Happy Ramadan

23. August 2009, 18:26
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Für den britischen Premier wird die Affäre ein weiterer Markstein auf den Weg zum Machtverlust

Zuerst sah es nach einer moralisch waghalsigen Entscheidung aus, und dann kam noch Dummheit dazu. Gordon Browns Brief an den "lieben Muammar", doch bitte auf einen Siegerempfang für den verurteilten Lockerbie-Attentäter zu verzichten, ist ganz offensichtlich nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Aber wer hätte ernsthaft gedacht, der libysche Staatschef würde sich im Abendrot seiner Herrschaft solch eine Gelegenheit nehmen lassen, um den Westen vorzuführen? Gordon Brown hat sich das gedacht und seinem neuen Freund in Tripolis noch "Happy Ramadan" gewünscht.

Für den britischen Premier wird die Lockerbie-Affäre ein weiterer Markstein auf den Weg zum Machtverlust. Dass die Entscheidung zur Freilassung des krebskranken Attentäters al-Megrahi weniger "aus Mitleid" denn mit Blick auf Großbritanniens Interessen an der Ausbeutung der Öl- und Gasreserven in der libyschen Wüste gefallen ist, lässt sich schwer wegdiskutieren. Ein weiterer Brief aus dieser untergehenden britischen Regierung, in der viel geschrieben und viel an die Öffentlichkeit gelangt, stützt die These, das Außenministerium in London habe bei der Entscheidung des schottischen Justizministers in Edinburgh nachgeholfen.

Kenny MacAskill, dessen erste Tat als Justizminister es war, das Alkoholverbot bei Rugbyspielen aufzuheben, wird am Montag im Parlament erklären, was ihn bewog, al-Megrahi freizulassen und nicht wenigstens in ein libysches Gefängnis zu überweisen. Die Lust wird ihm vergangen sein, Gaddafi auch einen schönen Fastenmonat zu wünschen. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 24.8.2009)

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