Ministerium warnte bereits 1998 vor marodem Kraftwerk

22. August 2009, 11:35
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Zahl der Toten in Sibirien auf 66 gestiegen - Noch neun Menschen vermisst - Kaum Chancen die Vermissten noch lebend zu bergen

Moskau - Das russische Katastrophenschutzministerium hat einem Zeitungsbericht zufolge bereits 1998 das sibirische Wasserkraftwerk Sajano-Schuschinskaja als extrem unsicher bezeichnet haben. Das berichtete "Kommersant" am Samstag. Die Zahl der Toten nach dem schweren Unfall stieg unterdessen auf 66.

Aus dem überfluteten Turbinenraum des Kraftwerks wurden am Samstag weitere Leichen geborgen, hieß es. Neun weitere Arbeiter wurden weiterhin vermisst.

Auf die maroden Zustände im Kraftwerk wurde der Kreml "Kommersant" zufolge seit den 90er Jahren von unabhängigen Experten und eigenen Ministerien hingewiesen. Geschehen sei nichts. Das Katastrophenschutzministerium habe bereit 1998 gewarnt, der Damm sei in einem Zustand gefährlicher Vernachlässigung. Diese Einstufung gilt Experten zufolge für die gesamte russische Infrastruktur von Straßen bis zu Gas-, Wasser- und Ölleitungen.

Jüngsten Statistiken zufolge sind im Kraftwerksbereich 7,4 Prozent der Bauteile erneuert worden. Studien zufolge hätte aber die Hälfte ausgetauscht werden müssen. 15 Prozent seien in einem nicht mehr reparablen Zustand.

Energieminister Sergej Schmatko sagte, die Reparatur des zerstörten Turbinenraums von Sajano-Schuschinskaja werde allein schon 49 Milliarden Rubel (840 Millionen Euro) kosten. Das Katastrophenschutzministerium soll bereits 2005 gemahnt haben, mehr als zwei Drittel der russischen Wasserrohre, Abwässerkanäle, Fernwärme- und Stromnetzwerke müssten dringend erneuert werden. Auch Ministerpräsident Wladimir Putin räumte im vergangenen Dezember ein, 80 Prozent des Heizungsnetzwerks müssten repariert werden.

"Der russische Haushalt wird nicht genug Geld haben, um in die Infrastruktur dieser (Versorgungs-) Betriebe zu investieren", sagt der Chef-Ökonom der Bank UralSib, Wladimir Tichomirow.. "Die Kosten werden also an die Verbraucher weitergegeben werden müssen - Private und Unternehmen. Es gibt keinen anderen Weg - andernfalls wird es weitere Technik-Katastrophen geben."

Unterdessen ging die Suche nach der Vermissten weiter. "Leider finden wird nur Körperteile, wir wollen, dass alle identifiziert werden", erklärte der russische Zivilschutzminister Sergej Schoigu am Samstag. Einen Terroranschlag schlossen die russischen Ermittler zuletzt wiederholt aus. Trotzdem hatten islamistische Untergrundkämpfer aus der russischen Konfliktrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus behauptet, einen Anschlag auf das Kraftwerk verübt zu haben.

Das Unglück im Kraftwerk am Sajano-Schuschensker Stausee in Südsibirien gilt als die schwerste Katastrophe in der russischen Energieversorgung seit Jahren. An diesem Sonntag sollen die ersten Opfer beerdigt werden. (APA)

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