Die Farbe Lila

21. August 2009, 19:42
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Schnelle Siegeserklärungen nähren nur den Verdacht der Wahlfälschung

Die "lilafarbenen Revolutionen" pflegen eine Imagination des Westens zu sein. So benannt nach der Farbe der Tinte, in die Wähler im Irak und nun wieder in Afghanistan ihren Finger tauchen müssen, werden die "lilafarbenen Revolutionen" als demokratische Geburtsstunde gefeiert - und nebenbei als Erfolg des militärischen Engagements der USA und ihrer Verbündeter. George W. Bush hat damit begonnen, als er den Wahlgang der Iraker im Jänner 2005 zur "purple revolution" kürte. Die damalige Parlamentswahl stieß die Iraker in Wahrheit nur tiefer in den religiös-ethnischen Bürgerkrieg hinein.

Mit der Präsidentschaftswahl in Afghanistan könnte es ähnlich enden. Politiker und Medien im Westen jubeln erleichtert über eine hohe Wahlbeteiligung, die es in Wirklichkeit nicht gab, und über eine verhältnismäßig kleine Zahl von Störaktionen der Taliban, über deren wahres Ausmaß man bisher nur ein bruchstückhaftes Bild hat. Damit nicht genug: Amtsinhaber Hamid Karsai lässt sich unter Verletzung demokratischer Spielregeln schon zum Wahlsieger ausrufen, bevor die Stimmauszählung erst richtig in Gang gekommen ist; sein Hauptrivale Abdullah Abdullah zieht mit seiner Siegererklärung nach. Von "lilafarbener Revolution" keine Spur.

Mit dem Vorpreschen seines Wahlkampfmanagers hat Hamid Karsai sein Land weiter destabilisiert. Der amtierende Staatspräsident hat dem Wahlgang Glaubwürdigkeit genommen. Schnelle Siegeserklärungen nähren nur den Verdacht der Wahlfälschung. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2009)

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