Der Kopf des Onkels

21. August 2009, 18:04
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Seit langem gibt "News" Pröll Erwin, dem Onkel, die Gelegenheit, am Bundespräsidenten emporzuhüpfen, um ihm eine Äußerung zu einer Wiederkandidatur zu entlocken

Seit langem gibt "News" Pröll Erwin, dem Onkel, die Gelegenheit, am Bundespräsidenten emporzuhüpfen, um ihm eine Äußerung zu einer Wiederkandidatur für das Amt des Bundespräsidenten zu entlocken. So wie auch diese Woche geschah das regelmäßig begleitet von dem Radlbrunner Paradoxon: Was mich persönlich anlangt, nur ein Satz dazu - kein Mensch hat schon jetzt, die Betonung liegt auf jetzt, ein Interesse an einem Bundespräsidentenwahlkampf. Schon vor Monaten hatte kein Mensch, und die Betonung lag auch damals schon auf jetzt, ein Interesse an einem Bundespräsidentenwahlkampf, abgesehen von dem, der sich ständig als Vorkämpfer des einschlägigen Desinteresses medial in den Vordergrund drängte.

Das Einzige, was er bisher mit dem ständigen Hinausposaunen seines Desinteresses erreicht hat, beschrieb "Die Presse" am Mittwoch mit den Worten Hofburg-Wahl: Die ÖVP im Dilemma. Zur selben Erkenntnis kam "Österreich": Die ÖVP im Hofburg-Dilemma. Präsidentenwahl entzweit VP. Als großer Polit-Stratege hat er sich mit der Überschätzung seines innerparteilichen Charismas, vom außerparteilichen einmal abgesehen, nicht erwiesen. Das bisherige Ergebnis seines auf die Hofburg zielenden Wirkens umriss "Österreich" so: Hinter den Kulissen der ÖVP ist darüber bereits ein hitziger Streit entbrannt, ob bzw. wen die ÖVP gegen den amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer ins Rennen schicken soll. Das muss natürlich nicht wahr sein, aber selbst der steirische ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer fand, durch die Art der Debatte habe "die ÖVP eine Kandidatur gegen Heinz Fischer selbst verbockt".

Ehe man die Volkspartei vor dem caesarischen Tatendrang des rasenden Bauernbündlers in Schutz nehmen will - eine Warnung. Die ÖVP hat bei all dem nicht viel zu vermelden, denn in "News" gab der Onkel seinem Leibjournalisten forsch zu Protokoll: Ich allein entscheide! Böse Onkels haben hierzulande traditionell die Eigenschaft, sich als Mühlsteine an den Hälsen ihrer (Wahl-)Neffen zu erweisen. Und dieser meint es ernst damit. Also, um es gleich ganz klar zu formulieren - meine politischen Entscheidungen habe ich noch nie von Entscheidungen anderer abhängig gemacht, weder von Personen noch von Institutionen. Ob dieser Vertreter eines unaufgeklärten Absolutismus wirklich der richtige Vorsteher einer demokratischen Republik wäre, ob Österreich also Niederösterreich werden sollte, sei dahingestellt. Die ÖVP ist jedenfalls unterrichtet: Ich gehe meinen Weg, den ich für richtig halte, den bin ich immer gegangen. Das werde ich auch in Zukunft so halten, es soll sich niemand meinen Kopf zerbrechen.

Ein solches Angebot liegt bisher nirgends vor, jedes Überraschungsei lohnte es sich eher zu zerbrechen, will man etwas Neues erfahren. Dabei hat sich der Interviewer von "News" wirklich alle Mühe gegeben, und wie durch Zufall flatterte während dieses Sommergesprächs die Abendausgabe der "Kronen Zeitung" auf den Tisch. Und wie durch Zufall auch noch mit der Schlagzeile: Klare Mehrheit dafür: Gegenkandidat zu Heinz Fischer.

Über die Rolle des Zufalls in der Weltgeschichte wurde ja schon viel philosophiert, aber derart zufällig waltet der Zufall nirgends sonst als zwischen den Regierungsvierteln St. Pölten und "Kronen Zeitung". Jetzt müsste der Zufall nur noch dafür sorgen, dass der Neffe dem Onkel zu einer Alleinentscheidung verhilft.

Mehr Spannung als in der ÖVP um den Kopf des Onkels herrscht zur Zeit bei der Asfinag, wie der "Krone"-Aufguss "Heute" Donnerstag mit der vollen Zurückhaltung des Konkurrenten vermeldete: Bei der Asfinag wartet man noch immer gespannt, wann "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner seine Schulden zu begleichen geruht. Immerhin haben die Straßenerhalter schon Ende Juni (!) Klage eingebracht, weil Fellner - für den die Unschuldsvermutung gilt - ihnen 1,5 Millionen Euro schuldet. Für Jahresvignetten, die er bei einer Abo-Werbung an seine Leser verteilte. Und die bis jetzt der Steuerzahler berappen musste.

Im selben Atemzug für jemanden die berüchtigte Unschuldsvermutung geltend zu machen, dem man öffentlich vorwirft, er habe seine Schulden nicht zu begleichen geruht und damit für Spannung bei den Straßenerhaltern gesorgt, ist schon ein krasser Fall von Brotneid. So viele Leser wird Fellner mit den Vignetten nicht von der "Krone" weggelockt haben. Und seine Schulden bei der Asfinag deckt er spielend mit Gratisexemplaren von "Österreich" ab. Ausnahmsweise. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 22./23.8.2009)

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