Getrübte China-Phantasie belastet US-Börsen

21. August 2009, 14:34
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen beenden eine volatile Handelswoche mit geringen Verlusten. Am Montag waren die deutlichsten Verluste seit 2 Wochen zu verzeichnen, gegen Wochenmitte erholten sich die Indizes jedoch wieder. Insbesondere der Kurssturz in China löste kurzfristig Unbehagen aus. Der Shanghai Composite Index knickte innerhalb der letzten 2 Wochen um fast 20% ein, ehe gegen Wochenmitte eine Kurserholung einsetzte.

Der Dow Jones Index der Standardwerte verliert 0,51%, der breite S&P 500 verliert ebenfalls 0,5%, kann aber die 1.000-Punkte Marke zurückerobern. Die Nasdaq setzt ihre relative Schwäche fort und verliert knapp 1% auf 1.989. Am Mittwoch sorgte ein deutlicher Ölpreisanstieg für positive Stimmung. Die Energiebehörde EIA meldete einen unerwartet deutlichen Rückgang der US-Rohölbestände. Der Preis für ein Barrel WTI stieg in Folge auf USD 72. Gold steigt auf 940/Unze.

Das "Orakel von Omaha" Warren Buffet schreibt in einem Kommentar für die New York Times, die US-Wirtschaft habe die Intensivstation verlassen. Er warnt jedoch eindringlich vor den langfristigen Folgen der explodierenden Staatsausgaben. Buffet sieht den Status des US-Dollars als Weltreservewährung gefährdet und fürchtet ein stark inflationäres Umfeld. 

Durchwachsene Konjunkturdaten

Die Neubaubeginne fielen auf 581.000, die Baugenehmigungen entwickelten sich ebenfalls schlechter als erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe kletterten hingegen auf 576.000, während der Konsens mit einem Rückgang auf 550.000 gerechnet hatte. Dagegen wies die Industrie in Michigan dank eines deutlich gestiegenen Auftragseingangs im Automobilsektor zum ersten Mal seit zehn Monaten ein Produktionsplus aus. Der Produzentenpreisindex fiel auf Monatsbasis um 0,9%, die Verbraucherpreise fielen annualisiert sogar um 2,1%. Dies bedeutet den stärksten Rückgang seit 1950.

Das weltweit umsatzstärkste IT-Unternehmen Hewlett-Packard konnte im abgelaufenen Geschäftsquartal schwarze Zahlen schreiben, musste jedoch einen Gewinnrückgang von 19% auf USD 1,6 Mrd. verbuchen. Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum um 2% auf USD 27,5 Mrd. Sowohl im Business- als auch Privatkundenbereich bekommt man die Konsumflaute zu spüren. Extrem positiv entwickelt sich hingegen der Servicebereich. Die Umsätze wurden hier auf USD 8,5 Mrd. nahezu verdoppelt. Apple steht derzeit mit China Unicom in Verhandlung, das iPhone nun auch offiziell in China zu launchen. Zudem erwarte man bei der keynote-Präsentation im September nun auch das Comeback von Steve Jobs. Goldman Sachs setzt Google auf die "Conviction Buy List" und erhöht das Kursziel auf USD 560.

Die Baumarktkette Lowe's meldete enttäuschendes Zahlenwerk, die Aktie verliert 12%. Das EPS fiel um 19%, die vergleichbaren Umsätze knickten knapp 10% ein. Bereits 12 Quartale in Folge fallen die Umsätze nun schon. Die Expansionspläne wurden in Reaktion deutlich zurückgefahren. Was den Ausblick betrifft, so zeigt man sich nun deutlich vorsichtiger und kürzt das obere Ende der Gesamtjahresprognose um 4%. Die weltgrößte Baumarktkette Home Depot scheint die Krise hingegen besser wegzustecken. Die Zahlen zum 2. Quartal überraschten zwar positiv, der Umsatzrückgang von 9,1% lässt aber auch nicht gerade auf florierende Geschäfte schliessen. Der Gesamtjahresausblick fiel ein wenig positiver aus. Man erwartet nun einen Gewinnrückgang von 15-20%, statt wie zuvor 20-26%.

Boeing hadert weiterhin mit dem Dreamliner 787. Die Produktion der Rumpfteile musste nun gestoppt werden, nachdem schwerwiegende Mängel der Kohlefaserkonstruktion erkannt wurden. Amgen gab positive Ergebnisse der FDA bezüglich des Osteoporose-Medikaments "Denosumab" bekannt. Eli Lilly meldete hingegen das Ende einer Versuchsreihe, ebenfalls im "Wachstumsmarkt" Osteoporose. Merrill Lynch stufte Aktien der Citigroup von Underperform auf Buy. AIG haussiert 29,2% nachdem der neue CEO Rob Benmosche meldete, die Staatshilfen könnten bald zurückgezahlt werden.

Licht und Schatten im Retail-Sektor

Die Einzelhändler Saks und Target überraschten deutlich positiv bei Umsatz und Gewinn. Die massiven Kostensenkungen zeigten nun Wirkung, wobei die vergleichbaren Umsätze weiterhin stark rückläufig sind. Der Kaufhausbetreiber Sears ist im vergangenen Quartal in die roten Zahlen gerutscht und verfehlte die Erwartungen deutlich. Nach einem Gewinn im Vorquartal beträgt der Verlust nun USD 94 Mio. Der Umsatz sank im gleichen Zeitraum um 10,3% auf USD 10,55 Mrd. Als Begründung für den Verlust werden der Absatzrückgang bei Haushaltsgeräten und Werkzeugen, sowie die Kosten für Filialschließungen und das insgesamt trübe wirtschaftliche Umfeld genannt. Die Aktie knickt 17% ein. Auch J.C Penney enttäuschte auf allen Ebenen.

In der nächsten Handelswoche werden kaum relevante Quartalszahlen gemeldet, die Berichtssaison ist de facto zu Ende. Nachdem 485 Unternehmen aus dem S&P 500 Zahlen gemeldet haben, lässt sich ein mäßiges Resümee ziehen. Die Gewinne im S&P fielen von USD 18,83 (Q2/08) auf 15,81 (Q2/09), ein Minus von 16%. 72% der Unternehmen überraschten positiv, Grund zur Euphorie ist bei einem detaillierteren Blick auf die Quartalsberichte jedoch nicht angebracht. Insbesondere die Bilanzkosmetik im amerikanischen Finanzsektor mag zwar kurzfristig die Optik der Ergebnisse beschönigen, die grundlegenden strukturellen Probleme wurden jedoch wieder nur für ein weiteres Quartal unter den Teppich gekehrt.

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