Erstarkte Strombörse schielt nach Osteuropa

23. August 2009, 18:29
posten

Verkauf von Consulting-Dienstleistungen geplant - Trotz Krise mehr Handelsumsätze

Wien - Österreichs Energiebörse (EXAA) schwimmt in Strom. Während andere Marktplätze in Europa über Rückgänge klagen, hat die EXAA ihren Handelsumsatz binnen eines Jahres fast verdoppelt - von 1100 Gigawattstunden (GWh) im ersten Halbjahr 2008 auf 2100 GWh im ersten Halbjahr 2009. "Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte EXAA-Vorstand Jürgen Wahl dem Standard.

Das erworbene Know-how möchte man nun mittels Consulting an Dritte verkaufen, insbesondere in Zentral- und Osteuropa. "Hingehen und sagen, ich kaufe mir eine Strombörse oder baue mir eine auf, funktioniert nicht", sagte Wahl. "Unser Ansatz ist zu sagen, wir schulen euch, wenn es Interesse gibt, wir helfen euch und zeigen, wie es geht. Wenn sich daraus mehr ergibt, umso besser."

Die EXAA, gegründet 2001 in Graz, hatte von Beginn an Osteuropa im Fokus. Die zwei A im Kürzel stehen für Alpe Adria. Der Beginn war aber äußerst zäh, die Vision von einer transnationalen Börse musste bald aufgegeben werden. 2006 wurde das Unternehmen restrukturiert, der Sitz nach Wien verlegt. Seither geht es aufwärts.

Parallel mit der Ausweitung des Handelsvolumens sind die Großhandelspreise in den Keller gerasselt. "Das steht aber in keinem ursächlichen Zusammenhang, das ist die Wirtschaftskrise", sagte Wahl. Seit Anfang 2009 haben sich die Großhandelspreise bei Bandstrom (Base) auf rund 40 Euro je Megawattstunde (MWh) und bei Spitzenstrom (Peak) auf etwa 50 Euro nahezu halbiert. Im Vorjahr wurden noch Spitzen von 100 bis 130 Euro (Base) bzw. 120 bis 180 Euro gesehen. Die Haushalte haben von der Verbilligung kaum etwas gesehen. Seit kurzem steigen die Großhandelspreise wieder leicht an.(Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2009)

Share if you care.