Kampusch kritisiert Polizei

22. August 2009, 20:29
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"Die Ermittlungsfehler 1998 und in den Folgejahren sind offensichtlich" - Für Entschädigungsklage sei es noch zu früh

Wien - Drei Jahr nach ihrer Flucht hat Natascha Kampusch in Interviews mit den Tageszeitungen "Kurier" und "Kronen Zeitung" (Sonntagsausgaben) herbe Kritik an der Polizei geübt: "Ich als Außenstehende tu' mir relativ schwer, die Arbeit der Polizei zu bewerten, das nehme ich mir nicht heraus. Aber die Ermittlungsfehler 1998 und in den Folgejahren sind offensichtlich", sagte sie dem "Kurier". Für eine allfällige Klage auf Entschädigung sei es aber noch zu früh.

Kampusch war am 23. August 2006 in Straßhof aus der Gewalt des Entführers Wolfgang Priklopil geflüchtet, der sie rund achteinhalb Jahre zuvor als zehnjähriges Mädchen gekidnappt hatte. Priklopil beging nach dem Entkommen der heute 21-Jährigen Selbstmord. Noch immer gelten zahlreiche Details des spektakulären Kriminalfalls als nicht restlos geklärt.

"Beflügeln die Fantasie"

So haben kürzlich Mitglieder der Evaluierungskommission, die den Fall unter dem Vorsitz von Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident Ludwig Adamovich untersuchen soll, die Möglichkeit in den Raum gestellt, dass Kampusch in Lebensgefahr schweben könnte, weil sich allfällige Mittäter auf freiem Fuß befinden könnten. Das Opfer selbst bezeichnete dies als "absurd": "Wenn ich in Lebensgefahr bin, dann deshalb, weil man es in den Medien behauptet und weil mir irgendwelche Passanten zu nahetreten, was sie eigentlich nicht sollten", sagte sie zum "Kurier".

Kampusch betonte erneut, dass sie keine Mittäter gesehen habe und auch von keinen anderen Tätern wisse. Einen Freund Priklopils, der selbst in Zusammenhang mit dem Fall für bisher nicht bewiesene Spekulationen gesorgt hatte, habe sie einmal am Ende ihrer Gefangenschaft "kurz gesehen". Zur "Krone" sagte sie auf die Frage, warum sich so hartnäckig Aussagen über Mittäter oder Mitwisser halten: "Spektakuläre Kriminalfälle beflügeln die Fantasie. Davon sind auch die Mitglieder der Evaluierungskommission nicht verschont. Vielleicht geht es darum, von den Fakten abzulenken (...) Wäre weniger nachlässig gearbeitet worden, hätte ich vielleicht schon nach wenigen Wochen befreit werden können."

Kritik übte sie auch an Adamovich selbst in Zusammenhang mit dessen Aussage, dass die Gefangenschaft womöglich "allemal besser war als das, was sie davor erlebt hat". Dazu die 21-Jährige: "Als Außenstehende frage ich mich: Wie maßt sich jemand an, die Zeit der Gefangenschaft mit der Zeit davor zu vergleichen? So ein Vergleich disqualifiziert sich doch von selbst. Eine Gefangenschaft ist schon etwas ganz Massives."

Kampusch betonte erneut, sie habe vor neuen Einvernahmen keine Angst, sie sei bereits achtmal einvernommen worden. Es sei für sie aber unangenehm. "Ich frage mich, was ich noch alles sagen soll", meinte sie. Zu ihren Plänen betonte die 21-Jährige lediglich, sie wolle zunächst ihren Hauptschulabschluss nachholen. (APA)

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