AUA-Betriebsratsmandat in der ÖIAG umstritten

21. August 2009, 19:15
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Das Nominierungsrecht liegt bei AK-Präsident Tumpel, die Arge ÖIAG mischt aber kräftig mit

Wien - Der AUA-Verkauf an die Lufthansa ist noch nicht in trockenen Tüchern, schon wird um den Aufsichtsratssessel des AUA-Betriebsrats im ÖIAG-Aufsichtsrat gestritten. Das offizielle Nominierungsrecht für die Besetzung dieses Mandats der Arbeitnehmer hat wohl die Bundesarbeiterkammer, also AK-Präsident Herbert Tumpel. Bei der Wahl des Arbeitnehmervertreters mischt aber die eigens zwecks Koordinierungs- und Vorbereitungsarbeiten für Agenden des ÖIAG-Aufsichtsrats gegründete Arge ÖIAG kräftig mit.

Die Arge verlor in den vergangenen neun Jahren freilich kräftig an Einfluss, sie besteht seit dem großflächigen Abverkauf von Staatsbeteiligungen (Voestalpine, VA Tech, Flughafen, Böhler-Uddeholm etc.) nur mehr aus Personalvertretern der ATX-Schwergewichte Post, Telekom Austria und OMV. Es führen also Privatangestelltengewerkschaft, Metaller (mit Chemiegewerkschaft fusioniert), und natürlich die Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten das große Wort.

Noch nichts akkordiert

Und die sind alles andere denn handelseins, was die Nachbesetzung des von Alfred Junghans ausgeübten AUA-Mandats betrifft. Wiewohl die OMV mit Konzernbetriebsratschef Leopold Abraham und Markus Simonovsky (OMV Exploration Gänserndorf) doppelt vertreten, haben dem Vernehmen nach als Erste die Chemiegewerkschafter Interesse an dem mit 15.000 Euro dotierten ÖIAG-Kontrollposten angemeldet. Sie sähen gern einen Arbeitnehmervertreter der Raffinerie Schwechat im ÖIAG-Kontrollgremium.

"Sicher nicht die OMV, die hat ja schon zwei Leute drin", stellt Post-Zentralausschussvorsitzer Gerhard Fritz im STANDARD-Gespräch klar. Nichts sei fix, es eile auch nicht, denn solange der AUA-Deal nicht abgeschlossen sei, sei Junghans' Mandat nicht vakant. Man werde die Causa Anfang September bereden, aber sicher nicht in der Öffentlichkeit. "Es können nicht drei von der OMV sein", rudert Abraham prompt zurück.

Alternative Telekom

Ein zweiter Postler im ÖIAG-Aufsichtsrat wäre taktisch allerdings nicht ungefährlich. Denn wohl hat Fritz aufgrund der Beschäftigtenzahl quasi ein natürliches Anrecht auf personelle Verstärkung. Die Nummer zwei im Post-Zentralausschuss ist allerdings Christgewerkschafter Manfred Wiedner, und der wäre in der rot dominierten Arge ÖIAG bestenfalls gelitten.

Bleibt als Alternative die Telekom. Deren Festnetz-Betriebsratschef Michael Kolek vertritt neben 9000 TA-Bediensteten auch die TA-Cashcow Mobilkom. Als Verstärkung böten sich A1-Betriebsratschef Werner Luksch - oder ein zweiter Festnetz-Personalvertreter an. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22./23.8.2009)

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