Wrabetz im Interview

"Dann wäre der ORF schon insolvent"

21. August 2009, 23:50
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    foto: apa/jäger

    O-Ton: Der ORF hat ersucht, den O-Ton von Alexander Wrabetz über sich und seine Direktoren nicht anzubieten. Begründung: Die Verwendung von MP3-Mitschnitten des Interviews auf etat.at sei nicht besprochen gewesen. Wenn's so ein Anliegen ist...

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    foto: standard/cremer

    Mal sehen, was die Politik mit dem ORF noch anstellt: ORF-Chef Alexander Wrabetz im Nationalrat. Er hofft, dass ihm die Republik doch noch Befreiungen von TV-Gebühren abgilt. Im Herbst steht das neue ORF-Gesetz an.

Eine Art Abwrackprämie fordert General Wrabetz - Die Politik koste den ORF jährlich 200 Millionen - Um seinen Job würde er sich "unverbesserlich" wieder bewerben, sagt er dem STANDARD - Direktorentausch nicht ausgeschlossen: Da kommt Wrabetz rasch auf die miesen TV-Marktanteile

STANDARD: Der Teich vor dem ORF, in dem sich Roland Rainers Gebäude spiegeln soll, ist seit Wochen trockengelegt. Ein Bild für die große Dürre auf dem Küniglberg?

Wrabetz: Das zeigt nur, dass architektonische Spielereien die Gefahr ständiger Reparatur in sich bergen, Altlasten, die Geld kosten, aber unserem Publikum nichts bringen. Der Teich wird immer wieder zur Reinigungung und Reparatur ausgelassen, also kein spezifisches Bild für die aktuelle Situation.

STANDARD: Heuer passt es besonders gut. Zuschauer, Geld, interne Stimmung, Verständnis der Politik, alles ziemlich auf dem Trockenen.

Wrabetz: Natürlich gibt es große Herausforderungen. Aber schauen Sie sich die Ausgangslage zu Beginn des Jahres an: Nachweislich die größte Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte. Alle Medien haben ganz massive Probleme. Bei uns überschneidet sich das mit dem Strukturwandel der Digitalisierung, mit der die Konkurrenz der Werbefenster deutscher Privatsender stark gewachsen ist. Aber im Gegensatz zu Jahresbeginn haben wir einen klaren Weg: Die Politik mag noch diskutieren, wie welches Organ des ORF zusammenzusetzen ist. Aber ihr ist klar, der ORF soll in seiner Gesamtheit erhalten bleiben. Und, bei allen Schwierigkeiten, wir haben die Voraussetzungen, die Kostenseite in den Griff zu bekommen. Trotz dieser schweren Konjunktur- und damit Werbekrise. 

STANDARD: Die Kostenseite sieht noch nicht ganz im Griff aus: Sachkosten über Plan, deutlich höherer Verlust als budgetiert.

Wrabetz: Wir sind auf dem Weg: Gegenüber den Rahmenbedingungen des Jahres 2007 werden wir Ende 2009 insgesamt schon 85 Millionen eingespart haben. Und wir sparen jetzt, für 2010 noch einmal 80 bis 90 Millionen ein. Das sind allein nächstes Jahr fast 10 Prozent des Umsatzes.

STANDARD: Wo kamen die 100 Millionen?

Wrabetz: Wir sind bei den Personalkosten schon seit 2007 massiv auf die Bremse gestiegen, zum Beispiel durch Nicht-Nachbesetzungen und sehr maßvolle Lohnrunden, die durchwegs unter dem Tariflohn-Index lagen. Ebenso massiv bei den Sachkosten. Rechtekosten, Zukäufe, angemietetes Personal, Investitionen, das sind die großen Sachkostenpositionen. 

STANDARD: Können Sie mir Beispiele nennen, wo sie konkret eingespart haben? 85 Millionen Euro sind ja kein Mailüfterl. Sie werden ja nicht überall fünf Euro heruntergehandelt haben.

Wrabetz: In Wirklichkeit sind die Sachkostenbudgets in den einzelnen Bereichen, wo der Jammer groß ist, stark gesunken, ohne die Leistung einzuschränken. Es wäre angenehm, wenn es nur drei Schrauben bräuchte, wie manche Menschen aus der früheren Monopolverwaltung glauben. Auch bei den Personalkosten lagen unsere Lohnrunden weit unter den übrigen Abschlüssen. Wir haben 170 Leute weniger als vor eineinhalb Jahren.

