Microsoft und Yahoo wollen Google Books zu Fall bringen

21. August 2009, 18:34
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Mit sieben Millionen digitalen Büchern ist Google eine der größten Bibliotheken der Welt

"Google hat eine bahnbrechende Vereinbarung mit Autoren und Verlagen getroffen", verkündet die Bücher-Seite von Google derzeit stolz ihren Lesern. 2005 haben Autoren und Verlage Google geklagt, weil es mit seinem riesigen Projekt zur Digitalisierung von Millionen Bibliotheksbücher gegen Urheberrechte verstoßen würde. Im Oktober des Vorjahres kam es dann zum Vergleich zwischen dem Onlineriesen, der "Authors Guild" und der "Association of American Publishers", der eine Einnahmenbeteiligung von Autoren und Verlagen vorsieht und dem nunmehr das Gericht zustimmen soll.

Beinbruch

Aber aus dem Bahnbruch könnte ein Beinbruch werden, denn die Vergleichspartner umfassen bei weitem nicht alle Rechteinhaber. Und die Koalition derer, die das Buchprojekt (derzeit sind sieben Millionen Bücher online durchsuchbar) wächst täglich: Jetzt haben sich drei prominente Google-Konkurrenten dem von einem Urheberrechtsanwalt koordinierten Bündnis von Autoren, Bibliotheken und europäischen Verlagen angeschlossen. Die neue Opposition umfasst nunmehr auch Microsoft, Yahoo und Online-Buchhändler Amazon, berichten US-Medien.

Eigenes Interesse

Es ist wohl nicht ziviler Widerstand, sondern handfestes eigenes Interesse, das Googles Konkurrenten in eine Koalition treibt, zu deren Anführer der Silicon-Valley-Anwalt Gary Reback gehört, treibende Kraft hinter dem Kartellrechtsprozesses gegen Microsoft in den 90er-Jahren. Microsoft selbst hat erst vor kurzem ein ähnlich ambitioniertes Projekt aufgegeben, da der Abstand zu Google hoffnungslos wurde.

Yahoo ist sowieso Googles langjähriger Widersacher und inzwischen Microsofts bester Freund. Und Amazon hat Interesse daran, sein eigenes umfangreiches Angebot zur Stichwortsuche in Büchern sowie an digitalen Büchern für sein Lesegerät Kindle zu schützen, nebst Handel mit realen Büchern - obwohl die Google-Buchsuche stets Links dazu bietet.

Gegenwind

Und als ob dieser Gegenwind noch nicht genug wäre, hat auch die US-Kartellbehörde eine Prüfung des Vergleichs eingeleitet. Bis 4. September müssen sich alle Vergleichsgegner bei einem Gericht in Manhattan deklariert haben, bis 18. September muss das Justizministerium Stellung nehmen, im Oktober folgt die Anhörung.

Dieser Vergleich gibt Autoren und Verlagen unterschiedliche Möglichkeiten, mit ihren Werken zu verfahren: Sie können entscheiden, ob sie zu einem Titel gar keine, eine teilweise oder eine komplette Vorschau online anbieten, und es gibt Links zu Händlern oder, bei vergriffenen Titeln, zu Antiquariaten. (spu, DER STANDARD/Printausgabe, 22.8.2009)

 

  • Wird Google seine Bücher-Sammlung halten können?
    foto: der standard

    Wird Google seine Bücher-Sammlung halten können?

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