Umtriebe im Keller

21. August 2009, 17:33
posten

Franz Zellers "Herzlos"

Franz Zeller, Wissenschaftsredakteur von Ö1, ist unter die Autoren gegangen. Mit seinem Krimidebut Herzlos begibt er sich in seine Heimatstadt Salzburg und zeigt uns ein ehrwürdiges Ambiente abseits von Promihysterie und Festspielgetue, was eine wahre Wohltat ist. Er ist ganz unspektakulär, der Tod einer alten Frau in der Universitätsklinik. "Altersbedingtes Multiorganversagen" nennt man das, vier Tage später wird Rosa Schwarz begraben, allerdings ohne ihr Herz. Seltsamer ist schon, dass in der Prosektur der Klinik, wo auch die Leiche von Frau Schwarz Zwischenstation gemacht hat, ein ehrgeiziger Arzt erschlagen aufgefunden wird. Bloß kein Aufsehen, ist die Parole von Franco Molls Vorgesetztem, dem Brigadier Gokl, der lieber Tennis spielt als Dienst schiebt.

Man will doch nicht die bessere Gesellschaft beunruhigen, das könnte die Karriere beeinträchtigen. Außerdem bietet sich ein Mörder geradezu an: Es ist der Haubenkarli, ein Sandler. Dieser ist unter Zurücklassung seines Schlafkartons verschwunden, ein Indiz für seine Täterschaft, also ist der Fall so gut wie gelöst. Franco glaubt das nicht und fängt an, die indignierten Götter in Weiß zu befragen. Damit sticht er in ein Wespennest. Zellers Krimi präsentiert sich für einen Erstling fast schon zu routiniert. Die Protagonisten könnten mehr Ecken und Kanten vertragen, auch wenn in der Figur des Ermittlers, eines Alleinerziehers mit permanent schlechtem Gewissen, Ansätze dazu vorhanden sind. Auf jeden Fall ein guter Start. (Ingeborg Sperl, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 22./23.08.2009)

Link:
www.krimiblog.at

Franz Zeller, "Herzlos" . € 10,20/250 Seiten. Pendragon, Bielefeld 2009

Share if you care.