Last Exit Wiener Neustadt

22. August 2009, 21:50
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Zehn Jahre lang investiert Stronach in den österreichischen Fußball. Jetzt erhält der bald 77-Jährige endlich ordentliche Arbeit für sein Geld, etwa beim 1:1 gegen den Meister

Wiener Neustadt - Frank Stronach ist in Little Big Rothneusiedl angekommen. Der größte Parkraum hinter dem Stadion von Wiener Neustadt liegt vor einem Einkaufszentrum, der Rasen macht das Match zu einem Glücksspiel, der Bürgermeister ist froh, dass es den Big Spender gibt und die U-Bahn fährt auch nicht hierher. Erinnert stark an das längst abgeblasene Projekt am Rande Wiens, mit dem sich die Politiker der angeblichen Sporthauptstadt so lange brüsteten, bis es an ihnen vorbeigezogen war.

In Wiener Neustadt aber will der ehemalige Bundesligapräsident und einstige Austria-Mäzen Stronach, so wie es ausschaut, tatsächlich sesshaft werden. Magna Wiener Neustadt hat im ersten Jahr den Aufstieg in das oberste Regal geschafft, und am Samstag konnte sich der Präsident wieder einmal sattsehen für sein Geld: 1:1 gegen Meister Salzburg.

Die Niederösterreicher schossen den Salzburgern das 1:0 bevor diese auf dem unregelmäßig koupierten Gelände die Orientierung gefunden hatten: Vife Quer-Flanke von Alexander Grünwald, Johannes Aigner nimmt den Ball volley und der aquaplant unter Salzburgs Goalie Douglas E. Gustafsson Mc Intosh ins Tor (9.). Neustadts Brasilianer Diego Sehnem Viana lief hernach (33.) mit dem Ball über den Neustädter Sumpf und an Franz Schiemer vorbei, der Ball jedoch auch am Tor.

Zu diesem Zeitpunkt holten sich die Salzburger langsam die Kontrolle über das Spiel. Deren Trainer Huub Stevens wird nachher zufrieden sagen: "Wir haben viele Chancen gehabt." Und sie vergaben sie alle, bis auf Marc Janko. Somen Tchoyi war in seinem eigenartig bis wackelig wirkenden, aber tatsächlich sehr flinken Stil wieder einmal losgezogen, der Ex-Salzburger Ronald Gercaliu war wieder einmal unaufmerksam und zu langsam, ließ Tchoyi flanken, Petr Johana tupfte den Ball unabsichtlich zu Janko, und der ihn über die Linie - 1:1 (40.).

Die Salzburger Sommerspiele dauerten ungefähr bis zur 70. Minute. In ihnen zeigte sich die personelle Überlegenheit des gastierenden Ensembles und gleichzeitig die in all ihrem hochdotierten Glanz hartnäckig fortbestehende Provinzialität. Christian Schwegler schoss an die Stange (50.) und die anderen, inklusive Jankos, versemmelten weitere drei Hundertprozentige.

Doch das Effizienzdefizit ist wahrscheinlich gar nicht das Hauptproblem, sondern das Spritzigkeitsmanko. Am Mittwoch führte Maccabi Haifa (mit zwei 17jährigen!) den Salzburgern die Intensität vor, mit dem im richtigen Fußball auf den ersten fünf bis zehn Metern gearbeitet wird. Österreichs Meister wirkte zeitweise wie eine schwerfällige Altherrenlandpartie. Tchoyi und Christoph Leitgeb sind manchmal geradezu Fremdkörper in dem behäbigen Getue rings um sie.

Am Samstag wurden sie von den Neustädtern in der letzten Viertelstunde des Spiels wieder eingeholt. Hätten Aigner und Viana ihre todsicheren Chancen realisiert, die Salzburger wären nicht bloß müde heimgefahren. "Wir waren schon weg" , sagte Neustadts Trainer Helmut Kraft nachher. "Aber wir haben uns zurückgekämpft. Die Moral der Truppe ist in Ordnung." So konnte auch Stevens sagen: "Wir haben gut gespielt." Vor dem Retourspiel der Champions-League-Qualifikation in Haifa am Dienstag können sie jedes Quäntchen an Zuversicht brauchen.

Die Neustädter wollen ihren idyllischen Dorfplatz demnächst verlassen. Im November könnten die Bagger am Bauplatz nahe der Autobahn mit dem Ausheben der Baugrube für das neue Stadion beginnen: 10.000 Sitzplätze. Da am Samstag nur knapp 4500 Besucher anwesend waren, soll man sich schon mit Rückbauplänen tragen. Vielleicht wird die Arena ja auch aus den Tribünenteilen assembliert, die demnächst eventuell in Innsbruck und Klagenfurt abgebaut werden. Dagegen spricht freilich die Zögerlichkeit der politischen Entscheidungsträger und Stronachs Ungeduld. Einmal Endstation Rothneusiedl dürfte ihm reichen. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, Montag, 24. August 2009)

SC Magna Wiener Neustadt - Red Bull Salzburg  1:1 (1:1). Stadion Wr. Neustadt, 4.400, SR Eisner.

Torfolge: 1:0 ( 9.) Aigner, 1:1 (40.) Janko

Wr. Neustadt: Fornezzi - Ari, Johana (69. Kostal), Ramsebner, Gercaliu - Wolf, Reiter (62. Martinez), Grünwald, Simkovic (54. Burgstaller) - Viana, Aigner

Salzburg: Gustafsson - Schwegler, Sekagya, Schiemer, Ulmer - Augustinussen - Tchoyi (84. Nelisse), Cziommer (73. Vladavic), Leitgeb, Svento (63. Zickler) - Janko

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    Marc Janko wurde von Huub Stevens diesmal von Beginn an aufgeboten.

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