Wahlbeobachter: Weniger Frauen in Wahllokalen

21. August 2009, 17:36
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Der deutsche Wahlbeobachter Andreas Deschler sah in den Wahllokalen "deutlich weniger Frauen als Männer"

Gardes - Nach Einschätzung eines deutschen Wahlbeobachters sind die Wahlen in Afghanistan auf den ersten Blick vorschriftsmäßig abgelaufen. In den von ihm besuchten Wahllokalen sei der Urnengang "ordnungsgemäß abgelaufen und das Wahlgeheimnis gewahrt" worden, sagte Andreas Deschler am Freitag. Der 38-jährige Politikwissenschaftler ist für die EU-Wahlbeobachtermission in der Provinz Paktia im Südosten des Landes im Einsatz und besuchte am Wahltag mehrere Wahlzentren in der Provinzhauptstadt Gardes.

Insgesamt stattete er fünf Wahlzentren mit jeweils mehreren Wahllokalen einen Besuch ab, darunter zwei Zentren für Männer, zwei für Frauen und ein gesondertes Wahlzentrum für Nomaden. In den für Frauen bestimmten Lokalen waren ausschließlich Wahlhelferinnen beschäftigt.

Besonders gefährdet

Allerdings habe er in vergleichbaren Wahllokalen "deutlich weniger Frauen als Männer" gesehen, sagte der aus der Nähe von Freiburg stammende Politologe. Frauen waren im Vorfeld des Urnengangs und am Wahltag besonders gefährdet. Vor der Wahl hatte Deschler gesagt, er habe sich mit vielen Kandidatinnen für die ebenfalls stattfindenden Wahlen zu den Provinzparlamenten unterhalten. Diese hätten von massiven Bedrohungen bis hin zur Morddrohung berichtet.

Insgesamt habe am Donnerstag eine "gewisse angespannte Stimmung" geherrscht, so Deschler. Ein Selbstmordattentäter habe sich nahe eines Wahllokals in die Luft gesprengt, das die EU-Wahlbeobachter kurz darauf besuchten. Daher bleibe für alle stets ein "gewisses Risikopotenzial". Es habe jedoch "keine direkten Drohungen" an die Beobachter gegeben. Auch er selbst habe sich angesichts der getroffenen Vorsichtsmaßnahmen nicht bedroht gefühlt. Da die Beobachtermissionen insgesamt jedoch nur "rund die Hälfte" der Wahlorte abdecke, könne er keine Aussage über die Situation außerhalb der beobachteten Provinzen machen.

Deschler hält sich als einer der beiden deutschen Langzeit-Beobachter seit dem 21. Juli am Hindukusch auf und seit dem 28. Juli in Gardes. Er bleibt noch bis Ende nächster Woche in Afghanistan. Die EU-Wahlbeobachtermission in Afghanistan will am Samstagfrüh in Kabul ihren vorläufigen Bericht zum Verlauf der Wahlen vorstellen. (APA)

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