Die olympische Schlammschlacht

23. August 2009, 18:35
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ÖOC: Viele Vorwürfe und Verdächtigungen, viel Machtkampf, wenige Beweise

Wien - Aktuellstes Gerücht: ÖOC-Präsident Leo Wallner und der Kassier Gottfried Forsthuber sollen im Herbst zurücktreten. Gezwungenermaßen freiwillig. Das sollen sich ÖVP (Sportsprecher Peter Haubner) und SPÖ (BSO-Präsident Peter Wittmann, Sportminister Norbert Darabos) ausgemacht haben. Falls sich Wallner/Forsthuber weigern, werde das ÖOC, eine bürgerliche Spielwiese, der Bundessportorganisation BSO unterstellt und dem SP-Einfluss einverleibt. Darabos sagt, er habe keinen Deal geschlossen, Forsthuber und Wallner wissen nichts.

Geht es um den Sport, um das ÖOC, oder tobt ein politischer Verteilungskampf? Seit dem ÖSV-Dopingskandal bei Olympia 2006 in Turin und der IOC-Drohung, die Österreicher hinauszuwerfen, verlor ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel internationalen Einfluss. Zugleich tauchten Vorwürfe auf, das ÖOC habe Walter Mayer Schmiergeld (290.000 Euro) gezahlt, damit er seine Klage gegen IOC-Präsident Jacques Rogge und Wada-Chef Dick Pound zurückziehe und nicht die Salzburger Bewerbung um die Spiele 2014 torpediere. Mayer und der Verleger Erwin Roth bestritten das, verwiesen auf einen Veröffentlichungsvertrag. Da Mayer nicht plauderte, klagte ihn Roth auf Rückzahlung des Angeldes.
Ein Hin und ein Her

Das ÖOC schloss 13 ÖSV-Betreuer aus, Schröcksnadel will alle pardoniert haben. Auch Markus Gandler, der in Italien im Oktober wegen Beihilfe zum Doping vor Gericht steht. Das ÖOC nahm fünf ÖSV-Betreuer (Gapp, Eder, Hörl, Mühlbacher, Rohrmoser) wieder auf, das IOC bestätigte das. Der ÖSV, so bestätigte die Salzburger Staatsanwältin Eva Danninger-Soriat kürzlich der APA, zeigte Jungwirth wegen Untreue an.

Falls Wallner geht, folgt ihm Karl Stoss, Wallners Nachfolger als Generaldirektor der Casinos Austria. Stoss steht zur Verfügung. Die Gerüchte kommentiert er nicht.

Ex-ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth hat 72.000 Euro an missbräuchlich verwendeten Geldern zurückgezahlt. Die Staatsanwaltschaft untersucht die Vorwürfe gegen ihn, Wallner und die Salzburger-GmbH-Geschäftsführer. Am 31. August will das ÖOC eine Sachverhaltsdarstellung übermitteln und Jungwirth zur Rückzahlung der Abfertigung zwingen. Wie das gehen soll, weiß niemand.

War Jungwirth untreu, oder ist die ÖOC-Geschäftsführung ein in Österreichs Sport-Administration üblicher Sauhaufen? Oder beides? Vielleicht hat der mehrheitlich aus pensionierten Freizeit-Funktionären bestehende ÖOC-Vorstand Management und Spitzensport nicht drauf? Und wenn das Licht angeht, flüchten sie und schwärzen andere an. Statt über Reformen wird über Macht nachgedacht, aber bald ist Österreichs ÖOC eine Müllhalde, und der Krieg hat das, worum es ging, zerstört. (josko - DER STANDARD PRINTAUSGABE )

 

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