Boykottaufrufe gegen Ikea wegen Berichts über Organdiebstahl

23. August 2009, 19:16
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Fronten zwischen Israel und Schweden wegen schwedischem Zeitungsbericht weiter verhärtet

Stockholm/Tel Aviv - Im Streit um einen Zeitungsbericht über den angeblichen Diebstahl von Organen toter Palästinenser haben sich die Fronten zwischen Israel und Schweden weiter verhärtet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu forderte die schwedische Regierung am Sonntag zu einer Verurteilung des Berichts auf. Außenminister Avigdor Lieberman warf Schweden Heuchelei vor.

Zuvor hatte Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt am Samstag eine Entschuldigung abgelehnt. "Niemand kann fordern, dass die schwedische Regierung gegen ihre eigene Verfassung verstößt." Die Meinungsfreiheit sei ein unentbehrlicher Bestandteil der schwedischen Gesellschaft und sei fest in der Verfassung verankert.

"Wir wollen nicht, dass sich die schwedische Regierung entschuldigt, sondern wir wollen, dass sie den Bericht verurteilt", sagte Netanyahu nach Angaben eines Regierungsbeamten während der Kabinettssitzung am Sonntag. Netanyahu bezeichnete den Bericht als empörend und "Blutlüge". Zugleich wies der Regierungschef darauf hin, dass Ex-Ministerpräsident Ehud Olmert seinerzeit einen anti-christlichen Beitrag im israelischen Fernsehen verurKriseteilt habe.

Ein freiberuflicher schwedischer Journalist hatte in einem am Montag veröffentlichten Beitrag unter der Überschrift "Die Organe unserer Söhne werden geplündert" palästinensische Familien zitiert, wonach israelische Soldaten angeblich Organe von deren toten Verwandten entnommen und gestohlen hätten. Der Autor führte keinerlei Beweise wie beispielsweise die Ergebnisse einer Autopsie an.

Der Bericht hat in der israelischen Öffentlichkeit eine Welle der Empörung ausgelöst. Nach israelischen Medienberichten gibt es Boykottaufrufe gegen den schwedischen Möbelhersteller Ikea.

Israels Innenminister Eli Yishai drohte nach Angaben des israelischen Rundfunks schwedischen Korrespondenten in Israel mit Konsequenzen. Danach könnten bis zur Klärung des Sachverhalts Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen eingefroren werden. Das Regierungspresseamt in Israel verweigerte zwei unbeteiligten Journalisten der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" die Ausstellung von Presseausweisen, die für journalistische Arbeit in Israel und den Palästinensergebieten Voraussetzung sind. Die Prüfung der Unterlagen könne bis zu drei Monate dauern, heißt es in einer Stellungnahme. (APA)

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