Logistik: fordernder Job und Weg von A nach B

24. August 2009, 16:58
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Logistik als Weg von A nach B: Thomas Stadlhofer über Jobchancen, Ökologistik und seinen Hang zu bewertbaren Prozessen

Das Industriegebiet am Rande der niederösterreichischen Ortschaft Perchtoldsdorf. Wenig einladend wirkende Lagerhallen reihen sich hier aneinander, die Lücken zwischen den Gebäuden füllen Parkplätze, doch kaum ein Mensch ist auf der Straße zu sehen. Hinter den meterhohen Zäunen und Wänden wird jedoch fleißig gearbeitet: Staplerfahrer drehen ihre Runden, Lkws werden be- und entladen und die meterhohen Regale der Lagerhallen mit Kisten befüllt.

Thomas Stadlhofer, Vice President Logistik der SHT Haustechnik AG, einem Großhandel für Sanitär- und Heizungstechnik, ist einer derjenigen, die einen Überblick über dieses Labyrinth aus Verkaufs- und Lagerhallen behalten. Er ist für die logistischen Prozesse im Gesamtnetz der sechs Standorte zählenden SHT Gruppe verantwortlich. "Die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt zu den besten Kosten von A nach B zu bringen, das ist Logistik", beschreibt Stadlhofer sein Tätigkeitsfeld. Der Großhandel für Sanitär- und Heizungstechnik stellt die Verbindung zwischen der Industrie, also den Herstellern von Artikeln für den Sanitär-, Heizungs- und Installationsbereich, und den Installateuren her. Der Installateur vervollständigt diese Lieferkette schließlich indem er die Endkunden betreut.

40 Lkws, 1.000 Kundenanfahrten, 1,7 Millionen Kilometer

In Perchtoldsdorf, dem größten Lager des Händlers, werden täglich ab fünf Uhr morgens 40 Lkws mit Sanitärartikeln, Heizkörpern und Rohren beladen. Eine Stunde später beginnt die Auslieferung: Installateuren in Wien, Niederösterreich und Burgenland werden die am Vortag bestellten Waren zugestellt. So entsteht mit über 1.000 Kundenanfahrten täglich eine Jahresleistung von 1,7 Millionen Kilometer.

Diese Prozesse ließen sich auch vom Schreibtisch aus koordinieren, für Thomas Stadlhofer macht aber vor allem die Abwechslung den Bereich Logistik spannend: "Ich bin viel zu den einzelnen Standorten unterwegs, führe Gespräche mit den Logistikleitern und schaue mir die Prozesse vor Ort an. Ich bin ein Typ, der sehr stark prozessorientiert ist - und das geht vom Schreibtisch aus nicht." In der Logistik könne man Maßnahmen setzen und Ziele festlegen, die sich später auch messen lassen: "Ein Logistikprozess ist etwas, das eindeutig und daher, sowohl kostenmäßig als auch qualitativ, bewertbar ist. Das ist das, was mich an der Logistik fasziniert."

Ökologistik noch nicht konkurrenzfähig

Aus Rücksicht auf die Umwelt für die Transportwege die Bahn zu nutzen sei laut Stadlhofer in der Branche allgemein nicht üblich: "Die Anbindungen sind sehr problematisch. Wenn wir beispielsweise um Mitternacht unsere Kurse wegschicken, dann brauchen wir Flexibilität. Und diese Flexibilität ist leider im Moment nur auf der Straße gegeben." Vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten rücke Ökologistik an die zweite Stelle, hinter den Faktor Kosten. "Ökologistik ist sicher ein Thema, das Zukunft hat, nur muss es auch vom Kunden bezahlt werden. Das ist das Entscheidende", so Stadlhofer. Die große Herausforderung sei daher, dass Ökologistik im Preisgefüge mit der derzeitigen Art von Logistik mithalten kann.

Ein starker Umsetzungswille und die Offenheit gegenüber Menschen sind außerdem Eigenschaften, die in der Logistik von Vorteil sein können, so der Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien: "Man sollte sich sowohl mit einem Lkw-Fahrer auseinandersetzen können, als auch mit den Speditionen oder Arbeitern im Lager."

Krise lässt auf sich warten

Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen sei der Bereich Sanitär und Heizung noch von der internationalen Wirtschaftkrise verschont geblieben: "Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass sehr viele Leute im Moment noch sanieren und ihr Erspartes in die Erneuerung von Bädern und Heizungen investieren." Man sei jedoch gewappnet und wisse, dass es nächstes Jahr härter werden wird. Die Lage am Arbeitsmarkt sei derzeit unterschiedlich: "Man hört von Mitbewerbern, die sehr gut unterwegs sind, aber auch von anderen, denen es schlechter geht und die Personal abbauen müssen." (maf/derStandard.at, 24. August 2009)

Siehe

Berufsbild: Kein Platz für Chaos

Ausbildungen: Wege zum Logistik-Experten

  • „Ein Logistikprozess ist etwas, das eindeutig und daher, sowohl kostenmäßig als auch qualitativ, bewertbar ist. Das ist das, was mich an der Logistik fasziniert."
    foto: derstandard.at

    „Ein Logistikprozess ist etwas, das eindeutig und daher, sowohl kostenmäßig als auch qualitativ, bewertbar ist. Das ist das, was mich an der Logistik fasziniert."

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