Transzendente Peinlichkeit

21. August 2009, 21:28
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Der Helmuti hätte sich über dieses Bekenntnis auch nicht weiter aufgeregt

"Mehr Sex als ich hatte, kann selten eine Frau gehabt haben." Diese befriedigende Bilanz zieht Dagmar Koller im Interview zu ihrem 70er. Bitte, gilt das jetzt nur für die Zeitgenossinnen? Oder auch für die gesamte Menschheitsgeschichte, inklusive berühmter Fälle wie Messalina, Theodora von Byzanz oder Alphonsine Plessis (besser bekannt als "Kameliendame")?

Das Schöne und Sympathische an Frau Koller ist jedenfalls, dass sie eine geradezu Mount-Everest-hafte Fähigkeit zur Peinlichkeit hat, ebendiese aber durch die fröhlich-blauäugige Naivität, mit der sie die größten Zehennägelaufroller der Welt verkündet, irgendwie entschärft und fast selbstverständlich macht. Der Helmuti hätte sich über dieses Bekenntnis auch nicht weiter aufgeregt, er war was gewohnt in der Hinsicht. Im Übrigen gibt es die Kategorie "Peinlichkeit" im heimischen Celebrity-Wesen eigentlich gar nicht mehr, du kannst sagen und tun, was du willst, es hat keine Folgen. Es ist so etwas wie eine transzendente Peinlichkeit (TP) entstanden. Dagmar Koller wird es wahrscheinlich nicht gerne hören, aber sie hat sich nun den Rang einer Doyenne der TP erworben. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2009)

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