht übermütig zu werden". Beantrage er die Abwahl von Direktoren, stelle er sich "auch selbst infrage".

Radiodirektor Willy Mitsche erholt sich offenbar gut von seiner schweren Erkrankung und konnte das Spital inzwischen Richtung Rehabilitation verlassen. (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 24.8.2009)

  • Wolfgang Lorenz (links) und Elmar Oberhauser.
    foto: standard/hendrich

    Wolfgang Lorenz (links) und Elmar Oberhauser.

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