Yamswurzel

21. August 2009, 18:16
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Die Wurzel der fabelhaften Weltrekorde

Mag sein, dass Kraut und Rüben noch durcheinandergeraten. Eines aber sei gleich einmal festgehalten. Die Yamswurzel und die Süßkartoffel sind beileibe nicht ein und dasselbe, wie dieser Tage oft behauptet wird. Alsdann: Es war die Yamswurzel und nicht die Kartoffel, die Usain Bolt der jamaikanischen Legende nach auf Trab gebracht hat. 9,58 Sekunden über 100 Meter sowie 19,19 über 200 – solche Weltrekorde müssen Wurzeln haben, das ist klar.

Bolts Vater Wellesley war es, der auf die Yamswurzel zu reden kam, nachdem sein Spross 2008 in Peking zum Superstar aufgestiegen war. "Alles, was Usain tut, beruht auf der Kraft, die die Wurzel gibt" , sagte er. Tatsächlich wird der Yamswurzel einiges zugeschrieben, so soll sie gegen Entzündungen, Krämpfe, Rheuma und Gicht sowie als Aphrodisiakum wirken.

Yams (Dioscorea), auch Yam oder Yamswurzel genannt, sind eine Pflanzengattung aus der Familie, man höre und staune, der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). 350 bis 800 Arten gibt es, das ist zugegeben ungenau, gezählte zwei Arten kommen jedenfalls in Europa vor, Schmerwurz und die Balkan-Schmerwurz. Auf europäischen Märkten werden Yamswurzeln aus Brasilien von Oktober bis April angeboten.

In Südamerika, Nigeria und auf den Antillen ist die Yamswurzel schon wegen ihres hohen Stärkegehalts ein Grundnahrungsmittel. 100 Gramm haben einen Brennwert von 100 kcal, sie enthalten 70 Gramm Wasser, 22,4 Gramm Kohlenhydrate, 5,6 Gramm Ballaststoffe, ein bisserl Eisen, Zink, Vitamin C. Zubereitet werden Yams wie Kartoffeln, man schäle sie, schneide sie in Würfel, koche sie bis zu zwanzig Minuten in Salzwasser. Alternative: in dünnen Scheiben rösten oder frittieren. Und natürlich gibt es Yamswurzeltee.

Auf Jamaika steigt stets Ende März das Trelawny Yam Festival. Da wird die größte Yamsknolle prämiert und um die Wette gekocht, und sie zeichnen die am besten gekleidete Ziege und den am besten gekleideten Esel aus, doch das nur nebenbei. Die Jamaikaner bauen 18 Yams-arten an, Gelbe Yams ist besonders beliebt und wird vornehmlich mit Stockfisch serviert.

Ursprünglich soll die Yamswurzel übrigens aus China stammen. Der Kreis schließt sich, nicht nur, weil Bolts Stern in Peking aufgegangen ist. Dem Vernehmen nach sind die Chinesen schon dabei, mit gentechnischen Methoden etliche Yams-Arten zu züchten. Die sollen als Energiepflanzen dienen, zur Herstellung von Ethanol-Kraftstoff. Wozu auch sonst? (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 22.08.2009)

  • Der Yamswurzel wird einiges zugeschrieben, speziell von Usain Bolt.
    foto: wikipedia/c ford

    Der Yamswurzel wird einiges zugeschrieben, speziell von Usain Bolt.

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