Wir hoffen auf die Tatkraft der Politikerinnen

21. August 2009, 18:38

Amina Hurch hatte sich "schon geistig darauf eingestellt, daß es mit Baby ziemlich anstrengend werden wird"

Es ist nun schon sieben Jahre her, seit meine Tochter geboren wurde. Sie war ein Wunschkind, und ich habe mich vorerst mit totaler (vielleicht
übermäßiger) Begeisterung auf mein neues "Projekt" gestürzt. Weil sie ein recht anspruchsvolles Baby war, hatte ich sie in den ersten Monaten rund um die Uhr bei mir, im Tuch getragen, voll gestillt, im Familienbett. Mein Mann hat sich eingebracht, so gut er konnte - es ist leider darauf hinausgelaufen, das das Kind meistens nur den Mutterbusen wollte, dagegen hatte er leider nicht viele Chancen. Das war zunächst ok, ich hatte mich vorher schon geistig darauf eingestellt, daß es mit Baby ziemlich anstrengend werden wird.

Decke auf den Kopf

Nach acht Monaten ist mir dann die Decke auf den Kopf gefallen - ich fühlte mich eingesperrt und isoliert und wollte irgendwie raus. Es ergab sich dann die Möglichkeit, in geringfügigem Ausmaß selbständig zu arbeiten, für zwei Nachmittage pro Woche blieb das Kind bei Papa oder Oma - das war wunderbar für mich. Außerdem fand ich ein Fitneßcenter mit toller Kinderbetreuung, zwar ein finanzieller Luxus, aber Balsam für Seele und Körper.

Zum Thema Finanzen: Das ist sich recht gut ausgegangen, wir hatten damals noch eine günstige Mietwohnung, und ich war glücklich über das gerade neu eingeführte Kinderbetreuungsgeld. Große Urlaube o.ä. war nicht drinnen, aber wir konnten gut leben. Mit einem Jahr habe ich meine Tochter bei den städtischen Krabbelstuben (in Linz) angemeldet, und bekam genau passend zum 2.Geburtstag meinen Wunschplatz. Die Eingewöhnung verlief problemlos und ab dann habe ich weiter selbständig Teilzeit gearbeitet, zunächst 20, dann 30 Wochenstunden plus Nacht- und Feiertagsdienste.

Zweites Kind

Daß mein Mann in Karenz geht, haben wir überlegt. Er hatte aber seine Ausbildung noch nicht fertig (ich schon), daher erschien es für uns als Familie auf Dauer günstiger, daß er nicht aussteigt. Wir überlegen nun ein zweites Kind, allerdings ist jetzt alles schwieriger geworden. Durch meine mittlerweile recht ertragreiche
Selbständigkeit kann ich mir eine längere Karenz nicht leisten. Wir haben ein Haus gebaut und höhere Fixkosten. Wir sind aufs Land gezogen, wo der Kindergarten Kinder mit Glück frühestens ab 2 aufnimmt, und im Ort gibt es keine Tagesmutter. Ohne größere Schwierigkeiten ist ein weiteres Kind für uns nur möglich, wenn das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld kommt und die in Planung befindliche Krabbelstube Wirklichkeit wird. Mein Mann wird in Karenz gehen, Stillen wird  allerdings nicht mehr so leicht möglich sein wie beim ersten Kind.

Nun hoffen wir auf die Tatkraft der Politikerinnen und darauf, daß wir mittlerweile noch nicht zu alt dafür sind. (Amina Hurch, dieStandard.at, 21.8.2009)

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    Amina Hurch: "Wir sind aufs Land gezogen, wo der Kindergarten Kinder mit Glück frühestens ab 2 aufnimmt, und im Ort gibt es keine Tagesmutter."

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