ZEW Index überrascht

21. August 2009, 14:38
posten

Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Stephan Lingnau und Vincent Holzer

Nach einem turbulenten Wochenbeginn durch die Kurseinbrüche in Shanghai konnten sich die europäischen Börsen in der zweiten Wochenhälfte stabilisieren, und der Stoxx 600 verliert auf Wochensicht nur -0,36%. Vor allem die sich weiterhin verbessernde Stimmungsindikatoren (EMI und ZEW) und die Stabilisierung der volatilen Börse in China trugen hierzu bei. Interessant ist die weiterhin starke Outperformance des zyklischen Bausektors (+0,9%) der auf einen neuen Jahreshöchststand kletterte. Zu den Verlieren zählten insbesondere Automobilproduzenten (-8%) aufgrund des Einbruchs von VW, Technologiefirmen (-1,8%) und Versicherer (-1,6%).

Das Handelsvolumen im Stoxx 600 war um durchschnittlich 19% schwächer als vergangen Woche. Der VDax stieg auf 26,1 Punkte (+7,1%). Kupfer musste vom Jahreshöchststand bei USD 6.381/t nachgeben (-5,2%, stabile Lagerbestände). Der Preis für Aluminium ging um 7,4% auf USD 1.906/t zurück. Der Abwärtstrend des Baltic Dry Index setzt sich fort (-6%) und das Barrel Brent notierte stabil bei USD 73,5.

Der ZEW Index überraschte diese Woche mit optimistischen Erwartungen auf einen baldigen Aufschwung in Deutschland. Die Erwartungskomponente stieg im August deutlich auf 56,1 Punkte gegenüber 39,5 Punkten im Juli. Erwartet wurde eine Verbesserung auf 47,3 Punkte. Die Lagekomponente legte auf -39,8 Punkte zu und errechte damit ein 6 Monats hoch. Besonders positiv stimmt der markante Anstieg von 12,1 Punkten seit Juli.

Die Stimmung unter deutschen DAX-Investoren bleibt trotzdem schlecht. Die aktuelle Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren verzeichnete diese Woche im Bullenlager aber einen Zuwachs von 5%. Insgesamt sind die Investoren noch zum größten Teil noch bearish. (Bullish 33% (+5) / Bearish 44% (-7) / Neutral 23% (+2)). Die Bärenmehrheit in Deutschland ist noch beträchtlich im Gegensatz zu internationalen Stimmungsumfragen. 

Volkswagen ersetzt Volkswagen?

Der größte Verlierer im Dax war diese Woche Volkswagen (Kurs: EUR 144; -36,1%). Die Stammaktie hat sich somit endgültig aus ihrem langen Seitwärtstrend verabschiedet. Der Trend dürfte sich fortsetzten da das durchschnittliche Kursziel der Analysten derzeit bei EUR 97 liegt  und die Aktie im letzten Bärenmarkt beinahe unverändert blieb. Zudem wird der Titel im September wohl aus dem Dax fallen, da sich wegen der neuen Eigentumsverhältnisse weniger als 10% der Aktien im freien Handel befinden. Kurioserweise könnten die Vorzugsaktien von VW (Kurs: EUR 63; +4,7%) die Stammaktien im Dax ersetzten, da diese stimmrechtslosen Aktien sich zu 100% im freien Handel befinden. Wir raten derzeit von jedem Investment in VW und Porsche ab bis alle Informationen über die Optionsgeschäfte von Porsche bekannt sind.

Nachdem bis jetzt schon 80% der Unternehmen im Stoxx 600 Quartalszahlen veröffentlicht haben sind die Ergebnisse des 2. Quartals zumeist besser als erwartet. Insgesamt konnten 56% bei den Gewinnen pro Aktie und bei den Umsätzen die Erwartungen übertreffen. Gute Umsatz und Gewinnzahlen lieferten Banken und Versicherungen, der zyklische Konsum und der Technologiesektor. Schlechter als erwartet lief es im Rohstoffsektor. Dort waren Umsatz und Gewinn bei 57% der Unternehmen unter den Erwartungen. Die viel beachteten Industrieunternehmen konnten mit ihren Gewinnen überraschen, während die Umsätze hinter den Erwartungen blieben. Insgesamt zeigt sich jedoch ein besseres Bild als im ersten Quartal, als die Umsätze noch größten Teils negativ überraschten.

