Eine Art Abwrackprämie fordert General Wrabetz - Die Politik koste den ORF jährlich 200 Millionen - Um seinen Job würde er sich "unverbesserlich" wieder bewerben, sagt er dem STANDARD - Direktorentausch nicht ausgeschlossen: Da kommt Wrabetz rasch auf die miesen TV-Marktanteile
STANDARD: Der Teich vor dem ORF, in dem sich Roland Rainers Gebäude spiegeln soll, ist seit Wochen trockengelegt. Ein Bild für die große Dürre auf dem Küniglberg?
Wrabetz: Das zeigt nur, dass architektonische Spielereien die Gefahr ständiger Reparatur in sich bergen, Altlasten, die Geld kosten, aber unserem Publikum nichts bringen. Der Teich wird immer wieder zur Reinigungung und Reparatur ausgelassen, also kein spezifisches Bild für die aktuelle Situation.
STANDARD: Heuer passt es besonders gut. Zuschauer, Geld, interne Stimmung, Verständnis der Politik, alles ziemlich auf dem Trockenen.
Wrabetz: Natürlich gibt es große Herausforderungen. Aber schauen Sie sich die Ausgangslage zu Beginn des Jahres an: Nachweislich die größte Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte. Alle Medien haben ganz massive Probleme. Bei uns überschneidet sich das mit dem Strukturwandel der Digitalisierung, mit der die Konkurrenz der Werbefenster deutscher Privatsender stark gewachsen ist. Aber im Gegensatz zu Jahresbeginn haben wir einen klaren Weg: Die Politik mag noch diskutieren, wie welches Organ des ORF zusammenzusetzen ist. Aber ihr ist klar, der ORF soll in seiner Gesamtheit erhalten bleiben. Und, bei allen Schwierigkeiten, wir haben die Voraussetzungen, die Kostenseite in den Griff zu bekommen. Trotz dieser schweren Konjunktur- und damit Werbekrise.
STANDARD: Die Kostenseite sieht noch nicht ganz im Griff aus: Sachkosten über Plan, deutlich höherer Verlust als budgetiert.
Wrabetz: Wir sind auf dem Weg: Gegenüber den Rahmenbedingungen des Jahres 2007 werden wir Ende 2009 insgesamt schon 85 Millionen eingespart haben. Und wir sparen jetzt, für 2010 noch einmal 80 bis 90 Millionen ein. Das sind allein nächstes Jahr fast 10 Prozent des Umsatzes.
STANDARD: Wo kamen die 100 Millionen?
Wrabetz: Wir sind bei den Personalkosten schon seit 2007 massiv auf die Bremse gestiegen, zum Beispiel durch Nicht-Nachbesetzungen und sehr maßvolle Lohnrunden, die durchwegs unter dem Tariflohn-Index lagen. Ebenso massiv bei den Sachkosten. Rechtekosten, Zukäufe, angemietetes Personal, Investitionen, das sind die großen Sachkostenpositionen.
STANDARD: Können Sie mir Beispiele nennen, wo sie konkret eingespart haben? 85 Millionen Euro sind ja kein Mailüfterl. Sie werden ja nicht überall fünf Euro heruntergehandelt haben.
Wrabetz: In Wirklichkeit sind die Sachkostenbudgets in den einzelnen Bereichen, wo der Jammer groß ist, stark gesunken, ohne die Leistung einzuschränken. Es wäre angenehm, wenn es nur drei Schrauben bräuchte, wie manche Menschen aus der früheren Monopolverwaltung glauben. Auch bei den Personalkosten lagen unsere Lohnrunden weit unter den übrigen Abschlüssen. Wir haben 170 Leute weniger als vor eineinhalb Jahren.
STANDARD: Im ORF selbst oder im Gesamtkonzern samt Töchtern?
Wrabetz: Im ORF, ständiges Personal.
STANDARD: Und im Gesamtkonzern?
