Radiohead zementierten Ausnahmestellung

22. August 2009, 10:08
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Grace Jones lud zu Zeitreise in die Achtziger - Marc Almond vor fast leeren Rängen

St. Pölten - Man muss keine doppelten Fabel-Weltrekorde im Sprint hinlegen, um die Konkurrenz blass aussehen zu lassen: Die britische Ausnahme-Popformation Radiohead hat am Freitag beim Frequency-Festival in St. Pölten im Rahmen ihres ersten Österreich-Konzerts ihre Sonderstellung eindrucksvoll dokumentiert. Mit fragmentiertem Pop, einer überquellenden Lichtshow und atmosphärischer Hochkonzentration hat die Band um Thom Yorke das Festival in einer mehr als zweistündigen Show als Headliner völlig umdefiniert.

Pop-Performance, die überwältigte

Vor einem Vorhang aus Lichtsäulen, die in glühenden Farben waberten und pulsierten, stand die Band - und erarbeitete in Folge eine Pop-Performance, die überwältigte. Umrahmt war die Bühne von zwei Leinwänden mit monochromen Überkopf-Aufnahmen wie aus einer schlecht platzierten Überwachungskamera, die Yorke beim Zappeln hinter dem Mikrofon zeigten. Die Bilder waren in fast ebenso viele Teile zersplittert wie die Songs von "Karma Police" über "Idiotheque", "Paranoid Android" und "Street Spirit" bis hin zum Material vom neuesten Album "In Rainbows", die nur die Briten wieder zu einer emotional homogenen Einheit zusammenzufügen vermögen.

Einziger Kritikpunkt: Keine Festival-Band

Für den fantastischen Auftritt gibt es nur eine einschränkende Bemerkung: Mit ihrer Ausnahme-Show hat sich Radiohead nicht eben als übermäßig geeignete Festival-Band gezeigt. Der Bruch zu den zuvor auftretenden spielfreudigen Bloc Party und überhaupt zum übrigen Line-up war übergroß. Vor fast leeren Rängen musste auf der kleineren Green Stage zeitgleich mit den Briten Marc Almond spielen, danach folgte die schrille Grace Jones - mit gehöriger Verspätung. Was die paar Hundert Geduldigen vor der Bühne erleben durften, entlohnte aber vollends für die lange Wartezeit: Die Diva lud zu einer Zeitreise in die Achtziger samt obligatorischen Kostümwechseln zwischen jeder Nummer. Die Menge vor der Bühne mag überschaubar gewesen sein, der Auftritt und die Stimmung hingegen waren ausufernd.

Für den abschließenden Frequency-Tag haben sich Bands wie The Prodigy, Mando Diao und Mia. angekündigt. Die Stimmung dürfte - im wahrsten Sinn des Wortes - feucht-fröhlich bleiben: War der Wettergott den Fans bisher wohlgesonnen, wurden für Samstag Regen und kühlere Temperaturen vorausgesagt. (APA)

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    Radiohead-Sänger Thom Yorke.

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