Bekele, der Blitz der Langstrecke

23. August 2009, 20:01
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Äthiopier gewinnt als erster Athlet WM-Gold über 5000 und 10.000 m - US-Staffeln halten sich über 400 Meter schadlos - Frauen-Marathon an chinesische Überraschungs­siegerin

Berlin - Kenenisa Bekele hat seiner glänzenden Karriere einen weiteren Meilenstein hinzugefügt. Der äthiopische Ausnahmeläufer holte sich am Schlusstag der 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin den Titel über 5.000 m, nachdem er bereits die 10.000 m gewonnen hatte. Damit gelang ihm wie bei Olympia in Peking das Double. Bei der WM ist das noch keinem männlichen Athleten gelungen. Zweimal Gold gab es für die US-Staffeln, auch Speerwerfer Andreas Thorkildsen aus Norwegen jubelte.

Der 27-jährige Bekele siegte in 13:17,09 Minuten vor Titelverteidiger Bernard Lagat aus den USA (13:17,33) und James Kwalia C'Kurui (QAT/13:17,78). Die 10.000 Meter hatte er am Montag übrigens zum vierten Mal in Folge bei Welttitelkämpfen gewonnen. "Das war heute ein richtig hartes Rennen. Ich freue mich so für mich und mein Land. Das Double macht mich glücklich", sagte Bekele, der als erster Äthiopier den WM-Titel über 5.000 m geholt hat und von 50.754 Zuschauer umjubelt wurde. "Ich wäre gerne so wie er, er ist großartig, es wird lange dauern bis wir wieder einen wie Bekele haben werden", zollte auch Lagat Respekt.

Die 4 x 400-m-Staffeln bei Männer und Frauen gingen an die USA, die auf den Einzel-Sprintstrecken bei dieser WM nicht so recht ins Laufen gekommen waren und in den Kurzsprint-Staffeln den Final-Einzug verpassten. Das Quartett um Allyson Felix und Sanya Richards holte sich den Titel in der Jahresweltbestzeit von 3:17,83 Minuten vor Jamaika und Russland. Angelo Taylor, Jeremy Wariner, Kerron Clement und Einzel-Weltmeister LaShawn Merritt gewannen ebenfalls in JWBZ von 2:57,86 Minuten vor Großbritannien (3:00,53) und sensationell Australien (3:00,90).

Über 800 m der Männer feierte Mbulaeni Mulaudzi aus Südafrika einen Außenseitererfolg, noch nie gab es für sein Land Gold auf dieser Strecke. Im Endspurt setzte sich Mulaudzi in 1:45,29 Minuten vor Titelverteidiger Alfred Kirwa Yego aus Kenia (1:45,35) und Yusuf Saad Kamel aus Bahrain durch. Athen-Olympiasieger Juri Borsakowski landete auf Rang vier. Mit Recht disqualifiziert wurde nach dem 1.500-m-Rennen mit Natalia Rodriguez die Schnellste, die Spaniern hatte die äthiopische Mitfavoritin Gelete Burka gerempelt. Maryam Jusuf Yamal (BRN) profitierte davon und verteidigte ihren Osaka-Titel in 4:03,74 Minuten vor Lisa Dobriskey (GBR/4:03,75 ) und Shannon Rowbury (USA/4:04,18).

Die zwei letzten Feld-Disziplinen gingen an den norwegischen Speerwerfer Andreas Thorkildsen und die US-amerikanische Weitspringerin Brittney Reese. Der Wikinger holten den ersten WM-Titel in dieser Disziplin in sein Land. Der Olympiasieger setzte sich mit 89,59 Metern im zweiten Versuch vor Guillermo Martinez aus Kuba (86,41) und dem Japaner Yukifumi Murakami (82,97) durch. Titelverteidiger Tero Pitkämäki aus Finnland wurde Fünfter. Die 22-jährige Reese aus Mississippi gewann mit der Jahresweltbestleistung von 7,10 m vor Titelverteidigerin Tatjana Lebedewa (RUS/6,97) und Karin Mey Melis (TUR/6,80).

Die Chinesin Bai Xue hatte zu Mittag in 2:25:15 Stunden überraschend den Marathon gewonnen, auf den weiteren Medaillenrängen im Ziel am Brandenburger Tor landeten die Japanerin Yoshimi Ozaki (2:25:25) und die Äthiopierin Aselefech Mergia (2:25:32). Die drei Läuferinnen hatten sich auf den letzten zehn Kilometern vom Feld abgesetzt, im Finish hatte die routinierteste unter ihnen das beste Ende für sich. Bai ist zwar erst 20 Jahre, hatte aber bereits vor der WM zehn Läufe über 42,195 Kilometer in den Beinen. Den ersten Marathon lief sie mit 14 Jahren in 2:37:07 Stunden. "Nun will ich 2012 den Olympiatitel", verkündete die Siegerin. 

Resümee und Rekorde

"Wir haben fantastische Weltmeisterschaften erlebt" resümierteLamine Diack, der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF). Der Senegalese lobte das faire, fachkundige Publikum im Olympiastadion und hob natürlich die drei Weltrekorde hervor. Zu Supersprinter Usain Bolt meinte er: "Wahrscheinlich ist er jetzt der berühmteste Sportler der Welt." Insgesamt 518.582 Besucher waren an den neun Tagen ins Olympiastadion gekommen. Auch das ist WM-Rekord.

1.984 Athleten aus 201 Ländern waren in den 47 Bewerben am Start, 1.086 Männer und 898 Frauen. 32 Nationen schafften es in den Medaillenspiegel, 62 in die IAAF-Statistik, die die Ränge eins bis acht umfasst. Dort scheint auch Österreich dank Diskuswerfer Gerhard Mayer (Achter) mit einem Punkt auf dem 62. und letzten Platz auf. Die USA gewann die Medaillenwertung mit 10 Mal Gold, 6 Mal Silber und 6 Mal Bronze vor Jamaika (7/4/2) und Kenia (4/5/2). (APA)

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    Packendes Duell zweier Großer der Langstrecke - Kenenisa Bekele setzte sich im Finish gegen Titelverteidiger Bernard Lagat durch.

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