Nach monatelangem Tauziehen ist der Streit über die Herausgabe der Kundendaten von UBS nun offiziell beendet. Wie erwartet wurde mit der IRS und der Schweizer Regierung eine Übereinkunft bezüglich 4.450 mutmaßlicher Steuersünder getroffen. Ursprünglich erhofften sich die Amerikaner Daten von 52.000 UBS Kunden durch eine Zivilklage zu erhalten. Das "Worst Case Szenario" der Bank wäre ein kompletter Lizenzentzug in den USA gewesen, diesem und einer Strafzahlung in Milliardenhöhe konnte man nun entgehen. Die Reaktion der Kunden bleibt jedenfalls abzuwarten. Kurz nach Bekanntgabe der Übereinkunft trennte sich die Schweizer Regierung von ihren Anteilen an der UBS. Dies wird als ein Vertrauensbeweis der Regierung an die Bank gewertet.

Vestas mit Umsatzplus

Vestas Wind Systems musste im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang ausweisen, bestätigte im Anschluss jedoch unerwartet die Prognosen für das Gesamtjahr- ein Umsatzplus von 20% und eine operative Marge von 11-13%. Der Umsatz in Q2 mit EUR 1,21 Mrd. war leicht über dem Vorjahreswert (+11%), aber beim EBIT wurde gegenüber dem Vorjahreswert ein Rückgang von 15% auf EUR 78 Mio. verzeichnet. Begründet wurde der Ergebnisrückgang vor allem mit der zurückhaltenden Kundennachfrage. Insgesamt wurden in Q2 618 Windturbinen ausgeliefert, was einem Minus von 12% gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Vestas gab weiters bekannt, dass Banken wieder begonnen haben, Windfarm-Entwicklern Kredite zu geben und dass man eine Zunahme in Bestellungen im letzten Monat gesehen hat. Wir stehen der Aktie sowie der günstigen Windenergie nach wie vor sehr positiv gegenüber und empfehlen Vestas weiterhin zum Kauf.

Der niederländische Supermarktbetreiber Ahold macht weiter gute Geschäfte. Der Gewinn in Q2 konnte dank Kosteneinsparungen gesteigert und der Konkurrenz Marktanteile abgenommen werden. Man steigerte das EBIT um 25,5% auf EUR 295 Mio. Damit übertraf man die Erwartungen von EUR 235 Mio. Unter dem Strich blieben EUR 195 Mio. (+35%). Das Unternehmen, das die Hälfte seiner Waren in den USA verkauft, schaffte ein Umsatzplus von 11,5%. Ahold lag damit aber knapp unter den Prognosen. Ahold kündigte auch an, man werde jede sich anbietende Gelegenheit zu Akquisitionen nutzen. Die Aktie legte diese Woche bei hohem Volumen um 4% zu.

Bayer verliert Rechtsstreit

Bayer hat in Indien in einem für die gesamte Pharmabranche wichtigen Rechtsstreit um günstigere Generika eine Niederlage erlitten. Das Oberste Gericht in Neu Delhi verwarf eine Klage von Bayer, mit der der Konzern in Indien die Zulassung einer billigeren Nachahmerversion seines patentgeschützten Krebsmittels Nexavar verhindern will. Bayer ist enttäuscht über das Urteil und prüft nun seine rechtlichen Möglichkeiten. Bessere Nachrichten kamen von Konkurrent BASF. Der Chemiekonzern hat die Zahl der Kurzarbeiter in seinem Ludwigshafener Stammwerk deutlich verringert. Das Unternehmen geht nun davon aus, dass die Kurzarbeit in diesem Standort im September möglicherweise ganz ausgesetzt werden könnte.

Trotz des Gewinneinbruchs um mehr als die Hälfte im ersten Halbjahr ist der weltweit zweitgrößte Bergbaukonzern Rio Tinto optimistisch für das kommende Jahr. Angesichts der Sparmaßnahmen - Rio hat mehr als 16.000 Stellen abgebaut - und dem gelungenen Schuldenabbau dürfte das Schlimmste für den Konzern vorbei sein. In H1 ist der bereinigte Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber um 54% auf rund USD 2,5 Mrd. eingebrochen. Der Nettogewinn sank sogar um 65%. Das Ergebnis lag jedoch im Rahmen der Erwartungen. Der Umsatz fiel um 31% auf USD 18,8 Mrd. nach einem Umsatzplus von 53% in H2 2008. Im wichtigen Aluminiumgeschäft führten die rückläufige Nachfrage wie auch niedrige Preise sogar zu roten Zahlen.

Konkurrent BHP Billiton rechnet vorerst nicht mit einer Normalisierung der Nachfrage. Eine "echte" Nachfrage nach Metallen sei frühestens Anfang nächsten Jahres zu erwarten. Bis dahin sei davon auszugehen, dass der Markt neutral tendieren werde, da der Prozess der Lageraufstockung in China ende, dafür aber in anderen Ländern beginne.

Share if you care.