USA droht Finanzdesaster

23. August 2009, 16:07
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Washington korrigiert die Prognose für die Staatsverschuldung in den nächsten zehn Jahren nach oben, bis 2019 wird ein Defizit von rund neun Billionen Dollar erwartet

Wien - Die US-Regierung muss ihre Schätzung für das Haushaltsdefizit der kommenden zehn Jahre um 2.000 Mrd. Dollar (1.396 Mrd. Euro) nach oben korrigieren. Als Grund nannten ranghohe Beamte des Weißen Hauses die Wirtschaftskrise, die im US-amerikanischen Bankensystem ihren Ursprung hatte, berichtet die "Financial Times Deutschland" am Sonntag auf ihrer Homepage.

Die neue Prognose, die am Dienstag offiziell bekanntgegeben werden soll, sieht für den Zeitraum von 2010 bis 2019 ein kumuliertes Minus von 9.000 Mrd. Dollar vor, heißt es. Im laufenden Haushaltsjahr, das am 30. September endet, rechnet das Weiße Haus demnach mit einem Fehlbetrag von 1.600 Mrd. Dollar.

Allerdings seien Zehnjahresprognosen ein schwieriges Unterfangen - die reale Entwicklung von Wirtschaft und Steuereinnahmen könnte sie schnell in den Schatten stellen. Korrekturen seien sowohl in die eine als auch die andere Richtung möglich.

Die Erhöhung der Prognose um 2.000 Mrd. Dollar sei nötig geworden, da die letzten Schätzungen im Februar und Mai eine weniger drastische Rezession angenommen hatten. Die USA hatten Hunderte Milliarden zur Ankurbelung ihrer Konjunktur und zur Stützung des Bankensystems ausgegeben.

Gigantischer Schuldenberg

Dabei sei die exakte Höhe des finanziellen Aufwands der USA zur Rettung ihrer Wirtschaft noch gar nicht klar. Neil Barofsky, Generalinspektor der US-Regierung für das Bankenrettungsprogramm TARP, habe die gigantische Summe von 23.700 Mrd. Dollar errechnet, den die US-Steuerzahler aufbringen müssten. Er habe diese Summe Ende Juli in einem 262 Seiten starken Bericht an den US-Kongress dargestellt.

Die 23.700 Mrd. Dollar seien allerdings ein Maximalwert. Darin enthalten seien die Gelder für die Banken, die Autoindustrie und öffentlich gewährte Garantien. Sie stellten somit keine tatsächlichen Zahlungen dar, sondern nur das aufaddierte Volumen sämtlicher staatlicher Interventionen in die Wirtschaft.

Anleger würden seit Wochen um das AAA-Rating der Vereinigten Staaten bangen, heißt es weiter. Die Sorge um die Top-Bonitätsnote der USA - angesichts der massiv steigenden Staatsverschuldung - habe den Dollar belastet. Auslöser sei die Ankündigung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gewesen, das Triple-A Großbritanniens zu überprüfen. Damit sei die Einstufung der USA in die Schusslinie geraten. Einher gehe die ausufernde Staatsverschuldung mit einem großen Refinanzierungsbedarf an den Bondmärkten, der allein für die USA 2009 auf 2.500 Mrd. Dollar geschätzt werde. "Es gibt langfristigen Druck auf das Rating, das ist offensichtlich", hatte Moody's-Analyst Steven Hess Ende Mai gesagt.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hält es für möglich, dass die USA ihr "AAA"-Rating verlieren. "Unter pessimistischen Annahmen könnte der große Anstieg des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung dazu führen, dass die USA herabgestuft werden", schrieb die EZB in einem im Juni veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. "Sollte das passieren, könnte es wichtige Folgen für das globale Finanzsystem haben".

Dass nach Großbritannien auch der USA eine Herabstufung drohen könnte, halten indes nicht alle Analysten für wahrscheinlich. Währungsexperten europäischer Banken sprechen von einer Überreaktion an den Märkten. (APA)

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    Der finanzielle Aufwand der USA zur Rettung der Wirtschaft wird auf bis zu 23.700 Milliarden Dollar geschätzt.

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