STANDARD: Im ORF selbst oder im Gesamtkonzern samt Töchtern?

Wrabetz: Im ORF, ständiges Personal.

STANDARD:  Und im Gesamtkonzern?

Wrabetz: Ist die Einsparung ein bisschen geringer. Es gab Töchter wie die ORS, die ausgeweitet haben.

STANDARD: Von außen wirkt es, als würde nur der Personalstand im ORF selbst geringer. Sprich: Auslagerung in Töchter.

Wrabetz: Der Eindruck war vielleicht bei den Auslagerungen 2003 richtig. Heute wachsen einfach manche Töchter, die ORS oder die GIS, der die Telekombefreiungen die Verwaltung aufwändiger machen. Und dann sind wir schon bei ein, zwei Jobs im Onlinebereich. Wenn's darum geht, die Produktivität zu steigern und die Kosten zu reduzieren, muss ich die Stammbelegschaft betrachten.

STANDARD: Hängt Ihnen bei den Personalkosten nicht noch immer nach, dass Sie sich als Finanzdirektor vor sechs Jahren nicht gegen die Anstellung von mehr als 1000 freien Mitarbeitern gewehrt haben?

Wrabetz: Im Gegenteil, ich finde diese Maßnahme heute bestätigt, wenn ich mir die Diskussion um freie Mitarbeiter bei der APA ansehe: Der ORF hatte ein Problem mit dauerhaft beschäftigten freien Mitarbeitern. Er wäre der erste Paradefall gewesen, wie die Gewerkschaft sich nun die APA aussucht als, unter Anführungszeichen, verwundbares öffentliches Unternehmen. Sonst hätte sie sich für diese Art Sammelklage und Prüfung den ORF ausgesucht. Das war ja alles angekündigt. Es war notwendig, diese Altlast zu lösen, die uns die Menschen aus der Monopolverwaltung hinterlassen haben. Man kann diskutieren, ob das 1400 oder 1300 ...

STANDARD: Wieviele waren es nun wirklich?

Wrabetz: In Vollzeitäquivalente umgerechnet waren 1800 freie MItarbeiter betroffen. 200 haben wir damals echt abgebaut. 200 sind in Tochtergesellschaften gegangen. 200 in ausgelagerte Produktionen, etwa zu Produzenten des Kinderprogramms. Und 1200 haben wir angestellt. Handverlesen die jahrelang durchbeschäftigten, mit fixem Arbeitsplatz, in Hierarchie und Dienstpläne integriert. Das war zu sanieren.

Der Deal war: Wir können diese Menschen nicht zu den bisherigen ORF-Konditionen anstellen, in die sich die Betroffenen aber zum großen Teil hätten einklagen können. Hätten sie das getan, wäre der ORF schon mit der Klage insolvent gewesen. 

STANDARD:  Weil?

Wrabetz: Der ORF hätte sicher um 200 Millionen Euro für eine Sammelklage auf die alten Dienstverträge mit anteilig Abfertigung, Pension und Prozesskosten rückstellen müssen. Man kann heute streiten, ob man mit 1100 oder 800 Anstellungen ausgekommen wäre. Der Ansatz war aber ähnlich wie heute bei den Verlegern. Die stellen ihre freien Mitarbeiter in Töchter - "Content Engines" - nach anderen Kollektivverträgen an. Wir haben damals einen schlankeren Kollektivvertrag ausgehandelt, der aber die Notwendigkeiten des Journalistengesetzes eingehalten hat. Wenn schon alle Probleme, die ein Unternehmen haben kann, gleichzeitig kommen, dann haben wir wenigstens dieses eine schon gelöst.

STANDARD: Ehemalige ORF-Manager sagen, diese Anstellung 2003 sei heute eines Ihrer größten Probleme.

Wrabetz: Sonst hätte man das noch ein paar Jahre geschleppt, und das Problem wäre nicht kleiner geworden. Die Alternative wäre gewesen, in den Jahren ab 1990, vor allem 1994 nicht soviele freie Mitarbeiter zu beschäftigen, um formal den Stand der Angestelltenzu senken.

>>> Wrabetz zu Bonuszahlungen, Verhandlungen mit dem Betriebsrat und Kampfmaßnahmen

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Posting 1 bis 25 von 59
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henrychinaski
00
24.8.2009, 08:00
Äääähhhmm...

