Aus Wellness- wird Gesundheitstourismus

21. August 2009, 10:44
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Gesundheit und Regionales immer wichtiger für heimische Hotels. Wellbeing Cluster NÖ: Gesundheitsanbieter nur mit hochwertigem Angebot erfolgreich

Wien/Neuhofen a.d. Ybbs (APA) - Behandlungsräume statt Saunas und Mostschaumsuppe statt Mangochutney. Das Angebot heimischer Hoteliers soll sich in den kommenden Jahren aufgrund veränderter Gästebedürfnisse stark von Wellness in Richtung Medizin sowie von exotischer Verpflegung zurück zu regionalen Speisen entwickeln. Diese beiden Trends sieht Christiane Scheiblauer, Managerin des Mostviertler Viersterne-Betriebs Kothmühle, für die Zukunft der Hotellerie.

"Wenn wir wieder ausbauen, werden wir sicher nicht die Sauna oder das Schwimmbad vergrößern, sondern eher Behandlungsräume einrichten", erklärte Scheiblauer. Bedingt durch den staatlichen Rückzug aus dem Gesundheitsbereich bei gleichzeitig wachsenden medizinischen Möglichkeiten und einem steigenden privaten Vorsorgebewusstsein würden sich auf diesem Feld zahlreiche Chancen für den Hotelsektor eröffnen.

Höchste Qualität sichert den Erfolg

Auch beim Wellbeing Cluster Niederösterreich sieht man eine verstärkte Entwicklung vom Wellness- zum Gesundheitstourismus. Allerdings würden gerade in diesem Bereich lediglich Angebote bestehen, die mit hochqualifiziertem Personal und stark spezialisiertem Programm auftreten, warnte Daniel Predota vom Wellbeing Cluster. In Niederösterreich würden derzeit rund 28 Prozent der Nächtigungen auf den Gesundheitstourismus entfallen.

Zukunftsthemen Ernährung und Stress

Stressbedingte Erkrankungen, Probleme mit dem Bewegungsapparat sowie die Ernährungssparte von Stoffwechselkrankheiten bis zu übergewichtigen Kindern gehören zu den größten Zukunftsthemen bei der privaten Vorsorge. Doch allzu leicht haben es Hoteliers, die auf den Zug aufspringen wollen, derzeit noch nicht: In Österreich gebe es nämlich im Gegensatz zu anderen Ländern noch kaum Daten zur "Public Health", an denen sich Unternehmen orientieren könnten, kritisiert Predota.

Bewegungsmangel und Raucherentwöhnung

In einer eigens in Auftrag gegebenen und bis jetzt nur den Cluster-Betrieben zur Verfügung gestellten Grundlagenstudie hatte der "Public Health"-Experte Franz Piribauer jedenfalls 2007 errechnet, dass 40 bis 60 Prozent der EU-Bevölkerung einen bewegungsarmen Lebensstil führen. Ein breites Publikum also für Hotels, die sich im Aktiv-Bereich und in der Änderung der Lebensgewohnheiten engagieren. Punkto schlechte Gewohnheiten zeigt die Studie außerdem Chancen beim Thema Rauchen: Viele Qualmer möchten aussteigen, schaffen es aber nicht allein. Es habe sich herausgestellt, dass Österreicher EU-weit die meisten erfolglosen Aufhörversuche starten.

Kur-Insel Österreich

Es werde im Gesundheitsbereich wie bereits im Wellness-Sektor stark auf die Spezialisierung und Abgrenzung vom Massenangebot ankommen, so Predota. In sehr medizinischen Bereichen, beispielsweise Diabetes, müssten die Betriebe aber derzeit noch stark mit den Angeboten der Sozialversicherung konkurrieren: "Österreich nimmt hier eine Inselstellung ein. In anderen Ländern ist es bei weitem nicht mehr so leicht, auf Kur geschickt zu werden", so Predota.

Merkbar sei diesbezüglich auch der Druck am Arbeitsmarkt. Es gebe häufiger Kurabsagen als vorher, auch wenn darüber öffentlich nicht gern gesprochen werde. "Wer heute drei Wochen auf Kur geht, fragt sich eher, ob er vielleicht gegenüber einem gesunden Kollegen zurückgesetzt wird". Das bedeute schlussendlich eine Aufwertung kürzerer privater Angebote in der Hotellerie. Auch Kurbetriebe würden sich nach dem Trend richten und vermehrt Urlaubsprogramme mit inkludierter Medizinschiene für Privatgäste anbieten.

Qualität wird vom Land gefördert

In Niederösterreich wurden 2008 vier gesundheitstouristische Betriebe eröffnet. Die Investitionskosten für das Gesundheitsresort Raxblick, die Therme Linsberg Asia, das Lebens.Resort Ottenschlag sowie das Kurzentrum Traunstein lagen laut Predota bei 121,1 Mio. Euro. Die ersten drei Einrichtungen erhielten 36 Mio. Euro aus Regional- und EU-Fördermitteln, für Traunstein wurden keine Angaben gemacht. Die Fördertätigkeit des Landes würde sich auf hochqualitative, dafür aber teurere Angebote konzentrieren. Die billigen Anbieter hätten es am Markt häufig schwieriger.

Keine Angst vor der umliegenden Konkurrenz

Auch durch die ebenfalls billigere Konkurrenz im umliegenden Ausland habe man derzeit noch keine Probleme. Insbesondere Ungarn befindet sich auf einem hohen medizinischen Standard und investiert kräftig in den Thermen- und Medizintourismus. Dennoch seien Servicequalität, Mitarbeiterqualifikation und Thermenstandards hierzulande noch höher. Die Betriebe in den Nachbarländern seien außerdem in vielen Fällen "Enklaven", so Predota, der auf die Regionalentwicklung und das Umlandangebot an den heimischen Standorten verweist. (APA)

  • Der Trend geht vom Wellness- in Richtung Gesundheitstourismus.
    foto: gesundheitsresort raxblick

    Der Trend geht vom Wellness- in Richtung Gesundheitstourismus.

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