McLaren "schenkt" Barrichello den Sieg

23. August 2009, 17:05
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Ein völlig verpatzter Boxenstopp kostet Lewis Hamilton den Sieg - Brasilianer profitiert und feiert 7. Saisonsieg für Brawn GP

Valencia - Rubens Barrichello hat sich am Sonntag mit seinem Sieg im Europa-Grand-Prix in Valencia im Kampf um den Formel-1-WM-Titel zurückgemeldet. Der 37-jährige Brawn-Pilot feierte im elften Saisonlauf den insgesamt zehnten GP-Triumph seiner Karriere und sorgte gleichzeitig für den 100. brasilianischen Erfolg in der Königsklasse des Motorsports. In der Fahrerwertung reduzierte der Südamerikaner den Rückstand auf seinen weiter führenden Teamkollegen Jenson Button, der sich mit Rang sieben begnügen musste, auf 18 Punkte.

Der erste Barrichello-Sieg seit dem 26. September 2004 (China-GP für Ferrari) wurde jedoch erst durch einen peinlichen Fauxpas der McLaren-Boxencrew ermöglicht. Diese vergaß nämlich beim zweiten Stopp von Weltmeister Lewis Hamilton die Reifen-Heizdecken rechtzeitig abzunehmen, wodurch der von Beginn weg führende Ungarn-Sieger die letztlich entscheidenden Sekunden verlor. Hinter dem Engländer landete Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen im Ferrari auf Rang drei.

Für Red Bull Racing endete die Hitzeschlacht in der spanischen Hafenstadt statt mit den angepeilten Podestplätzen mit einem Debakel: Sebastian Vettel blieb in Runde 24 mit einem Motorschaden liegen, der Australier Mark Webber kam nicht über Rang neun hinaus und holte somit ebenfalls keinen Punkt für den österreichisch-englischen Rennstall. "Schade. Wenn man vorn mitmischen will, darf das nicht passieren", lautete der geknickte Kommentar von Vettel. Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner war "schwer enttäuscht", denn durch den Doppel-Nuller sind Webber (51,5 Punkte) und der Deutsche (47) in der WM von Barrichello (54) auf die Ränge drei bzw. vier verdrängt worden.

"Fantastisch, das ist ein unvergessliches Wochenende. Ich habe das Siegen noch nicht verlernt", frohlockte Barrichello nach dem doppelten Jubiläumssieg, den er auch seinem Freund und Landsmann Felipe Massa widmete. Dieser fehlte nach seinem schweren Unfall vor vier Wochen. Damals hatte sich eine etwa 800 Gramm schwere Stahlfeder von Barrichellos Brawn-Boliden gelöst und Massa bei einer Geschwindigkeit von 240 km/h am Helm getroffen. Der Ferrari-Pilot hatte dabei einen Schädelbasisbruch und weitere schwere Kopfverletzungen erlitten, befindet sich mittlerweile aber wieder auf dem Weg der Besserung.

Barrichello hatte extra für Massa eine Genesungs-Grußbotschaft auf seinen Rennhelm geschrieben. Auf diese deutete der Routinier auch sofort, nachdem er aus dem Cockpit geklettert war und seiner riesigen Freude Ausdruck verlieh. "Das war nicht nur mein Sieg, sondern der des ganzen Teams", betonte "Rubinho", der sich heuer zuvor bereits mehrmals lautstark beschwert hatte, dass er von seinem Rennstall im Vergleich mit Button benachteiligt werde.

Hamilton stellte sein Team nicht an den Pranger, im Gegenteil, er nahm es in Schutz. "Wir siegen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam", meinte der Engländer, als er auf das peinliche Missgeschick der Boxen-Crew angesprochen wurde. Mit dem Sieg in Ungarn und nun Platz zwei hat sich Hamilton in der WM auf Position sechs vorgearbeitet, der Rückstand auf seinen Landsmann Button beträgt aber noch immer satte 45 Zähler.

Auch Räikkönen, der unmittelbar hinter dem Titelverteidiger auf Platz sieben rangiert, hat in diesem Jahr keine Chance mehr auf die WM-Krone. "Wir müssen derzeit 100 Prozent geben, um überhaupt aufs Podium zu kommen und können aus eigener Kraft im Moment kein Rennen gewinnen. Wir sind also noch immer nicht da, wo wir sein wollen", erläuterte der Finne, der hofft, dass die Scuderia aus Maranello im Heimspiel am 13. September in Monza wieder siegfähig ist. Zuvor steht aber noch am kommenden Sonntag auf dem Ardennenkurs in Spa-Francorchamps der Grand Prix von Belgien auf dem Programm. (APA)

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