Wrabetz: Ist die Einsparung ein bisschen geringer. Es gab Töchter wie die ORS, die ausgeweitet haben.
STANDARD: Von außen wirkt es, als würde nur der Personalstand im ORF selbst geringer. Sprich: Auslagerung in Töchter.
Wrabetz: Der Eindruck war vielleicht bei den Auslagerungen 2003 richtig. Heute wachsen einfach manche Töchter, die ORS oder die GIS, der die Telekombefreiungen die Verwaltung aufwändiger machen. Und dann sind wir schon bei ein, zwei Jobs im Onlinebereich. Wenn's darum geht, die Produktivität zu steigern und die Kosten zu reduzieren, muss ich die Stammbelegschaft betrachten.
STANDARD: Hängt Ihnen bei den Personalkosten nicht noch immer nach, dass Sie sich als Finanzdirektor vor sechs Jahren nicht gegen die Anstellung von mehr als 1000 freien Mitarbeitern gewehrt haben?
Wrabetz: Im Gegenteil, ich finde diese Maßnahme heute bestätigt, wenn ich mir die Diskussion um freie Mitarbeiter bei der APA ansehe: Der ORF hatte ein Problem mit dauerhaft beschäftigten freien Mitarbeitern. Er wäre der erste Paradefall gewesen, wie die Gewerkschaft sich nun die APA aussucht als, unter Anführungszeichen, verwundbares öffentliches Unternehmen. Sonst hätte sie sich für diese Art Sammelklage und Prüfung den ORF ausgesucht. Das war ja alles angekündigt. Es war notwendig, diese Altlast zu lösen, die uns die Menschen aus der Monopolverwaltung hinterlassen haben. Man kann diskutieren, ob das 1400 oder 1300 ...
STANDARD: Wieviele waren es nun wirklich?
Wrabetz: In Vollzeitäquivalente umgerechnet waren 1800 freie MItarbeiter betroffen. 200 haben wir damals echt abgebaut. 200 sind in Tochtergesellschaften gegangen. 200 in ausgelagerte Produktionen, etwa zu Produzenten des Kinderprogramms. Und 1200 haben wir angestellt. Handverlesen die jahrelang durchbeschäftigten, mit fixem Arbeitsplatz, in Hierarchie und Dienstpläne integriert. Das war zu sanieren.
Der Deal war: Wir können diese Menschen nicht zu den bisherigen ORF-Konditionen anstellen, in die sich die Betroffenen aber zum großen Teil hätten einklagen können. Hätten sie das getan, wäre der ORF schon mit der Klage insolvent gewesen.
STANDARD: Weil?
Wrabetz: Der ORF hätte sicher um 200 Millionen Euro für eine Sammelklage auf die alten Dienstverträge mit anteilig Abfertigung, Pension und Prozesskosten rückstellen müssen. Man kann heute streiten, ob man mit 1100 oder 800 Anstellungen ausgekommen wäre. Der Ansatz war aber ähnlich wie heute bei den Verlegern. Die stellen ihre freien Mitarbeiter in Töchter - "Content Engines" - nach anderen Kollektivverträgen an. Wir haben damals einen schlankeren Kollektivvertrag ausgehandelt, der aber die Notwendigkeiten des Journalistengesetzes eingehalten hat. Wenn schon alle Probleme, die ein Unternehmen haben kann, gleichzeitig kommen, dann haben wir wenigstens dieses eine schon gelöst.
STANDARD: Ehemalige ORF-Manager sagen, diese Anstellung 2003 sei heute eines Ihrer größten Probleme.
Wrabetz: Sonst hätte man das noch ein paar Jahre geschleppt, und das Problem wäre nicht kleiner geworden. Die Alternative wäre gewesen, in den Jahren ab 1990, vor allem 1994 nicht soviele freie Mitarbeiter zu beschäftigen, um formal den Stand der Angestelltenzu senken.
>>> Wrabetz zu Bonuszahlungen, Verhandlungen mit dem Betriebsrat und Kampfmaßnahmen
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