Karsai lässt sich als Sieger ausrufen

21. August 2009, 20:19
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Wahlkampfmanager des Präsidenten: "Kein zweiter Wahlgang mehr nötig"

Kabul/Brüssel - Bereits am Tag nach der Präsidentenwahl in Afghanistan hat Amtsinhaber Hamid Karsai den Wahlsieg für sich beansprucht. Der Wahlkampfmanager des Präsidenten, Hadschi Din Mohammad, sagte am Freitag: "Unsere Zahlen zeigen, dass wir genügend Stimmen haben, um zu gewinnen, ein zweiter Wahlgang ist damit nicht nötig."

Ein Sprecher von Karsais schärfstem Rivalen, Außenminister Abdullah Abdullah, wies dies dagegen als "Propaganda" zurück und sagte, nach ersten Auszählungen liege der Herausforderer in Front.

Die internationale Gemeinschaft bewertete die Abstimmung vom Donnerstag als Erfolg, weil sich die Afghanen nicht von blutigen Terrorakten und Taliban-Drohungen hätten schrecken lassen. Tatsächlich war die Wahlbeteiligung weitaus geringer als bei der ersten direkten Präsidentschaftswahl 2004. Damals gingen rund 70 Prozent der Wahlberechtigten zur Abstimmung; dieses Mal dürfte die Beteiligung nach Angaben der Wahlkommission zwischen 40 und 50 Prozent liegen.

Karsais Wahlkampfmanager Mohammad erklärte, der Wahlsieg des amtierenden Präsidenten gehe aus den Daten hervor, die das Wahlkampfteam von den eigenen Beobachtern bei der Stimmenauszählung in den Wahllokalen und aus Wahlkampfbüros erhalten habe.

Abdullahs Sprecher Sayed Fazel Sangcharaki sagte dagegen, nach ersten Ergebnissen der Wahlkommission liege der Herausforderer mit 62 Prozent der Stimmen vor Karsai, der nur 32 Prozent erhalten habe. "Wir müssen das Endergebnis abwarten" , so Sangcharaki. Aus einigen Provinzen im Süden und Südosten des Landes gebe es noch keine Angaben. Dort sei es zu "groß angelegtem und organisiertem Betrug" durch Regierungsbeamte gekommen. Beobachtern von Abdullah sei der Zugang zu Wahllokalen verweigert worden.

Das Wahlergebnis soll offiziell am 17. September verkündet werden. Der Afghanistan-Experte Thomas Ruttig nahm die Drohungen des Abdullah-Lagers mit Protesten gegen den Wahlausgang und einem Szenario "wie im Iran" ernst. Die Milizen der einstigen Nordallianz können jederzeit wieder belebt werden, warnte Ruttig in einem Interview mit derStandard.at. (AFP, red /DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2009)

 

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    Wahlhelferinnen in Kabul zählen noch die Stimmen aus, Staatschef Karsai weiß schon, dass er gewonnen hat.

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