EU-Beobachter: Wahlen liefen vorschriftsmäßig ab

21. August 2009, 22:37
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Deutlich weniger Frauen als Männer an den Urnen

Gardes - Die Wahlen in Afghanistan sind nach Einschätzung eines deutschen Wahlbeobachters auf den ersten Blick vorschriftsmäßig abgelaufen. In den von ihm besuchten Wahllokalen sei der Urnengang "ordnungsgemäß abgelaufen und das Wahlgeheimnis gewahrt" worden, sagte Andreas Deschler am Freitag im Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AFP. Der 38-jährige Politikwissenschaftler ist für die EU-Wahlbeobachtermission in der Provinz Paktia im Südosten des Landes im Einsatz und besuchte am Wahltag mehrere Wahlzentren in der Provinzhauptstadt Gardes.

In den von ihm besuchten Wahllokalen sei alles vorschriftsmäßig abgelaufen, sagte Deschler. Jeder Wähler sei per Ausweis kontrolliert worden, habe geheim in der Wahlkabine sein Kreuz gesetzt und nach der Stimmenabgabe seinen Finger in blaue Tinte tunken müssen, sagte Deschler. Insgesamt stattete er fünf Wahlzentren mit jeweils mehreren Wahllokalen einen Besuch ab, darunter zwei Zentren für Männer, zwei für Frauen und ein gesondertes Wahlzentrum für Nomaden. In den für Frauen bestimmten Lokalen waren ausschließlich Wahlhelferinnen beschäftigt.

Allerdings habe er in vergleichbaren Wahllokalen "deutlich weniger Frauen als Männer" gesehen, sagte der aus der Nähe von Freiburg stammende Politologe. Frauen waren im Vorfeld des Urnengangs und am Wahltag besonders gefährdet. Vor der Wahl hatte Deschler AFP gesagt, er habe sich mit vielen Kandidatinnen für die ebenfalls stattfindenden Wahlen zu den Provinzparlamenten unterhalten. Diese hätten von massiven Bedrohungen bis hin zur Morddrohung berichtet.

Insgesamt habe am Donnerstag eine "gewisse angespannte Stimmung" geherrscht, sagte Deschler AFP. Ein Selbstmordattentäter habe sich nahe eines Wahllokals in die Luft gesprengt, das die EU-Wahlbeobachter kurz darauf besuchten. Daher bleibe für alle stets ein "gewisses Risikopotenzial". Es habe jedoch "keine direkten Drohungen" an die Beobachter gegeben. Auch er selbst habe sich angesichts der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen nicht bedroht gefühlt. Da die Beobachtermissionen insgesamt jedoch nur "rund die Hälfte" der Wahlorte abdecke, könne er keine Aussage über die Situation außerhalb der beobachteten Provinzen machen.

Deschler hält sich als einer der beiden deutschen Langzeit-Beobachter seit dem 21. Juli am Hindukusch auf und seit dem 28. Juli in Gardes. Er bleibt noch bis Ende nächster Woche in Afghanistan. Die EU-Wahlbeobachtermission in Afghanistan will am Samstagfrüh in Kabul ihren vorläufigen Bericht zum Verlauf der Wahlen vorstellen.

Obama: Wichtiger Schritt vorwärts

US-Präsident Barack Obama hat die Präsidentenwahl in Afghanistan ungeachtet blutiger Gewalt als "wichtigen Schritt nach vorn" bezeichnet. Er sei "beeindruckt vom Mut" der Afghanen angesichts der Einschüchterungsversuche durch radikalislamische Taliban, sagte Obama am Freitag vor dem Weißen Haus in Washington.

"Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft denjenigen gehört, die etwas schaffen wollen, nicht jenen, die zerstören", betonte der Präsident. Obama unterstrich seine Zuversicht, dass der militante Extremismus besiegt werden wird. (APA)

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