Neuer Marktplatz für Fotografie

21. August 2009, 18:31
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Unter dem Titel "Foto Art NOW" versteigert WestLicht künftig zweimal jährlich sowohl klassische als auch junge Fotografie

Alberto Kordas Guerrillero Heroico mag das berühmteste Abbild von Che Guevara sein, René Burris während eines Interviews 1963 entstandenen Porträts gelten als die schönsten. Drei Fotos aus dieser Serie, mit Taxen zwischen 5000 und 7000 Euro, bringt WestLicht (Wien) auf den Markt - nicht über den hauseigenen Galerienbetrieb, sondern über eine am 5. Dezember 2009 anberaumte Auktion.

Von A wie Alpa bis Z wie Zeiss lauteten entsprechend des Herstellerindex die Koordinaten bisher, wenn in der Westbahnstraße eine der beiden seit November 2002 jährlich stattfindenden Versteigerungen auf dem Programm stand. Mit historischen Kameras und Photographica der oberen Liga hat man in diesem Nischensegment längst die Marktführerschaft erobert, in der internationalen Fachwelt ist man bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund.

Auch wegen der erzielten Weltrekorde, darunter mit der Daguerreotypie Susse Frères von 1839 um 576.000 Euro die teuerste versteigerte Kamera weltweit. Durchschnittlich wechseln hier jährlich 2000 Lose im Wert von drei Millionen Euro den Besitzer. Über Kontakte zu relevanten Sammlern, Museen und Institutionen verfügt man längst. Ein klarer Bonus, bestätigt WestLicht Leiter Peter Coeln, und ein Startvorteil für die künftig zweimal jährlich angesetzten, ausschließlich dem Medium Fotografie gewidmeten Auktionen.

Die Idee dazu gärte lange, über den von "departure" initiierten 2009er-Themencall "focus Kunst. Handlungsfelder und Verwertungsstrategie" ist die Realisierung nur noch die Förderung entfernt. Die auf drei Jahre zur Auszahlung gelangenden 180.000 Euro kommen freilich nicht für die Akquisition zum Einsatz, sondern für die Katalogproduktion sowie die externen Experten.

Rund 300 Positionen sollen je Auktion angeboten werden: 50 Prozent entfallen auf den Bereich internationale Fotografie, 20 Prozent auf etablierte österreichische Klassiker wie Lessing oder Hubmann - Einbringungen für die anstehenden Auktionen sind ausdrücklich erwünscht. Der Rest ist jungen österreichischen Fotokünstlern und die Auswahl wiederum den Kuratoren Thomas Freiler und Ruth Horak vorbehalten.

Dem Umstand, dass der Sekundärmarkt hierzulande kaum vorhanden sei bzw. eher im Verborgenen vor sich hin schlummert, sieht Coeln gelassen entgegen. Österreich habe eine große Tradition hinter sich, und insofern sei es längst an der Zeit, Aufbauarbeit zu leisten und mit internationaler Vermarktung ein entsprechendes Signal zu setzen.

Bislang veranstaltete lediglich das Dorotheum Auktionen, die sich umsatzmäßig mit durchschnittlich 200.000 Euro zu Buche schlugen. Peter Coelns Plan greift höher hinaus: 500.000 Euro sollen es im ersten Jahr sein, im zweiten will die Millionengrenze überschritten werden. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 22./23.08.2009)

 

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