"....Sachkostenbudgets stark gesunken...,...ohne die Leistung einzuschränken..." !?

Offenbar findet der Generaldirektor keine Zeit mehr das von ihm verantwortete Produkt objektiv qualitativ zu beurteilen. Sommerloch hin oder her, ständig Wiederholungen alter Sendungen ("auf vielfachen Wunsch nochmals" - selbst in Magazinen werden Wiederholungen gebracht), Informationsgehalt der ZIBs sinkt (internationale Nachrichten kann man auch anderswo sehen, und das schneller und besser).
S.g. Herr Generaldirektor, die Konsumenten ihres Produktes merken dies, wenn auch nicht sofort, sondern mittel- bis langfristig. Man kann nicht alles auf "geändertes Seherverhalten", Digitalisierung, etc. schieben...

ehschowissn2
00
23.8.2009, 19:14
nur so dahingedacht

könnte es nicht auch sein, dass wrabetz es einfach nicht kann?
ich kann auch nicht geige spielen. drum melde ich mich auch nicht bei den philharmonikern. wrabetz war ja buchhalter und vorher juso. woher sollte er einen sender führen können?

zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
00
23.8.2009, 19:45
vielleicht hat es ihm jemand eingeredet.

kann durchaus einmal vorkommen und scheint beim khg auch bestens funktioniert haben.

HagenvonTronje
01
23.8.2009, 14:39
wo sind die wirklich relevanten Fragen

etwa, wie Hr Wrabetz es verantworten kann, Privatsender- Müll auf Kosten der Allgemeinheit auszustrahlen, die nach Stasi- Methoden einfache Bürger behandelt, als wären sie Verbrecher, weil sie einen gewissen TV- Sender nicht bezahlen wollen, auf den sie auch verzichten würden??? Aber nein, dieser Tage fragt man nciht allzu kritisch. Lieber drumherum reden und so tun, als wäre das normal. So lange es keiner fragt, gibt es auch keine Idiotien.

franz der freie
 
01
23.8.2009, 13:31
externe müssen sich einige monate im jahr arbeitslos melden, damit keine ansprüche entstehen.

der orf beutet den sozialstaat schamlos aus. schöne grüsse ans ams.

zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
01
23.8.2009, 09:34
der orf ist ein fall für den kompost. laufend wird dort vergorenes

ausgestrahlt und gleichzeitig kassieren familien-seilschaften ab.

der alex ist vollkommen überfordert und daran wird sich auch nichts ändern. ein überforderter in führungsposition ist aber nichts neues.

Joachim Granner
00
23.8.2009, 08:21
ORF - Medienkrieg und Hetze gegen Kärnten

Der ORF , das sind unsere , von uns Kärntnern bezahlten Feinde .

zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
00
23.8.2009, 12:33
die politischen vertreter kärtens und einige aus dem kärtner volk sind

die feinde ihrer selbst und spielen gekonnt in dieser dramödie.

Tarmieheg
13
23.8.2009, 06:16
Volksverblödungssender

...vom ORF kommt eigentlich, mit sehr wenigen Ausnahmen, nichts als seichteste Unterhaltung (um kein unfreundlicheres Wort zu gebrauchen) und politische Indoktrination. Und ja, natürlich Werbung.

Alle Sender, TV und von lokalen bis zu Ö1 und FM4 sind offensichtlich auf Meinungsgleichheit eingeschworen worden, nur die Art der Darbietung unterscheidet sich. Wäre dies ein Privatsender, könnte man sagen "einfach umschalten". Aber es ist ein Skandal und einer demokratischen Gesellschaft unwürdig, dass diese Art Indoktrination durch die Öffentlichkeit zwangsfinanziert werden muss.

Yaketi Yak
00
24.8.2009, 00:06

Einen (nicht mal geraden) Satz wie >> Alle Sender, TV und von lokalen bis zu Ö1 und FM4 sind offensichtlich auf Meinungsgleichheit eingeschworen worden << - kann man derlei, äh, Meinungen auch nur ansatzweise ernstnehmen?

Republikflucht !
02
23.8.2009, 01:58
Meldet eure Fernseher ab.

