Verpackungsblöße

21. August 2009, 19:31
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Der freie Markt bringt nicht nur niedrigere Preise, sondern auch mehr Auswahl - Von Andreas Schnauder

Kleiner und teurer - das ist die Interpretation einer Untersuchung, die von der Arbeiterkammer aus Anlass der EU-weiten Freigabe der Verpackungsgrößen durchgeführt wurde. Klarer Fall also: Wo Regulierung fehlt, wird der Verbraucher abgezockt.

Die verehrten Konsumentenschützer hätten bei ihrer "Analyse" freilich auch ein paar Fakten berücksichtigen können. Beispielsweise, dass laut eigener Erhebung lediglich 1,6 Prozent der Waren im Zusammenhang mit Verpackungsänderungen teurer wurden. Der richtige Schluss hätte also gelautet: Alles paletti. Doch der passt nicht so recht ins ideologische Bild der Arbeiterkammer, die dem Konsumenten wenig Verstand und großen Bevormundungsbedarf unterstellt. Erst gar nicht ins Treffen geführt werden positive Auswirkungen der Änderungen, etwa indem Kunden je nach Haushaltsgröße dank Vielfalt bedarfsgerechter einkaufen können.

Es mag schon sein, dass der eine oder andere Hersteller und Händler mit der Größenumstellung an der Preisschraube dreht. Doch dank der Auflistung von Grundpreisen (beispielsweise pro Kilo oder Liter) sind Preise ja vergleichbar, und Kunden können Verpackungsblößen mit Kaufbann belegen. Eine Zumutung? Nun ja, der freie Markt bringt halt nicht nur niedrigere Preise, sondern auch mehr Auswahl. Das ist übrigens auch bei den Handytarifen seit der Liberalisierung der Fall. Kann unangenehm sein, die Vergleicherei, aber entlastend für die Geldbörse. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.8.2009)

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