Aktion scharf bei Rohstoffspekulation

23. August 2009, 17:45
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US-Behörde will gehandelte Volumina reduzieren

Wien - Die US-Regulatoren für Derivate greifen jetzt an den Märkten für Rohstoffe durch. Die CFTC (Commodities Futures Trading Commission) hat vergangene Woche zwei börsengehandelten Fonds, Exchange-Traded Funds (ETF), Limits für ihre Futures-Positionen am Markt für Mais und Weizen auferlegt. Futures sind Termingeschäfte, die zur Lieferung oder dem Kauf eines Rohstoffs zu einem festgelegten Datum verpflichten. Die Fonds aus dem Investmenthaus PowerShares haben ein Anlagevolumen von gut 5,8 Milliarden Dollar (4,05 Mrd. Euro).

CFTC-Präsident Gary Gensler hat die vergangenen Wochen betont, dass er davon überzeugt sei, dass Finanzinvestoren für die rekordhohen Preisen für Lebensmittel und Energie im Jahr 2008 verantwortlich waren. In nur eineinhalb Jahren erlebte der Rohstoff Öl eine bis dahin nie gesehene Kursexplosion von mehr als 170 Prozent. So stand der Preis für ein Fass (159 Liter) im Juli 2008 bei gut 148 Dollar. Das Platzen dieser Blase, parallel mit der Verschärfung der globalen Finanzkrise, hat den Preis auf rund ein Viertel zusammensacken lassen.

Die CFTC hat sich nun auf die Fahnen geheftet, solche großen Schwankungen zu unterbinden. Ein Lösungsansatz ist für die Regulierungsbehörde dabei, das gesamte Volumen an Wertpapieren auf den Rohstoffmärkten zu reduzieren. Bevor die beiden Fonds diese Limits bekommen haben, hat die CFTC bereits den größten Öl- und Gas-Fonds in den USA strengere Kontrollen angekündigt.

ETFs und andere börsenotierte Vehikel auf Rohstoffindizes sind eine Möglichkeit für private Investoren, am Rohstoffmarkt zu partizipieren. Seit 2003 sind solche Produkte üblich geworden und haben in den USA per Ende Juli ein Volumen von rund 59,3 Milliarden Dollar. Doch diese Regulierung soll nicht an der US-Grenze Halt machen. Vergangene Woche kündigte die CFTC zusammen mit den britischen Kollegen der FSA (Financial Services Authority) an, Daten auszutauschen, um die Rohstoffmärkte genauer zu kontrollieren.

Die jüngste Verschärfung im Umgang mit Rohstoffspekulation hat Analysten der deutschen Commerzbank bereits dazu veranlasst, ihre Prognose für den Ölpreis zu senken. Statt mit 75 Dollar je Fass Rohöl rechnen sie nun nur noch mit 50 Dollar am Jahresende. Die jüngsten Preissteigerungen bei Rohöl im ersten Halbjahr seien von Finanzinvestoren getrieben worden. "Wenn deren Einfluss durch die Aktionen der CFTC reduziert wird, wird der Ölpreis fallen", so die Commerzbank-Analysten. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2009)

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    Der Handel mit Rohstoffen - im Bild die Warenterminbörse in Chicago - soll künftig strenger kontrolliert werden.

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