JETZT!

werwolfi
01
22.8.2009, 22:58

den laden an einen deutschen sender verscheuern und zu diesem behufe 500 millionen an steuergeldern nachschießen... ging doch bei der AUA auch! ;o)

juergen |
01
22.8.2009, 22:38

In ein paar Jahren werden wir den ORF an das ZDF verkaufen, da werden wir dann aber nicht wie bei der AUA mit 500 Mio "Förderung" auskommen.

derjungeroemer
03
22.8.2009, 22:05
ich wäre für einen ORF

mit werbeeinnahemen wie bisher,
ohne gebühren, logischerweise damit auch ohne gebührenbefreiungstrara, sondern statt der gebühren einfach ehrlich finanziert aus steuermitteln.
es zahlen auch leute für die kultur, die nie in die oper gehen bzw. leute für die autobahnen ohne auto.

derjungeroemer
01
22.8.2009, 22:02
hab ich das richtig verstanden?

wenn die freien mitarbeiter zu den konditionen der anderen angestellt worden wären, wäre der ORF bankrott gegangen?
klingt wie ein jahrelanger selbstbedienungsladen!

radi
01
23.8.2009, 11:02
Klingt eher wie jahrelange Hinterziehung von Sozialabgaben ...

.... und vermutlich auch jahrelang gelebtes Vertrauen das bei den GPLA-Prüfungen eh a Augerl zudruckt wird.

WAKU
01
22.8.2009, 21:10
Das schwarze ORF Loch...

..ist wie Opel, ein Leidensweg, ein Ort der persönlichsten Freundschaften, und - ein Faß ohne Boden mit stetig schwindender Leistung., voll von "Machern" und "Erfolgstypen" mit Profilierungskünsten. Aber ohne Klasse und Stil.

juergen |
00
22.8.2009, 22:36

Der ORF ist ein Rotes und kein Schwarzes Loch.

cyber ferkel
00
22.8.2009, 19:12

Abwrackprämie? Da wär' ich dafür. die Vera tät' ich als erst abwracken.

Hamad Leomic
05
22.8.2009, 17:11
Aktuelles Beispiel ORF

Meine Freundin hat bei einem ORF Landesstudio nun einen gut bezahlten Leasingvertrag bekommen. Es ist ihr Zweitjob. Bisher hat sie auf Stundenbasis dort Führungen gemacht. Es freut mich für sie, das ist gutes Geld!!!
ABER:
Eigentlich hat sie dort nicht mal eine definierte Funktion, dass heißt die Typen geben ihr einen Vertrag ohne das sie eine fixe Aufgabe hätte oder der Bedarf dort konkret vorhanden ist.
So wird mit den Geldern umgegangen! Wenn das schon im Kleinen so passiert, dann ergibt das große Bild irgendwie Sinn!
Unfähiges Pack welches noch immer wirtschaftet als wären wir in den 1970ern. Mehr kann man dazu nicht sagen!

"Wir müssen sparen, egal was es kostet!"

Yaketi Yak
00
24.8.2009, 00:07

Warum nimmt Ihre Freundin so einen Job an?

Xquadrat
00
24.8.2009, 10:00

Zwar nicht an mich gerichtet, aber es soll durchaus Leute geben, welche sich ihren Lebensunterhalt mit Erwerbsarbeit verdienen müssen.

Micky Maus
00
22.8.2009, 16:53
Nachweislich...

"Wir beschäftigen nachweislich in Österreich Kameraleute, Cutter und so weiter für unsere Filmproduktionen", meint Wrabez im Standard-Interview.

Das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist vielmehr, dass mit einer großen Sportübertragung (Tennis Kitzbühel) eine osteuropäische Produktionsfirma beauftragt wurde.

Also: "In Österreich" stimmt zwar, aber mit ausländischem Personal.

Michael Holzermayr2
01
22.8.2009, 16:47
Was kostet das Abwracken des Herrn Wrabetz?

Hansi müller3
01
22.8.2009, 16:01
Vielleicht sollte man den ORF ganz dicht machen und vom ZDF, ARD und 3SAT übernommen werden

Klaus Kleber und Gundula Gause könnte um 20 Uhr für Österreich die Nachrichten ablesen. Schreiben könnte die freie Internet Journalisten die Qualität würde sich unglaublich steigern. ZDF Frontal und Ard Monitor, Panorama könnten endlich unser Freunderlsystem durchleuchten.

In Zeiten der Globalisierung wäre das gar nicht so ungewöhnlich. Wenn österreichische Facharbeiter durch chinesische ausgetauscht werden, weil sie schneller und billiger sind, dann ist es keine Utopie mehr unser Fernsehen aus Deutschland zu senden.

Lufthansa lässt grüssen

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