Streit zwischen Israel und Schweden eskaliert

21. August 2009, 17:43
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Israel empört wegen Artikel über Organhandel - Außenminister Lieberman: Antisemitische Gräuelmärchen

Die Veröffentlichung eines Artikels in einem schwedischen Boulevardblatt hat für diplomatische Verstimmungen zwischen Israel und Schweden gesorgt. Auslöser des Streits war ein am Montag erschienener Artikel in dem für seinen zwanglosen Umgang mit Fakten bekannten Aftonbladet gewesen. Darin wurde die israelische Armee bezichtigt, seit 1992 mit Organen getöteter Palästinenser zu handeln.

Nach prompten israelischen Protesten distanzierte sich Schwedens Botschafterin in Tel Aviv, Elisabet Borsiin Bonnier, in einer Stellungnahme auf der Botschafts-Homepage von dem Artikel - ein Vorstoß, der allerdings ein Alleingang blieb: Die Regierung in Stockholm distanzierte sich sogar von der Vorgehensweise der Botschafterin. Für Schwedens Regierung und das Außenministerium seien Presse- und Meinungsfreiheit von größter Bedeutung, beschied ein Sprecher des Außenministeriums. Außenminister Carl Bildt äußerte sich lediglich in der für ihn gewohnten Form, in seinem Blog, zu der Affäre. Er äußerte Verständnis für die verletzten Gefühle vieler Israelis, lehnte eine Entschuldigung aber ebenfalls ab. "So läuft es in unserem Land nicht - und soll es auch nicht laufen."

In einer Erklärung, deren offizielle Übergabe Israel am Freitag ankündigte, verurteilte Israels Außenminister Avigdor Lieberman die offizielle schwedische Position. Es sei "bedauerlich", dass Bildt nicht Vorwürfen entgegentrete, die alten antisemitischen Gräuelmärchen ähnelten. "Dies erinnert uns an Schwedens Handlungsweise im Zweiten Weltkrieg - damals griff auch niemand ein" , zitierte die schwedische Nachrichtenagentur TT aus der Erklärung.

Im Zuge wachsender schwedischer Irritation wurde daraufhin am Freitag Israels Botschafter in Schweden, Benny Dagan, ins Außenministerium einbestellt. Nach dem Treffen hielt Dagan an der Forderung nach einer "starken Reaktion von der Regierung" fest, beschrieb die Beziehungen zwischen beiden Ländern aber weiterhin als "gut".

Unterdessen droht die diplomatische Krise sich auch zu einem innenpolitischen Skandal auszuwachsen. Schwedens Sozialdemokraten beantragten am Freitag, die offenkundig lückenhafte Kommunikation zwischen dem Außenministerium und der Botschafterin in Tel Aviv vom parlamentarischen Verfassungsausschuss untersuchen zu lassen: Der Alleingang der Botschafterin lasse auf "Anarchie" im Stockholmer Außenministerium schließen. (Anne Rentzsch aus Stockholm/DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2009)

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