Flexibilität muss gelernt sein

21. August 2009, 17:00
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Arbeitszeitmanagement avanciert zum Top-Thema, so eine Studie von Deloitte Human Capital und Ximes - Vor allem für die Zeit nach der Krise trage "Flexibilität" einiges zur Attraktivität von Arbeitgebern bei

Der Bedeutung von Arbeitszeitmanagement in wirtschaftlichen Krisenzeiten geht die aktuelle Studie Arbeitszeitmanagement in Österreichs Unternehmen der Berater Deloitte Human Capital und Ximes nach. Über 400 Personen - Vorstände, Geschäftsführer, HR-Leiter - nahmen an der Studie teil, deren erste Ergebnisse nun vorliegen. Die gesamte Studie wird Mitte September präsentiert werden.

Für mehr als 70 Prozent aller Befragten spiele die Arbeitsgestaltung bei der personalwirtschaftlichen Krisenbewältigung eine sehr wichtige oder wichtige Rolle, ist in der Umfrage zu lesen. Allerdings greifen zurzeit nur 40 Prozent zu Arbeitszeitmaßnahmen - angefangen von Abbau von Urlaubs- und Zeitguthaben (über 80 Prozent), Reduktion von Besetzungsstärken (rund 30 Prozent) über Karenzierungen (rund 20 Prozent) bis hin zur Überstundenlimitierung (rund fünf Prozent).

Der Beratungsbedarf im Bereich Arbeitszeitmanagement ist gestiegen, sagt Jan Krims, Manager bei Deloitte Human Capital. Flexibilität sei heute kein Schlagwort mehr, vielmehr Anforderung und Realität in vielen Betrieben. In Krisenzeiten werde das besonders sichtbar. Und es seien häufig "verzwickte planungstechnische Aufgaben - etwa: Wie viel Personal ist für bestimmte Bereiche erforderlich und wie kann ich es in ein Arbeitszeitmodell einbinden, das sowohl arbeitswissenschaftlich, gesetzlich und für die Mitarbeiter korrekt ist? - zu lösen, ergänzt Johannes Krims, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens Ximes, das bei der Arbeitszeitgestaltung sowohl Beratung als auch Software anbietet.

Vor allem "Übungssache"

Die zurzeit "akutesten Probleme" seien auf Kostenseite zu finden, sagt Krims. Sehr oft gehe es auch um die Belastung der Mitarbeiter, um die Berücksichtigung von Anforderungen bei Kundenbedürfnissen und Ähnliches. „Auf der Ebene darüber gilt es die aktuelle Unsicherheit zu berücksichtigen", ergänzt Gärtner. Vieles habe damit zu tun, ob ein Unternehmen gelernt hat, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. "Arbeitszeitmanagement ist vor allem Übungssache", so Krims. Gärtner: „Je besser eine Organisation Arbeitszeitmanagement beherrscht, desto besser ist sie in derLage, sich auf unterschiedliche Gegebenheiten einzustellen." 

Wichtig ist, die Mitarbeiter dabei zu unterstützen, Arbeitszeitmanagement als Handlungsfeld zu akzeptieren, so Gärtner. Alle Beteiligten müssen eine Kultur finden, damit sinnvoll umzugehen. Bei Organisationen mit weniger Erfahrung in Sachen Veränderung sei das naturgemäß schwieriger, zumal die Ängste der Beteiligten größer sind.

Das Schlimmste sei, so Krims ergänzend, Unsicherheiten zu tabuisieren. Es sei ein schwerer Fehler, Reaktionen auf die aktuellen Rahmenbedingungen - wie das Klammern an den Arbeitsplatz oder eine Explosion an Überstunden - zu ignorieren, so Krims. 

Teure Ressource Arbeitszeit

Beobachtbar ist, sagt Krims, dass in vielen Unternehmen eher eine Orientierung an Arbeitsspitzen gegeben war. Klassische All-in-Vereinbarungen berücksichtigen keine Auslastungstäler, so Krims. "Gerade Letztere sind aber große Hebel, um Kosten zu sparen", sagt er.
Künftig wichtige Themen werden im Dreieck "Kunden, Service, Qualitätsorientierung", "Kosten-" und "Mitarbeiterorientierung" zu finden sein. Gärtner: "Das Interessante an diesem Dreieck ist, dass etwa Kostenmaßnahmen im Rahmen eines Arbeitszeitmanagements keine Verschlechterung für die Mitarbeiter oder für die Qualität verursachen müssen. Das ist zwar auch eine, aber keine reine Verteilungsfrage. Es gibt Organisationsformen, die teuer und schlecht für Mitarbeiter und Kunden sind. Trotzdem ist es oft schwer, sich davon zu lösen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 22./23.8.2009)

  • Gutes Arbeitszeitmanagement berücksichtigt Auslastungsspitzen wie -täler
    foto: ap/frank augstein

    Gutes Arbeitszeitmanagement berücksichtigt Auslastungsspitzen wie -täler

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