Kein Widerspruch

21. August 2009, 19:50
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Dass die beiden Beamten in Krems die mutmaßlichen Einbrecher erschießen wollten, davon kann wohl niemand ausgehen

Der früherer Wiener Polizeipräsident Peter Stiedl hielt von Suspendierungen wenig. Er habe etwas dagegen, dass Beamte mit zwei Dritteln ihrer Bezüge spazieren gehen, pflegte er zu sagen. Seine Haltung wurde ihm häufig als starrer Corpsgeist ausgelegt, in Wahrheit ging es Stiedl aber um die Unschuldsvermutung, die für alle gilt.

Auch die Polizistin und der Polizist, gegen die im Zusammenhang mit dem in Krems erschossenen 14-Jährigen wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen ermittelt wird, stehen wieder im Dienst. Diese Entscheidung ist kein Widerspruch zu den Fragezeichen in der tragischen Causa. Wenn die Beamten nach den auch für sie traumatisierenden Ereignissen psychisch in der Lage sind, zumindest wieder Innendienst schieben zu können, soll ihnen das bis auf weiteres gewährt werden.

Natürlich gibt es immer wieder Fälle, in denen eine sofortige Suspendierung gerechtfertigt ist. Im Fall Bakary J. im Jahr 2006 beispielsweise war das so: Die beteiligten Beamten hatten den Asylwerber aus Gambia in einer Lagerhalle geprügelt und misshandelt. Es bestand von Anfang an der dringende Verdacht, dass es sich um ein vorsätzliches Verbrechen handelt. Dass die Wega-Polizisten letztendlich mit milden Strafurteilen davonkamen, ist ein anderes Kapitel.

Disziplinäre Maßnahmen werden immer dem aktuellen Informationsstand entsprechend verhängt. Dass die beiden Beamten in Krems die mutmaßlichen Einbrecher erschießen wollten, davon kann wohl niemand ausgehen. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 22./23.08.2009)

 

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