Erich Fried Preis für Esther Dischereit

21. August 2009, 12:20
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Josef Winkler fungierte als alleiniger Juror

Wien - Der Erich Fried Preis 2009 geht an die deutsche Autorin Esther Dischereit. Als alleiniger Juror für die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung fungierte heuer Staats- und Büchnerpreisträger Josef Winkler. "Sprachempfindlich und -erfinderisch ist sie verletzten, abweichenden und ausbrechenden Wahrnehmungen und Erfahrungen auf der Spur", heißt es in seiner Begründung. Die Preisverleihung findet am 29. November im Wiener Literaturhaus statt.

Werdegang

Dischereit, geboren 1952 im deutschen Heppenheim und heute in Berlin lebend, gehöre "zur zweiten Generation, den Kindern der Shoah-Überlebenden. Die Auseinandersetzung mit ihrem Judentum hat die gelernte Schriftsetzerin, aktive Linke und Gewerkschafterin spät zur Schriftstellerin gemacht", so Winkler. Ihr Schreiben finde "immer wieder neu, Raum und Form - anders in den Gedichten, in der erzählenden Prosa, in den Hörstücken, anders in den Texten der streitbaren Essayistin oder den Welt- und Selbstauskünften ihrer gehaltvollen Interviews".

"Joemis Tisch. Eine jüdische Geschichte" bedeutete Dischereits literarischen Anfang im Jahr 1988, es folgten der Roman "Merryn" (1992), die Gedichtbände "Als mir mein Golem öffnete" (1996), "Rauhreifer Mund oder andere Nachrichten" (2001) und "Im Toaster steckt eine Scheibe Brot" sowie die Essays "Übungen jüdisch zu sein" (1998) oder "Mit Eichmann an der Börse" (2001). Dischereit arbeitete nach ihrer Ausbildung zur Pädagogin als Hilfsarbeiterin in der Metallindustrie und als Schriftsetzerin in der Druckindustrie, ab 1991 war sie für den Gewerkschaftsbund aktiv.

Zukunftsperspektive

Der Erich Fried Preis steht nicht für ein Lebenswerk, sondern soll an Schreibende jüngerer Jahrgänge gehen, die noch eine - hoffentlich große - literarische Zukunft vor sich haben. Er ist vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur gestiftet und wird von der Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache an deutschsprachige Autoren auf Vorschlag einer jährlich wechselnden, autonom entscheidenden Jurorin oder eines Jurors verliehen. Zu den bisherigen Erich Fried Preisträgern zählen Christoph Hein, Paul Nizon, Gert Jonke, Elfriede Gerstl, Oskar Pastior, Marcel Beyer, Peter Waterhouse und zuletzt Alois Hotschnig. (APA)

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